Nach drei Monaten Notbetrieb ist das Iphöfer Hallenbad schon wieder dicht. Der Shutdown aber hat ausschließlich mit Gründen des Corona-Infektionsschutzes zu tun und nicht etwa mit der teils maroden Situation des in die Jahre gekommenen Bades. Wenn die Auflagen gelockert werden, könnte es Anfang Dezember wieder öffnen. Die Besucherzahlen waren offenbar auch während des seit Juli eingeschränkt laufenden Betriebs nicht so schlecht. „Bis zu 80 Prozent Auslastung“ meldete das Personal, wie Stadträtin Peggy Knauer in der Stadtratssitzung Anfang der Woche erklärte.

Ziemlich unvermittelt war das Thema im Rathaus und nun beim Stadtrat aufgeschlagen, nachdem Bürgermeister Dieter Lenzer Hinweise auf ein neu aufgelegtes Förderprogramm erreicht hatten. Mit dem Projekt möchte das Bundesinnenministerium die „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ anstoßen, schwerpunktmäßig öffentlich genutzte Sportplätze oder Schwimmbäder, weil hier ein besonders hoher Sanierungsbedarf gesehen wird. 600 Millionen Euro stellt der Bund nach eigenen Angaben bereit. Gefördert werden Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung. Der Bundeszuschuss soll zwischen 500 000 Euro und einer Million pro Projekt liegen.

Gutachter soll Schadens- und Sanierungsaufwand klären

Das Problem in Iphofen: Noch weiß bei der Stadt keiner, wie es mit dem 46 Jahre alten Hallenbad weitergehen soll. Zwar war sich der Stadtrat darüber einig, dass es das Schwimmbad braucht. Verlässliche Angaben zum Schadens- und Sanierungsaufwand gibt es aber ebenso wenig wie belastbare Auskünfte über die Kosten. Selbst die alles entscheidende Frage – Sanierung oder Neubau – ist längst noch nicht geklärt. Diese soll ein Gutachter beantworten, den die Stadt allerdings erst noch finden muss. Angesichts dieser Unwägbarkeiten mahnte Stadtrat Andreas Müller dazu, „erst einmal die Hausaufgaben“ zu machen. „Was braucht ein modernes und zukunftsfähiges Hallenbad? In welche Richtung soll sich das Bad entwickeln? Das alles wissen wir nicht. Wir machen den zweiten Schritt vor dem ersten.“

Für Stadträtin Peggy Knauer sind die wesentlichen Fragen dagegen geklärt. „Wir brauchen kein Spaßbad, sondern ein Schul- und Sportbad. Es wird nicht in eine völlig andere Richtung gehen als jetzt.“ Dies sah auch Otto Kolesch so. Mangels belastbarer Zahlen hat die Stadt laut Bürgermeister dem Ministerium voraussichtliche Sanierungskosten von sechs Millionen Euro, verteilt auf zwei Jahre, übermittelt. Auch Neubauten werden in Ausnahmefällen gefördert, nämlich dann, wenn der Sanierungsaufwand höher liegt als die Kosten für einen Ersatzbau. Genau das muss nun geklärt werden.

Kommt Iphofen tatsächlich zum Zug, was längst nicht sicher ist, hat die Stadt bis zum Jahr 2025 Zeit, die Fördergelder auszugeben. Das könnte weitere Abhängigkeiten schaffen, fürchtet Dritter Bürgermeister Jörg Schanow. Denn neben dem Schwimmbad steht das Millionenprojekt Weinbergsbewässerung an. Die Stadt könne in „Zugzwang kommen, sich für das eine oder das andere Projekt entscheiden zu müssen“, stellte Schanow fest. Das weiß auch der Bürgermeister. „Es kann sein, dass wir Prioritäten setzen müssen“, sagte Dieter Lenzer, „es kann aber auch sein, dass wir gar nichts kriegen.“