Eine Urlauberin kommt in das Büro der Dorfschätze im Wiesentheider Rathaus und fragt nach Möglichkeiten für einen Tagesausflug per Fahrrad. Das ist eine fast alltägliche Szene für Inge Thomaier und Steffi Dümig, die von Wiesentheid aus den aus neun Gemeinden im Umkreis gebildeten Zusammenschluss koordinieren. Der Tourismus ist dabei nur einer von vielen Punkten, der hier angeschoben werden soll.

„Wir sind nicht Iphofen oder Volkach. Es gibt aber auch bei uns Tage, an denen bis zu zehn Personen vorbeikommen und Auskunft wollen“, sagt Geschäftsführerin Inge Thomaier. Sie ist mit ihrer Kollegin Steffi Dümig derzeit dabei, neue Schwerpunkte für den seit 2003 bestehenden Zusammenschluss der Dorfschätze zu erarbeiten. Die erste Phase läuft 2016 aus, nun gilt es, einen neuen Förderantrag zu stellen, der ein neues Konzept, neue Themen und Projekte beinhaltet. „Was 2007 aktuell war, ist es jetzt nicht mehr unbedingt. Wir ergänzen das und bringen neue Ideen mit ein“, schildert Steffi Dümig.

Dazu brachten einige Bürger eifrig Ideen und Vorschläge mit ein – in fünf Arbeitskreisen mit jeweils verschiedenen Schwerpunkten. Es ging um den Wirtschaftsraum, das Thema Tourismus, die Kulturlandschaft, Identität und Zusammenarbeit der Gemeinden sowie um das Miteinander der Generationen.

Über Gemeindegrenzen hinaus wurde gedacht. „Man konnte auch Visionen haben, ein bisschen träumen. Ob es umgesetzt wird, das zeigt sich dann“, blickt Inge Thomaier auf die „sehr fruchtbaren Treffen“.

Zusätzlich werden die Bürgermeister befragt, wo sie Handlungsbedarf in ihren Orten sehen. All das bündelt die Geschäftsstelle derzeit, denn im Frühjahr 2016 muss der neue Förderantrag für die nächsten sieben Jahre beim Amt für Ländliche Entwicklung gestellt werden.

Die Vorteile der kommunalen Zusammenarbeit der Dorfschätze liegen auf der Hand. Generell ermöglicht es der Zusammenschluss, Projekte zur Aufwertung der Mitgliedsgemeinden gezielter anzupacken. Das lohnt sich vor allem finanziell. Die Gemeinden kommen leichter in den Genuss von Fördergeldern von der EU, vom Bund oder vom Freistaat, weil gerade von dort derartige Kooperationen propagiert würden.

„Diese Stellen fördern das, weil es effektiver ist“, führt Thomaier aus.

Als Beispiel nennt ihre Kollegin Steffi Dümig das Programm der Dorferneuerung. Zum einen würde die Aufnahme in dieses Programm eher für Gemeinden bewilligt, die wie die Dorfschätze bereits Mitglied in einem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) sind. Zum anderen erhalten Gemeinden, wie etwa Castell, zu den Fördersätzen noch einmal fünf Prozent mehr Geld, weil sie bei den Dorfschätzen mitmachen. „Das ist bei insgesamt zwei Millionen Euro einiges.“

In vielen Bereichen sparen die Gemeinden, weil sie Projekte nicht allein planen und durchziehen müssen. Geteilt durch neun Gemeinden fallen die Kosten eben günstiger aus, als bei einem alleinigen Vorstoß, wie etwa beim Erstellen eines Hochwasserkonzepts zum besseren Schutz. Oder beim Ausbau der neuen, größer dimensionierten Flurwege, den so genannten Kernwegen. Das ist ein Punkt, der künftig die Dorfschätze-Gemeinden beschäftigt.

Zu tun sei vieles, doch man will lieber gezielt anpacken, anstatt sich in zu vielen Projekten zu verrennen. Nicht nur im Vordergrund, sondern hinter den Kulissen, zur Unterstützung der Gemeinden und ihrer Bürger, wollen Steffi Dümig und Inge Thomaier in den nächsten Jahren wirken.

Dorfschätze

Dorfschätze: In der Arbeitsgemeinschaft „Dorfschätze“ haben sich die Gemeinden Abtswind, Castell, Schwarzach, Großlangheim, Kleinlangheim, Wiesenbronn, Prichsenstadt, Rüdenhausen sowie Wiesentheid zusammengeschlossen. Die Geschäftsstelle im Wiesentheider Rathaus koordiniert und initiiert seit 2003 gemeinsame Projekte, hilft bei Förderanträgen, entwickelt Ideen.

Der Bereich Tourismus ist ein Punkt, dem sich die Dorschätze besonders widmen. Den Touristen soll die Region nähergebracht werden, sie sollen zu kleinen versteckten Kostbarkeiten genauso geführt werden, wie zu berühmten Baudenkmälern, romantischen Landschaften oder an mittelalterliche Stadtmauern. Zugleich wird die gelebte Geschichte und fränkische Gastlichkeit der neun Orte vorgestellt.

Vorsitzender des Zusammenschlusses der Dorfschätze ist aktuell Wiesentheids Bürgermeister Werner Knaier; im Büro der Dorfschätze arbeiten Geschäftsführerin Inge Thomaier und Steffi Dümig.