Der Bullenheimer Berg am südlichen Rand des Steigerwalds und des Landkreises Kitzingen gibt einige lange gehütete Geheimnisse allmählich preis. Das Knauf-Museum in Iphofen bereitet derzeit eine Sonderausstellung vor, die dem Mythos des Berges gewidmet ist. Dort haben schon lange vor Christi Geburt Menschen gelebt. Viele Hinterlassenschaften früherer Siedler haben moderne "Grabräuber" allerdings gestohlen.
"Noch nie wurde in der weiteren Umgebung ein Berg dieser Größe in einem Museum nachgebaut", stellt Museumsleiter Markus Mergenthaler fest. Die zahllosen Funde, die von eifrigen Sammlern wie dem inzwischen verstorbenen Dornheimer Sammler Karl Alt übergeben wurden, werden rund um den maßstabgetreu nachgebildeten Berg zu sehen sein.
Beile, Hauen, Sicheln, Lanzen- und Pfeilspitzen stammen aus der frühen Bronzezeit um 880 bis 800 v. Chr. Darunter finden sich Bronzerohlinge, die darauf schließen lassen, dass die Bronze zum Guss antransportiert wurde. "Da es kein Bronzevorkommen in der Gegend gibt, muss es sich um einen gut organisierten Handelsweg gehandelt haben", vermutet Mergenthaler.

Höherer Priester auf dem Berg?


Wahrscheinlich habe es sich beim Bullenheimer Berg auf dem Hochplateau um eine Art "heiligen Berg" für die Region gehandelt. Hier könnte ein höherer Priester gewirkt haben. Mehrere goldene Hüte als Zeichen seiner Würde wurden entlang des 43. Breitengrades gefunden.
Einige Funde stammen aus Brandgräbern, die in der Gegend gar nicht vermutet worden waren. In ihnen wurden in der Frühzeit menschliche Überreste nach einer Brandbestattung beigesetzt.
Ob die gefundenen Gegenständen gehortet und die Depots irgendwann vergessen oder ob sie aus Kultgründen angelegt worden waren, weiß niemand.
"Wir haben mindestens 800 Objekte in der Ausstellung", kündigte Mergenthaler an. Dass es sich dabei um höchstens zehn Prozent aller Fundstücke handelt, erzürnt Mergenthaler und Seinsheims Bürgermeister Heinz Dorsch gleichermaßen. Nachdem sich 1973 herausstellte, dass das etwa 30 Hektar große Hochplateau von einer Wallanlage umwehrt ist, machten sich Hobbysammler in Scharen auf die Suche nach Fundstücken und entwendeten viele Gegenstände. Die zahlreichen Angebote im Internet zeugen davon.
"Es gibt im Landkreis einen Sammler, der begehrte Fundstücke hat, sie aber nicht herausrückt", beklagt Dorsch, dass bisherige Verhandlungen nicht zum Erfolg führten.
Dass in den knapp 20 Brandgräbern "sehr schöne Sachen" gefunden wurden, weiß Markus Mergenthaler auch aus Fachschriften, denn hier wurden die Funde ungeniert publiziert. Daher ist es auch ein Ziel der Ausstellung, die Menschen der Region zu sensibilisieren und auf "Räuber" aufmerksam zu machen.