Die zunehmende Trockenheit macht auf Dauer den Winzern in Franken zu schaffen. In Iphofen versucht die Stadt deswegen mit einem Pilotprojekt dem Problem der heißen Sommer zu begegnen. Sie sucht nach Möglichkeiten, 160 Hektar Rebfläche in den Hochlagen mittels Tröpfchenbewässerung vor Trockenstress zu bewahren. Die Lösung soll in der Kombination zweier Maßnahmen liegen: Regen- und Schmelzwasser in einem Becken zu speichern sowie geeignete Tiefbrunnen anzuzapfen. Gelingt das Projekt, ist die Stadt dazu bereit, mindestens sechs Millionen Euro auszugeben.

„Das Flair Iphofens geht dahin, wenn wir da draußen bloß noch Maisäcker haben“
Heinrich Wirsching Winzer

Noch schürfen und bohren Geologen und Ingenieure des Planungsbüros BaurConsult im Untergrund nahe der Gumpertsmühle Richtung Mainbernheim nach Standorten für einen Speichersee und einem bis zwei Brunnen. Aus dem See und den Brunnen soll künftig jeweils zur Hälfte die berechnete Menge von etwa 87 000 Kubikmeter Wasser für die gefährdeten Hochlagen von Kronsberg, Kalb und Julius-Echter-Berg kommen. Vom Ergebnis einer seit sechs Jahren laufenden Machbarkeitsstudie hängt ab, ob die Quellen genug Wasser für das Vorhaben speisen.

Nachdem es um das Projekt zuletzt still geworden war, legten die Geologin Heike Kraus und der Landschaftsarchitekt Michael Hübner von BaurConsult am Montagabend dem Bauausschuss ihren Zwischenbericht vor. Aus ihm geht hervor, dass „noch kein abschließendes Ergebnis für verlässliche Aussagen“ vorliege, dass es nach vielen Rückschlägen aber gleichwohl hoffnungsvolle Ansätze gebe. Anders als in den zuvor untersuchten Geländeabschnitten sind die Geologen im Umfeld der Gumpertsmühle auf halber Strecke zwischen Mainbernheim und Iphofen auf eine Stelle getroffen, an der sowohl die Menge als auch die Qualität des Gießwassers ausreichen könnten.

An den bislang geprüften Flächen, vorwiegend im Iphöfer Wehrbachtal, stand zwar stets genügend Wasser zur Verfügung, doch es erfüllte nicht die Qualitätskriterien, weil es zu viel Salz, Kalk oder Gips enthielt. Wegen Hohlräumen im Untergrund wäre zudem die Standsicherheit für das Speicherbecken nicht gewährleistet gewesen. So machten sich die Geologen immer wieder neu auf die Suche nach alternativen Wasserquellen und tragfähigen Standorten für einen See. Immerhin muss das Becken nach den ersten Berechnungen in der Lage sein, rund 70 000 Kubikmeter Regenwasser aufzunehmen. Aus den Brunnen sollen weitere 52 000 Kubikmeter kommen. Bei der chemischen Aufbereitung des Wassers gehen nach Aussagen der Experten bis zu 20 Prozent an Volumen verloren.

Je nach Dauer der Trockenperiode soll es jährlich zwischen Mai und August bis zu zehn Bewässerungszyklen über jeweils sieben Tage geben. Dabei wird pro Rebe zwölf Liter Wasser die Woche benötigt. Hochgerechnet auf 725 000 Reben, ergibt das den Bedarf von fast 8700 Kubikmeter Wasser wöchentlich. Nun muss geklärt werden, ob an den bezeichneten Stellen Menge und Qualität ausreichen. Dies soll in weiteren Untersuchungen geschehen, die dem Stadtrat bis Ende dieses Jahres vorliegen sollen. Erfüllt die Fläche alle Voraussetzungen, könnte im Jahr 2017 mit der Umsetzung begonnen werden.

Die Fachleute rechnen mit reinen Herstellungskosten von sechs Millionen Euro. Dazu kämen die Kosten für die Bewässerung und für den Betrieb. Der Vorsitzende des Weinbauvereins, Hansi Ruck, sagte in der Sitzung, der Großteil der Iphöfer Winzer stehe zu dieser Infrastrukturmaßnahme. Ruck antwortete damit auf Kritik des Stadtrats Otto Kolesch, der von einer „einseitigen Subventionierung der Weinwirtschaft“ gewarnt und gemutmaßt hatte, er habe den Eindruck, die Winzer hätten an dem Projekt nur wenig Interesse, vor allem, wenn sie mitbezahlen müssten.

Bürgermeister Josef Mend will sich einer „politischen Diskussion“ nicht verwehren, forderte dazu aber das Ergebnis einer „verlässlichen Machbarkeitsstudie“. Neben Gips sei der Weinbau in Iphofen ein „wesentlicher Wirtschaftsfaktor“ mit bis zu 450 Arbeitsplätzen. Ruck sagte, die Winzer könnten die auf 30 000 Euro geschätzten Jahresbetriebskosten der Bewässerung aufbringen, nicht aber die Investition in Millionenhöhe. Der Iphöfer Winzer Heinrich Wirsching wies auf die Notwendigkeit der Bewässerung hin. Er sei angesichts des Klimawandels in „großer Sorge“ und sagte: „Das Flair Iphofens geht dahin, wenn wir da draußen bloß noch Maisäcker haben.“