Die 700 Euro sind aus einem Sparschwein, das eigentlich eine Kuh war, verschwunden. Das scheint festzustehen. Wo das Geld hingekommen ist, wer es vielleicht gestohlen hat, das war auch in einer Verhandlung vor dem Kitzinger Amtsgericht nicht zu klären. Das Verfahren gegen einen 27-Jährigen wurde eingestellt, ohne Auflagen.

Damit bleibt das Ganze eine seltsame Geschichte. Laut Anklage war die Sache klar: Der 27-Jährige war gelegentlicher Gast in der Wohnung eines befreundeten Pärchens und übernachtete schon mal da. Zudem hatte er Hausrat im Keller gebunkert. Dann fuhr das Pärchen ein paar Tage weg. Eine Bekannte hatte den Schlüssel und versorgte Wohnung und Katzen. Der 27-Jährige wollte zu dem Zeitpunkt an seinen PC im Keller, rief den Freund an, ließ sich den Schlüssel geben und war dann allein in der Wohnung. Bei der Gelegenheit, so die Anklage, hat er die 700 Euro aus der Sparkuh genommen.

Davon allerdings wollte der Anklagte in der Verhandlung nichts wissen. Er sei zwar in der Wohnung gewesen, mitgenommen habe er aber nur seinen Computer. „Seit vier Jahren halte ich meine Füße still“, sagte der Mann, der einiges auf dem Kerbholz hat und alles dafür tun will, dass nicht noch mehr dazukommt.

Dann kamen drei Zeugen und mit ihnen mehr Fragen als Antworten. Die Wohnungsinhaberin hatte ihr eigenes System entwickelt, um die Übersicht über die Finanzen zu behalten. Dazu gab es jede Menge Sparschweine. In eines kamen beispielsweise die Kleinmünzen, in ein anderes die aus Silber. Dazu kam die Kuh, die für die Scheine zuständig war. Diese Kuh hatte sie kurz vor der Abreise mit einer Rolle Geld im Wert von 700 Euro gefüttert. Dazu noch mit einer kleinen mit 50 Euro. Als sie mit ihrem Freund zurückkam, fehlten die 700 Euro. Die 50 gleich daneben waren noch da. Auch 550 Euro, die neben der Kuh in einem Kuvert für den Türkeiurlaub steckten, waren nicht angerührt worden. Ebenso wenig wie das Kleingeld in den übrigen Sparschweinen. „Das war schon seltsam“, sagte sie.

Ausgeflippt ist sie dennoch. Der Verdacht fiel gleich auf den gelegentlichen Gast, der allein in der Wohnung war. Der allerdings wies alle Vorwürfe von sich. Zur Anzeige kam es dennoch und die Polizei versuchte, in der Wohnung verwertbare Spuren zu sichern, am Ende ohne Erfolg.

Dennoch landete die Sache vor Richter Marc Betz. Der war sich nach den Aussagen der drei Zeugen mit der Staatsanwältin schnell einig. Es spricht zwar einiges gegen den Angeklagten, aber: „Es fehlt ein bisschen das Motiv und vor allem fehlen handfeste Beweise.“ Also wurde das Verfahren eingestellt. Die bestohlene Frau hat das Geld längst abgeschrieben und war am Ende so schlau wie zu Beginn der Verhandlung, als sie sagte: „Ich verstehe das einfach nicht.“ Gelernt hat sie übrigens doch etwas auf der Sache: Seit der Geschichte ersetzt ein Tresor die Sparkuh.