Was haben Barbardos, die Seychellen und Gaibach gemeinsam? Auf den ersten Blick eher wenig, doch das könnte sich ändern. Ein Volkacher war in der ganzen Welt unterwegs, um in kurzer Zeit Corona-Teststationen aufzubauen – und zwar aus Seecontainern. Dasselbe Prinzip möchte er nun nutzen, um in Gaibach aus acht Containern ein Gebäude mit vier Mietwohnungen zu bauen. Doch der Volkacher Bauausschuss hat in seiner Sitzung am Montagabend die Bauvoranfrage mit 4:5 Stimmen abgelehnt.

Für den Bauherren wäre das Vorhaben eine nachhaltige Nutzung solch ausgemusterter Seefracht-Container. Die 40-Fuß-Modelle haben als Standardmaß rund 2,4 mal 12,4 Meter und sind 2,4 Meter hoch. Von deren ursprünglichem Aussehen bleibe aber nichts mehr übrig, der Wohnraum werde gedämmt und dann verputzt oder verkleidet. Hinzu komme eine Klimaanlage, die wärmt und kühlt und auf dem Flachdach eventuell noch Solarmodule für die autarke Versorgung.

Zwei Container möchte der Volkacher im Gaibacher Bleichwasen nebeneinander stellen, um eine Wohnfläche von je knapp 60 Quadratmetern zu erreichen. Diese Größenordnung kritisierten Peter Kornell und Herbert Römmelt (beide FWG) als nicht für Familien geeignet. Römmelt sagte als Gast, da er zwar im Stadtrat, aber nicht Mitglied des Bauausschusses ist: "Ich wäre nicht glücklich, wenn das so gebaut würde." Zudem sahen beide die Gefahr, dass dort im kleinen Baugebiet "An der Gaibach" Ferienwohnungen entstehen könnten.

Ottmar Böhnlein vom städtischen Bauamt erläuterte, dass das Baurecht in dem Punkt keine Unterscheidung mache. "Die Nutzung können wir ihm nicht vorschreiben." Auch Barbara Nikola-Bier hatte vor der Verwendung als Feriendomizil gewarnt. Gleichzeitig sah sie jedoch den Trend kleinerer Wohnformen, sogenannter Tiny Houses als interessant an: "Wir müssen uns grundsätzlichen Gedanken machen, wo wir ein Gebiet für solche Häuser haben."

Bezahlbarer Wohnraum gesucht

Neben Moritz Hornung (Grüne), der auf die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnraum für Alleinstehende und junge Paare verwies, plädierte auch Gaibachs Ortssprecher Hans-Jürgen Linke dafür, die Wohnungen aus Containern in dem Ortsteil zuzulassen. Linke zufolge gibt es bereits viele verschiedene Baustile in dem Gebiet. "Das passt eigentlich sehr gut als Lückenschluss für Gaibach." Auch Volkachs Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU) sagte, dass es in dem Bereich bereits Flachdächer und Häuser mit drei Wohneinheiten gebe, obwohl dort ursprünglich bis zu zwei Wohnungen pro Haus vorgesehen waren.

Doch eine knappe Mehrheit des Bauausschusses blieb skeptisch. Der Antragsteller hat vor, dennoch einen Bauantrag einzureichen, sagte er auf Nachfrage. Er sei überzeugt, dass man beim Bauen noch vieles vereinfachen könne. Das habe ihn sein Job in der Versorgung von Krankenhäusern gezeigt, bei dem er im vergangenen Jahr viele Versorgungseinheiten oder eben Corona-Teststationen aus Containern errichtet habe.

Die Nachfrage nach Wohnmöglichkeiten auf kompakten Raum sei da, sagt der Bauherr. Er habe viele Anfragen dazu, "aber die Leute möchten es sich anschauen können". In Gaibach lässt diese besondere Wohnform allerdings noch auf sich warten. Wobei die einzelnen Container auch mit Holzverkleidung grundsätzlich noch transportiert werden könnten. Falls dessen Bewohner doch von Meer statt der Mainschleife träumt.