Ein Sandstrand am Main? Eine echte Seltenheit. In Nordheim gab es noch ein solches Fleckchen zum Baden und Sonnen. Vor allem in den Sommermonaten verriet der Blick von der Vogelsburg hinunter ins Tal auf die kleine Sandbank am Altmainufer: Hier lassen Einheimische und Gäste ihre Seelen baumeln. Jetzt ist sie weg, die chillige Freizeitoase inmitten unberührter Natur. Mit schwerem Gerät hat die Bundeswehr die Zufahrt vom Main zu ihrem Wasserübungsplatz freigelegt.

Die Sandbank ist weggebaggert, sehr zum Leidwesen der vielen kleinen und großen Wasserratten und Kanufahrer, die an dieser Stelle auf ihrer Altmaintour meist anlegten und ein Päuschen machten. "Das Gelände gehört dem Freistaat Bayern, also der Bundeswehr", erklärte Sibylle Säger auf Anfrage. Die Gemeinde habe mit der Ausbaggerung nichts zu tun, so Nordheims Bürgermeisterin.

Zivilpersonen im militärischen Bereich

Nach ihrer Kenntnis sei die Maßnahme der Bundeswehr mit den Behörden und dem Bund Naturschutz abgesprochen. Spontan reagierte die Bundeswehr auf Nachfrage dieser Zeitung. "Die Sandbank wurde aus mehreren Gründen entfernt", heißt es in einer schriftlichen Erklärung aus Volkach. Der nebenamtliche Pressefeldwebel der Mainfrankenkaserne Thorsten Werner teilte mit, dass der häufige Übertritt in den Militärischen Sicherheitsbereich durch Zivilpersonen bei Niedrigwasser der Hauptgrund für das Ausbaggern war. Zusätzlich gebe es versicherungstechnische Gründe und "für Ausbildungen muss der Durchlass vergrößert und tiefer sein".

Grundsätzlich sei das Betreten des Geländes am nördlichen Ortsrand der Vögelein-Gemeinde verboten. Auf das Verbot würden überall Schilder "Militärischer Sicherheitsbereich" hinweisen – auch direkt an der ehemaligen Sandbank . Juristisch gesehen begehe man Hausfriedensbruch, wenn man das Gelände betritt, so Werner. Prekär sei die Situation geworden, als solche Schilder an der Sandbank immer wieder gestohlen wurden.

"Uns wurde sogar körperliche Gewalt angedroht, wenn wir nicht verschwinden."
Thorsten Werner, nebenamtlicher Pressefeldwebel

"Die Bundeswehr musste hier eine Lösung finden, um eine klare Grenze zu ziehen", begründet Werner das Abtragen von Sand und Kies. In seiner Tätigkeit war er in diesem Jahr mehrfach in Nordheim und versuchte den Anwesenden die Situation zu erklären. "Ich habe darum gebeten, das Gelände zu verlassen." Sein Appell an die Nutzer der Sandbank sei immer wieder auf Unverständnis gestoßen. "Uns wurde sogar körperliche Gewalt angedroht, wenn wir nicht verschwinden" erinnert sich der Feldwebel.

Das Schild, das am Tag davor angebracht wurde, sei da schon wieder verschwunden gewesen. Laut Werner wird der Übungsplatz Nordheim aktuell reaktiviert. Zu diesem Zweck habe die Regierung Unterfranken das Gelände zurück an die Bundeswehr übergeben. Diese plant, ab 2021 dort wieder vermehrt zu üben und vor allem Gewässerausbildung durchzuführen. Deshalb habe die Bundeswehr auch die Schutzmaßnahmen erhöht. Die Wache an der Zufahrtsstraße werde wieder dauerhaft besetzt.

Kleinod für Insider

Persönlich versteht Werner den Wunsch der Menschen, auf der schönen Sandbank zu verweilen, "gerade unter den momentanen Umständen", nimmt er auf die Corona-Pandemie Bezug. Der Pressesoldat bat aber im Namen der Bundeswehr die Bevölkerung um Verständnis: "Dies geschah zum Schutz der Zivilpersonen."

Ob das Wegbaggern der kleinen Sandidylle bei den Menschen auf Akzeptanz stößt, bleibt abzuwarten. Die Sandbank war ein einmaliges Kleinod für Insider, abseits des Massentourismus, wie er beispielsweise am beliebten Uferstück mit den Strandkörben neben der Nordheimer Fähre herrscht.