Der Umbau des Kindergartens ist für die Gemeinde Sulzfeld ein teurer „Spaß“. Rund 100 000 Euro an Mehrkosten drücken laut Bürgermeister Gerhard Schenkel auf die Kasse (wir berichteten). Weil die Gemeinde den St. Elisabethenverein als Träger des Kindergartens mit ins Boot holte, kam der finanziell ins Schlingern – und auch wegen falscher Zahlen ins Gerede: Vier Ehrenamtliche wurden wegen eines angeblichen „Finanzdesasters“ Opfer eines Pamphlets.

Was ein Passant in der Nacht zum Sonntag am Sulzfelder Haupttor entdeckte, macht Torsten Weber immer noch wütend. Der zweite Vorsitzende des Trägervereins hält Bild und Text des „Plakats“ für ehrabschneidend und „diffamierend“. Er habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Grund: Auf dem Bild, das die Wählergemeinschaft Pro Sulzfeld (WPS) zeigt, werden die vier Ehrenamtlichen mit Pfeilen gekennzeichnet und als „Verantwortliche“ für die Kostenexplosion („Wählen. Pleite. Sulzfeld.“) gekennzeichnet.

Falsch, sagt der Kindergartenverein. Bauherr seien Diözese und Gemeinde, der Verein nur für Betrieb und Personal zuständig. Als beim Umbau die Kosten aus dem Ruder liefen, klopfte die Gemeinde beim Verein an. Der sollte ein Drittel der auf 60 000 Euro geschätzten Teuerung mittragen. Um den Bau nicht zu gefährden, habe man „gezwungenermaßen“ mitspielen wollen, so Weber. Was der finanziell schwächelnde Verein nicht wusste: Im September 2012 musste er laut Weber weiteres Geld nachschießen, da bei der Planung „Einrichtungsgegenstände vergessen worden“ seien.

Als die Gemeinde die 20 000 Euro zur Deckung der Mehrkosten kassieren wollte, musste der Verein passen. 5000 Euro könne man zahlen, sagte der Vorstand und verwies auf eine fast leere Kasse. Die Gemeinde reagierte und übernahm die restlichen 15 000 Euro. Allerdings nicht ohne Konsequenz: „Ich war erstaunt, dass kein Geld mehr da war. Die müssen uns Zahlen vorlegen“, sagt Bürgermeister Schenkel.

Das sieht der Verein anders: Der Gemeinde sei bekannt, „dass der Verein schon jahrelang Defizite fährt und seine Rücklagen abbaut“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Miesen in der Bilanz rührten aber „nicht etwa aus Verschwendungen des Vereins“, sondern aus Investitionen, die die Gemeinde auf den Verein „abgeschoben“ habe. Als Beispiel gibt die Führungsriege den Umbau der Kindergarten-Gartens an, der alleine über 20 000 Euro gekostet habe.

Erstaunt ist die ehrenamtliche Vereinsführung darüber, dass der Gemeinde – wie im Gemeinderat zuletzt erklärt – Nachweise und Begründungen der Defizite aus den vergangenen Jahren fehlen. Nachweise „über die seit Jahren andauernde Fehlentwicklung“ seien im Juli 2013 vorgelegt und erläutert worden.

Was die roten Zahlen erkläre, seien meist Investions-Zuschüsse im Kindergartenbereich, die die Gemeinde hätten begleichen müssen. Zudem habe der Kindergartenbetrieb zweimal ein fünfstelliges Plus ergeben. Der Verein betont, dass er die Elternbeiträge in den vergangenen Jahren sozial verträglich erhöht habe und es in vergleichbaren Einrichtungen so sei, „dass ohne Zuschüsse hohe Defizite entstehen“.

Vorschaubild: © Selina Schätzlein