Die Teilnahme am Volkstrauertag auf dem Alten Friedhof von Kitzingen  war auf wenige Zuhörende und die Abordnungen von Feuerwehr und Rotkreuz begrenzt. Oberbürgermeister Stefan Güntner erinnerte daran, dass nie in der Geschichte der Menschheit so viele Opfer von Kriegen, brutaler Gewalt und Terroranschlägen wie im 19. und 20. Jahrhundert zu beklagen gewesen seien.

Die 55 Millionen Toten allein des Zweiten Weltkrieges seien eine unvorstellbar große Zahl, die mit den Opfern des Ersten Weltkriegs auf mehr als 80 Millionen Menschen wachse. Das seien fast so viele Menschen wie Deutschland Einwohner habe, betonte Güntner und stellte sich vor, von der südlichsten bis zur nördlichsten Stadt und von der westlichsten bis zur östlichsten Stadt zu fahren und keinen Menschen zu treffen.

All diese Menschen unterschiedlichster Herkunft hätten Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft gehabt, die durch die menschenverachtende Politik jener Zeit zerstört wurden. Millionen Frauen litten nach dem Tod ihres Mannes Not, mussten Kinder alleine erziehen. Millionen Kinder hätten ihren Vater nie kennengelernt und mussten ohne ihn aufwachsen. Millionen Menschen mussten in Bombennächten oder auf der Flucht ihr Leben lassen, starben an Kriegsfolgen, in KZs oder als Zwangsarbeiter.

Kriege kenne man heute nur aus dem Fernsehen. Vielleicht ein Grund, weshalb viele nichts mehr mit dem Volkstrauertag anzufangen wissen. Volkstrauertag, das habe irgendetwas mit Krieg, Soldaten, Schicksalen, mit Erlebnissen einer anderen Generation, mit Vergangenem, mit Tod und Trauer zu tun. Der Volkstrauertag gebe Gelegenheit über Vergangenes nachzudenken und öffne gleichzeitig den Blick für Gegenwart und Zukunft, es werde den Volkstrauertag auch in Zukunft brauchen. Güntner rief dazu auf, den Tag als wichtiges Erbe anzusehen und zu nutzen, um Atem zu holen und über Krieg und Gewalt nachzudenken.

Gräber unbekannter Soldaten

Auf dem Neuen Friedhof erinnerte Bürgermeisterin Astrid Glos an die Folgen der Weltkriege, von Vertreibungen, Terrorismus und Gewalt aller Art. Die Reservisten erinnern alljährlich an den Unbekannten Soldaten auf aller Welt, der für alle Zeit anonym in fremder Erde ruht. Von den in Kitzingen begrabenen 44 Wehrmachtsangehörigen seien 19 unbekannte Soldaten, die im Bombenhagel des 23. Februar 1945 ihr Leben verloren oder aufgrund ihrer körperlichen Schäden nicht mehr zu identifizieren waren.

Obwohl sie irgendwo in Deutschland vermisst wurden, Väter, Brüder und Söhne mit Eltern und Angehörigen waren, die jahrelang verzweifelt auf eine gute Nachricht hofften, sei ihr Schicksal nicht mehr zu klären. Da diese namenlosen Gefallenen in Gräbern ruhen, an denen niemand ein Grablicht entzündet und einen Blumengruß hinterlässt, übernehmen die Reservisten seit Jahren am Volkstrauertag diese Erinnerung.