Die Vorwürfe in einem Verfahren vor dem Kitzinger Jugendrichter waren nicht ohne: Besitz von Betäubungsmitteln, Bedrohung und Widerstand gegen Vollzugsbeamte standen in der Anklage. Am Ende kam ein 19-Jähriger mit der Einstellung des Verfahrens und einer Geldauflage von 2000 Euro davon.

Zu verdanken hat der junge Mann das seiner Kehrtwende im Umgang mit Alkohol und Drogen. Nach dem Vorfall hat er eine dreimonatige Therapie in einer Klinik gemacht. Er besucht die Suchtberatung und ist in einer Selbsthilfegruppe. Dass er seit eineinhalb Jahren drogenfrei ist, hat er in Drogentests nachgewiesen. Der 19-Jährige hat seine Lehre abgeschlossen und sein Betrieb hat ihn übernommen. "Geordnete Verhältnisse" nannte das die Jugendgerichtshilfe.

Dazu kamen Reue, Einsicht und ein Geständnis, das allerdings eher auf Hörensagen, denn auf eigenem Erinnern beruhte. "Ich kann mich an so gut wie nichts erinnern", sagte der Mann. "Totaler Blackout."

Auf Frust zum Whisky gegriffen

Was in den frühen Morgenstunden des 4. Januar 2019 passiert ist, stand fest, nachdem Jugendrichter Wolfgang Hülle fünf Zeugen gehört hatte. Danach ging es an einer Tankstelle in Kitzingen los. Dort hatte der damals 18-Jährige seine Ex-Freundin gesehen. Aus Frust über die kurz zurückliegende Trennung kaufte er sich eine Flasche Whisky. In der Wohnung eines Bekannten trank er die Flasche mehr oder weniger allein aus, dazu nahm er noch Amphetamin und Ecstasy. Das zeigte Wirkung: "Er war von jetzt auf nachher ein anderer Mensch", sagte der Wohnungsinhaber, der den Betrunkenen auf die Straße setzte.

Dann kam die Polizei ins Spiel. Um 2.55 Uhr kontrollierte sie den Mann und fand eine kleine Menge Drogen. Über 1,6 Promille zeigte das Messgerät für Atemalkohol. Die Beamten brachten den Mann nach Hause. Wenig später der nächste Einsatz. Der Mann hatte mit einer "täuschend echt aussehenden Waffe" den Mann bedroht, der ihn kurz zuvor rausgeworfen hatte. Wieder einige Minuten später drang er in einen Hauseingang ein, in dem eine Frau auf ihre Freundin wartete, um mit ihr zur Arbeit zu fahren. Plötzlich stand der Mann mit der Waffe vor ihr. "Ich hatte Panik", sagte die Frau als Zeugin. Sie rief damals um Hilfe und der Angreifer war verschwunden. Zurück ließ er eine Frau, die an Depressionen leidet, und die seither mit Angstattacken zu kämpfen hat.

Nacht endet in der Ausnüchterungszelle

Wenig später war der Auftritt vorbei. Eine Polizeistreife stellte den Mann. Der leistete Widerstand, wurde zu Boden gebracht und gefesselt. Die Plastikpistole wurde in der Nähe gefunden. Zudem hatte der Mann 7600 Euro Bargeld bei sich. Weshalb, blieb offen. Nachdem diesmal 1,4 Promille gemessen wurden, verbrachte er den Rest der Nacht in der Ausnüchterungszelle. Und da setzt seine Erinnerung wieder ein.

Was danach kam, war die schon erwähnte Kehrtwende und der Versuch der Schadenswiedergutmachung. Der Mann hat sich bei allen Beteiligten entschuldigt. Erklären kann er sich seinen Auftritt auch eineinhalb Jahre später nicht. Aber er ist sich sicher: "So etwas passiert mir nicht mehr."

Das nahm ihm das Gericht ab. "Die Tat ist nicht von Pappe", sagte Hülle, konnte sich aber mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen 18 Monate eine Einstellung vorstellen – gegen eine "heftige Auflage". Bei den vorgeschlagenen 2000 Euro konnte auch die Staatsanwältin mitgehen. Das Geld geht passenderweise an die Suchtberatung der Caritas.