Den Spott zu seiner Abschiedsfeier als Vorstand der VR Bank Kitzingen hat sich Peter Siegel selbst eingebrockt: Der 61-Jährige hat die SoundChexx eingeladen, in der Florian-Geyer-Halle aufzutreten und Stimmung zu verbreiten.

Musikalisch ist die A-Capella-Formation ja ohnehin ein Genuss, riss die 350 Gäste im Saal immer wieder zu frenetischem Applaus hin. Aber das Sahnehäubchen obendrauf war die kurzweilige Moderation von Thomas Most. „2001 war Peter Siegel ganz verzweifelt in Mannheim, wollte unbedingt Chef werden – zumindest mal in der Arbeit“, wie der ehemalige Vorsitzende des Stadtmarketingvereins nach einer Kunstpause spitzbübisch lachend hinzufügte.

Zur Ansage von Lionel Ritchies Welthit „All Night Long“, in dem es darum geht, die Arbeit Arbeit sein zu lassen und stattdessen Party zu machen, spottete Most: „2002 wurde Peter Siegel Chef in Kitzingen, „juhu, endlich nichts mehr arbeiten“, habe der damals gedacht. „Gedacht schon“ – aber es sei natürlich anders gekommen, „von wegen Party forever, Siesta“, wie es in dem Discohit aus dem Jahr 1983 so vielversprechend heißt.

In diesem Stil machte Most weiter, und wer gelegentlich Sorge hatte, Peter Siegel könnte es zu viel werden: Der amüsierte sich prächtig, wohl wissend, dass er ab jetzt selber bestimmt, ob er nun „Party forever“ oder lieber „Siesta“ macht.

Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, nahm Bezug zu einem Bericht, wonach sich Siegel in Franken vom Biertrinker zum Weingenießer weiterentwickelt hat. „Das kann ich bestätigen. Er hat vorhin ein Weißbier entschieden abgelehnt.“ Peter Siegel habe das Firmenkundengeschäft immer als sein Kerngeschäft betrachtet, „war in dieser Hinsicht Pionier. Wir greifen das auf, haben dazu demnächst eine große Veranstaltung“, so Gros.

Er heftete Siegel die goldene Ehrennadel des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes ans Jackett. Dazu sind mindestens 30 Jahre besonderer Einsatz auf örtlicher und überregionaler Ebene nötig, bei dem scheidenden Vorstand waren es sogar über 40 Jahre.

Nadelstiche wolle er keine setzen, betonte dann Lars Hille vom Bundesvorstand der DZ Bank, der auf den „Zeit“-Artikel mit dem Titel „Raiffeisenwunder“ verwies. „Vor der Bankenkrise galten wir als altmodisch. Danach folgten unsere besten Jahre“. In Kitzingen werde das Motto 'Die Bank, die dem Kunden gehört' gelebt, lobte Hille das bisherige Vorstandsduo Siegel/Roland Köppel.

Zu dem kurzweiligen Abend, bei dem nach der vorangegangenen Vertreterversammlung auch die Mitarbeiter und viele Ehemalige eingeladen waren, passte das vorzügliche Essen – der Kalbsrücken unter der Kräuterkruste war ein Gedicht. Später bedankten sich auch noch Werner Zürlein vom Betriebsrat und Vorstandskollege Roland Köppel bei Peter Siegel. „Zwischen uns ist in den 15 Jahren eine Freundschaft entstanden. Die wird bleiben.“

Seinen ersten Auftritt als Vorstand a. D. kommentierte der Geehrte trocken: „Ich gehe lieber zu früh als zu spät“. Er sei glücklich und zufrieden, habe keine Sekunde bereut, von Mannheim nach Kitzingen gewechselt zu sein. „Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt. Und das ist hier.“ Das Schlusswort blieb Thomas Most nach seinem Lieblingslied „Music was my first love“: „Heute war Vieles anders als üblich. Dass wir den Abend beschließen dürfen, gehört dazu“.