Dass ein Handwerker ein Geschäft mit Werkstatt eröffnet, ist nichts Ungewöhnliches. Doch davon hebt sich Theresa Kuhlmann ab, die kürzlich ihr Geschäft Stoffkunst & Polsterwerk in Iphofen aufmachte. Ihre Firmen-Philosophie ist die Nachhaltigkeit, die sie denkt und praktiziert. Als weiteres Alleinstellungsmerkmal verkauft sie fair gehandelte Produkte aus einer anderen Werkstatt.

Theresa Kuhlmann ist gebürtige Duisburgerin. Wegen des Berufs ihres Vaters siedelte die Familie mit ihrer aus Schweinfurt stammenden Mutter 1999 in unsere Breiten um. Theresa Kuhlmanns Opa war Schreinermeister gewesen und dessen handwerklichen Fähigkeiten färbten auf die Enkelin ab. Sie machte erst eine Ausbildung zur Polster- und Dekorationsnäherin und schob eine Ausbildung zur Raumausstatterin hinterher. Damit nicht genug, sattelte die heute 27-Jährige noch eine Schreinerlehre drauf und kann somit seit 2017 drei Gesellenbriefe vorweisen.

Handwerkliche Arbeit als Therapie

Von 2011 bis 2020 arbeitete sie im Marktbreiter Johanna-Kirchner-Haus der Arbeiterwohlfahrt, eine Übergangseinrichtung für psychisch beeinträchtigte Menschen. Dort leitete sie die Holzwerkstatt, wobei sie viel mit ihren Schützlingen plante und umsetzte und auch therapeutische Arbeit leistete. Vor fünf Jahren meldete sie ein Kleingewerbe an und werkelte an Möbelstücken in einer Werkstatt im Keller ihres Elternhauses. "Ich wollte einen Laden mit schönen Dingen haben", sagt die Iphöferin, die ihre Leidenschaft für Holz und Stoffe lebt, mit leuchtenden Augen.

Da die Nachfrage nach handwerklichen Produkten anstieg, deutete sich vergangenes Jahr die Verwirklichung ihres Traums an. Als sich eine Immobilie in der Maxstraße anbot und die Rahmenbedingungen passten, ging es flott. Seither fertigt Kuhlmann nachhaltige Heimtextilien, Polsterbezüge oder Postkarten. Bienenwachstücher mit Wachs von regionalen  Imkern gehören auch zur Produktpalette. Im Ladengeschäft sind zurzeit betagte Stühle zu erblicken, die auf die Restaurierung warten. "Aus einem alten Stuhl einen neuen zu machen, das ist nachhaltig, da der Werkstoff wieder verwendet wird", schildert die 27-Jährige ihre Sichtweise. Die junge Frau mit der breiten Berufsausbildung verwertet gerne auch aus Scheunen gerettetes Altholz, das mit rauen Oberflächen teilweise unbehandelt bleibt. Sie arbeitet in diesem Bereich mit dem Kitzinger Schreinermeister Rainer Seidl zusammen.

Theresa Kuhlmann sieht sich als "Handwerkerin und kreativer Geist", setzt auf Stoffe ohne Kunstfasern und verwendet bei der Restauration von Stühlen Gummikokos statt chemisch hergestellten Schaum. Den fairen Handel praktiziert sie mit dem Verkauf von Produkten wie Post-Grußkarten, Blumen und Engeln aus Holz, Deko-Artikeln oder hölzernen Schlüsselanhängern vom Johanna-Kirchner-Haus. Damit ermöglicht sie der dortigen Holzwerkstatt Verkaufserlöse zu einem angemessenen Preis und den Erzeugern eine Anerkennung ihrer Arbeit.