Bei Fußballspielen geht es nicht immer stilsicher zu: es wird geschimpft, gepöbelt und gemeckert. Besonders die Schiedsrichter sind ein gerne benutztes Frust-Ventil. Das ist Alltag auf den Fußballplätzen, egal wo, egal in welcher Liga.
In der Regel sind diese Vorfälle schnell wieder vergessen, das zuvor Gesagte wird dann meist der Emotion zugeschrieben. Hand reichen, auf die Schulter klopfen, die Sache vergessen. Das ist die Normalität. Sind sich die Parteien aber nicht einig, werden Meldungen an die Verbände verfasst - dann kommt das Sportgericht ins Spiel. Auch das ist ein weitgehend normaler Vorgang.
Nicht normal ist aber, dass ein verbaler Zwist nach dem Schlusspfiff das Amtsgericht in Kitzingen beschäftigt. Es ist eine Geschichte von verletzten Eitelkeiten, Rechthaberei und der Frage: Wer hat eigentlich was gesagt?
Es war Ende November vergangenen Jahres, als der SV Oberscheinfeld und der TSV Castell in der A-Klasse Schweinfurt 4, der zweitniedrigsten Liga, aufeinander trafen. Das Spiel, so sagen es die Beteiligten vor Gericht, gab eigentlich wenig Anlass zur Aufregung. Die Partie war lausig, es gab keine schwerwiegenden Foulspiele. Die Gäste aus Castell gewannen mit 3:1.

Das übliche Geschimpfe


Der Schiedsrichter begab sich nach Spielschluss auf den Weg in seine Kabine, musste sich dabei aber die Motzereien eines Oberscheinfelder Betreuers anhören. "Was willst du überhaupt? Bring' deinen Leuten erstmal das Fußballspielen bei", motzte der Referee zurück, stampfte emotional aufgeladen in die Kabine. Mit der Ferse, so sagt es der Schiedsrichter, habe er die Tür laut zugeknallt, vielleicht etwas zu laut: "Das war sicher keine Absicht." Nun fühlten sich der Betreuer und ein Vereinsoffizieller dazu bemüht, dem Ruhestörer die Leviten zu lesen. Ab diesem Punkt gehen die Schilderungen der Parteien auseinander. Während der Schiedsrichter davon sprach, dass gegen die Tür getrommelt worden sei und ihm Hiebe in Aussicht gestellt wurden, wollte der Oberscheinfelder Vereinsvertreter davon nichts wissen. Ja, man sei zur Tür gegangen, ja, man wollte mit dem Schiedsrichter sprechen und ja, man habe auch gesagt, eine Meldung an den Verband zu verfassen. Von einer Trommelei oder gar einer Bedrohung könne aber keine Rede sein.
Es steht Aussage gegen Aussage, ein verzwickter Fall. Wenige Tage nach dem Spiel hat das Sportgericht, dem die Meldungen beider Seiten vorlag, das Verfahren eingestellt. Weil der Schiedsrichter seine Behauptungen (Trommelei, Gewaltandrohung) nicht zurückgenommen habe, hat der Vereinsvertreter ("Wie stehe ich denn vor dem Sportgericht da?") Einspruch eingelegt. Und die Sache landete auf dem Tisch von Amtsgerichtsdirektor Paul Spengler, der das Zivilverfahren leitete. "Die Geschichte ist nicht aufklärbar", sagte Spengler und appellierte an beide Parteien, einem Vergleich zuzustimmen, um somit das Verfahren "in sportlicher Art zu einem Ende zu bringen."

Kosten werden aufgeteilt


Der Oberscheinfelder Vereinsvertreter hatte damit zuerst seine Probleme, stimmte dem Vergleich aber dennoch zu. Dieser besagt, dass beide Parteien sich einig sind, dass der Rechtsstreit beigelegt ist und keine gegenseitigen Vorwürfe mehr geäußert werden.
Die Kosten des Verfahrens trägt im Übrigen nicht die Staatskasse - sondern wird zwischen den Streithähnen aufgeteilt. Somit bleibt dem Steuerzahler zumindest die Begleichung dieser Farce erspart.