Laden...
Kitzingen
Gerichtsverhandlung

Telefonsex im Freien: 32-Jähriger muss hinter Gitter

Aus dem Gericht: Weil er vor einer Zeitungsausträgerin onanierte, fällt einem Exhibitionisten jetzt seine strafrechtliche Vergangenheit auf die Füße.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wegen Exhibitionismus stand ein Angeklagter vor dem Kitzinger Amtsgericht. Symbolbild: Ivo Knahn
Wegen Exhibitionismus stand ein Angeklagter vor dem Kitzinger Amtsgericht. Symbolbild: Ivo Knahn Foto: Ivo Knahn

So ganz verstehen muss man die Szene nicht: Da liegt ein Mann nackt mit dem Rücken auf dem Boden. Mit Blick auf den Kitzinger Falterturm. Es ist Ende April, morgens um 2 Uhr. Nach seinen Angaben hat der Mann Telefonsex mit seiner Freundin. Es geht gerade zur Sache, als eine Zeitungsausträgerin mit ihrem Roller des Weges kommt und ihren Augen nicht traut. Die Frau versucht schnell an die Briefkästen zu kommen, um dann Reißaus zu nehmen.

Der Mann, ein 32-Jähriger mit bewegtem Vorleben, betont bei seiner Verhandlung vor der Kitzinger Strafrichterin Patricia Finkenberger, dass ihm der Vorfall "ultra-peinlich" sei. Er habe an jenem Abend "mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass jemand vorbeikommt". Letztlich, so seine Argumentation, sei er von dem Zusammentreffen ebenso überrascht gewesen wie die Austrägerin.

Ein weiteres Zusammentreffen

Die als Zeugin geladene Frau erzählt die Geschichte ein wenig anders: Für sie sei der Mann ein Exhibitionist gewesen, der auch nach dem Zusammentreffen nicht aufgehört habe. Sie sei danach weiter ihrer Arbeit nachgegangen – und erneut auf den 32-Jährigen getroffen. Diesmal auf der Straße und angezogen, wobei er von der anderen Seite des Gehweges ganz komisch in ihre Richtung gelacht habe. Da, so die Zeugin, sei es ihr ganz anders geworden; diesmal machte sich auch Angst bei ihr breit.

Auch hier hat der Angeklagte, der sich während der Verhandlung bei der Zeugin entschuldigt, wieder eine andere Sicht der Dinge: Er habe sich bei der erneuten Begegnung mit der Frau bei ihr entschuldigen wollen. Der Verteidiger fordert deshalb auch Freispruch: Sein Mandant sei der Frau eben nicht – wie man das so aus schlechten Erzählungen kenne – als Exhibitionist entgegengetreten. Eine Absicht, dass die Frau ihn nackt sehen soll, habe eben nicht bestanden. 

Nach Entdeckung weitergemacht

Das sieht das Gericht völlig anders. Allein schon, dass der Mann nach seiner Entdeckung einfach munter weiter gemacht habe, spreche für sich. Auch dass er nach der unschönen Begegnung der Frau gefolgt sei und sie so noch einmal zusätzlich in Angst versetzt habe, sei ein "ungeschicktes Nachtatverhalten". 

Dabei müsste sich der 32-Jährige in diesem Bereich – was Dummheiten anbelangt – bestens auskennen: Er ist mehrfach vorbestraft, seit 2017 geht es immer wieder um Betrügereien, Diebstähle und Betäubungsmittel. Aktuell steht er unter zweifacher Bewährung.

Für das Gericht ist das Maß voll: Sein nächtliches Onanieren im Freien bringt ihm einen dreimonatigen Besuch hinter Gittern ein. Es dürfte aber noch dicker kommen: Die beiden Bewährungsstrafen, insgesamt 16 Monate Haft, muss der Mann womöglich auch noch absitzen. Darüber entscheidet die Staatsanwaltschaft.