Feiertage und Familienereignisse stellen für viele Menschen eine große seelische Belastung dar, die durch Einsamkeit und Gedanken des Verlassenseins noch verstärkt wird. Wird die Seelenpein zu groß, steht die Telefonseelsorge rund um die Uhr beratend und helfend zur Seite.

Die Telefonseelsorge startete in Würzburg bereits vor 48 Jahren, zunächst als eingetragener Verein mit Beteiligung der beiden Kirchen und ihrer Wohlfahrtsverbände, seit 2014 in einer Arbeitsgemeinschaft von Caritas und Diakonie Würzburg sowie dem Dekanat und der Diözese Würzburg. Diese decken räumlich auch den Landkreis Kitzingen ab und stehen für Hilfesuchende von dort bereit. 

Kein verstärkter Kontakt über Weihnachten

In normalen – nicht von Corona zusätzlich geprägten – Zeiten, werden täglich etwa 36 Seelsorge-Gespräche geführt. Allerdings, so die Leiterin der Einrichtung, Ruth Belzner, werden die kostenfreien Telefonnummern 0800 1110111 und 0800 1110222 erheblich öfter angewählt und es ist manchmal Geduld erforderlich, bis eine Verbindung zustande kommt. Eine verstärkte Kontaktsuche wurde über die Weihnachtstage nicht verzeichnet.

Die insgesamt 92 ehrenamtlichen Mitarbeiter stehen schichtweise für alle Anrufer als Telefonseelsorger zur Verfügung, um sich jeder belasteten Seele sorgend anzunehmen. Einzige Voraussetzung: Das Gespräch muss verständlich in Deutsch geführt werden.

Der Gesprächsablauf bleibt weitgehend dem Anrufer überlassen. "Wir spüren oft, dass sich Menschen beim Erzählen zunächst entlasten und ihre Gefühle sortieren", hat Diplompsychologin Belzner die Erfahrung gemacht, dass aufmerksames Zuhören und Nachfragen, um richtig zu verstehen, die Suche nach Lösungen vereinfachen.

Verzweiflung aushalten und Auswege aufzeigen

Andere Dialoge haben eine Alltagsplauderei zum Inhalt, die sich allerdings als wirksames und nebenwirkungsfreies Mittel gegen den Schmerz der Einsamkeit erwiesen hat. Wird allerdings ersichtlich, dass jemand akute Suizid-Gedanken hat, ist es vorrangig, die Verzweiflung zu verstehen, selbst auszuhalten, nicht zu bagatellisieren oder zu verurteilen, sondern zu vermitteln, dass es auch andere Auswege gibt.

Eine Verbindung mit dem Anrufer dauert etwa 15 Minuten, kann sich je nach Problemlage aber auch über eine Stunde hinziehen, bis man den Anrufer wieder sich selbst überlassen kann, so Belzners Erfahrung. Eine Garantie, dass besprochene nächste Schritte auch erfolgen, und die angebotene Hilfe angenommen wird, gibt es nicht.

In den Themen geht es schwerpunktmäßig um das eigene körperliche und seelische Befinden, um Ängste, um Ärger mit Personen aus der Familie und dem persönlichen Umfeld. Ein wichtiges Anliegen sind dabei auch, langfristig schwierige Situationen – auch mit fehlenden oder sehr belastenden Beziehungen – durch das Gespräch zu entlasten und die Situation zu stabilisieren.

Supervision ist ein wichtiges Instrument

Dabei kommt es vor, dass auch der Telefonseelsorger emotional sehr berührt wird. Dann wird es wichtig, im weiteren wieder zu sich selbst zurückzufinden, um das Leid des anderen nicht zum eigenen Leiden werden zu lassen. Die Supervision ist dabei meist hilfreich, ebenso ein akutes Gespräch mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter.

Dass das Thema Corona die Menschen tief berührt, wurde nur in den ersten Monaten der Pandemie deutlich, allerdings eher begleitend und verstärkend zu den alltäglichen Themen. Wie sie sich mit den Problemen ihrer Mitmenschen auseinandersetzen und sie beraten können, lernen und üben die Telefonseelsorger in einer etwa 150-stündigen Ausbildung. Diese vermittelt ihnen methodisches und fachliches Wissen.

Ist das Seelsorgetelefon belegt, erfolgt eine Verbindung an die nächste freie Stelle in anderen fränkischen Städten, wie Aschaffenburg, Nürnberg, Erlangen, Bamberg oder Bayreuth.

Eine weitere Seelsorgemöglichkeit besteht bundesweit zentral unter www.telefonseelsorge.de und im Chat. Alle Gespräche und Beratungen sind grundsätzlich anonym und streng vertraulich.