Seit vielen Jahren kämpfen die fränkischen Teichwirte um ihre Existenz. Drei Tiere machen ihnen das Leben schwer. So hat der Kormoran den Fischnachwuchs auf seiner Speisekarte. Die zunehmende Population der Biber untergräbt die Dämme der Fischweiher. Und jetzt hat sich der Fischotter angesiedelt, um die Laichtiere zu verzehren. Michaela Gerstner-Scheller, die Inhaberin der Fischzucht Gerstner in Obervolkach (Lkr. Kitzingen) traf sich am Montag mit Politikern der Freien Wähler, Vertretern der Fischereiverbände und Kollegen auf der Teichanlage in Obervolkach, um die aktuelle Situation zu diskutieren

Eingeladen hatte MdL Gabi Schmidt, die stellvertretende Vorsitzende der Freien-Wähler-Landtagsfraktion. Aufgrund der Corona-Pandemie war der jährliche Fachtag "Fischerei und Teichwirtschaft" im Frühjahr ausgefallen. Schmidt initiierte ein Ersatzprogramm "Fachtag unterwegs – Fischerei und Teichwirtschaft". Stationen der Tour waren Teichbetriebe in Petersaurach, Erlangen-Kosbach, Tirschenreuth, Mitterteich und nun Obervolkach.

Regionale Fischzucht als Teil des Green deals

Ulrike Müller, das Mitglied des Europäischen Parlaments, hatte Michaela Gerstner-Scheller und ihre Sorgen bei Fachtagungen kennen gelernt. In der europäischen Agrarpolitik und Biodiversitätsstrategie "Green deal" sei die Bewirtschaftung von Gewässern und Fischteichen eine riesige Herausforderung, sagte sie zu Beginn des Treffens. Die dort vorhandene Artenvielfalt und die regional erzeugten Lebensmittel passen nach ihrer Meinung "hervorragend in die grüne Architektur", die aktuell als Basis innerhalb Europas gebaut werde.

Nachhaltigkeit seien drei Dinge: Soziales, Ökologie und Ökonomie. "Unsere Betriebe müssen auch ein Einkommen erwirtschaften", so Müller. Gemeinsam marschierten die Teilnehmer der Fachtagung, darunter Willi Stein (Präsident des unterfränkischen Fischereiverbands), Bernhard Feneis (Präsident des Verbands der deutschen Binnenfischerei und Aquakultur), stellvertretender Landrat Robert Finster und Dr. Wolfgang Silkenat (Fachberater der Fischerei) vom Betriebsgebäude zum Inselweiher. Dort erläuterte Gerstner-Scheller die Historie ihres Unternehmens in der vierten Generation, das sie vor 16 Jahren von ihrem Vater übernommen hat.

Dieser hatte die elterliche Karpfenteichwirtschaft gemeinsam mit Fischzuchtmeister Karlheinz Steinl Zug um Zug erweitert. Heute bewirtschafte man einen Fischzuchtbetrieb mit 26 verschiedenen Fischarten. "Vielseitigkeit ist unser Markenzeichen", sagte die Fischwirtin über den nach eigenen Angaben "vielseitigsten und leistungsfähigsten Fischbetrieb Bayerns." Das Herzstück sei die Fischproduktion in den Teichen. Daneben betreibe man Speisefischvermarktung, Weinfestangebote, Biotop- und Gartenfische sowie Fischbesatz für Angelseen.

Fischwirte bald in Therapie?

"Allerdings brauchen wir bald einen Therapeuten, weil wir unsere Fische nicht mehr so produzieren können, wie wir es wollen", wandte sie sich an die Politiker. Gefräßige Kormorane sorgen für extreme Verluste.  Ein weiteres Problem sei der Biber, der das Abfischen der Seen erschwere und die Dämme unter Wasser untergrabe. Im vergangenen Jahr sei deshalb ein Damm eingebrochen. Dies sei gefährlich, so die Fischwirtin. "Wenn der Damm bricht, herrscht Gefahr im Verzug, sowohl für landwirtschaftliche Fahrzeuge, als auch für Spaziergänger oder unterliegende Ortschaften, die überschwemmt werden können." Ihre Forderung: eine Genehmigung für Nachtsichtgeräte zu Abschuss der nachtaktiven Biber, wenn sie im Damm graben.

Der Dritte im Bunde ist ein weiterer Fischräuber: "Wenn sich der Fischotter etabliert hat, dann können wir mit unserem Betrieb aufhören. Der Fischotter frisst vor allem die Laichtiere, die man nicht einfach ersetzten kann. Im Landkreis Tirschenreuth haben wegen dem Fischotter in den letzten drei Jahren bereits ein Drittel der Teichwirte aufgehört", berichtete Gerstner-Scheller.

Otter genauso reduzieren wie Wild

Einzäunungen inmitten der Natur seien keine Lösung. Wenn man eine Tierart ohne natürliche Feinde unter Schutz stelle, müsse man sich Gedanken machen, wie viele sinnvolle biologische Nischen zu besetzten seien. "Bei einer größeren Population muss man dann eingreifen – wie beim Wald mit Reh- und Rotwild" forderte die  Fischzucht-Chefin. Gerstner-Scheller betonte die Bedeutung der Teiche für die Natur und den Menschen.

Auf der fränkischen Trockenplatte gelegen würden sie für Wasserrückhaltung sorgen. Unzählige Vögel, Insekten, Amphibien und viele andere Tier- und Pflanzenarten seien in und an den Teichen zu finden. Die Fische in den Naturteichen hätten viel Platz und ernährten sich dort von der Natur. "Wenn die Politik uns nicht schützt, wird das alles bald nicht mehr möglich sein", warnte die Fischwirtin.