Neun Straftaten, acht Betrugsfälle, rund 2500 Euro Schaden und eine Portion Dreistigkeit: Das hätte einen 20-Jährigen beinahe ins Gefängnis gebracht. Dass der Mann mit Bewährung davonkam, lag an zwei zugedrückten Augen des Jugendschöffengerichts und seinem umfassenden Geständnis.

Am seidenen Faden „Die Bewährung hing absolut an einem seidenen Faden.“ Das sagte Jugendrichter Wolfgang Hülle zu dem Mann, den ein Grinsen an falscher Stelle beinahe Kopf und Kragen gekostet hätte.

Ausgerechnet während des Plädoyers der Staatsanwältin fand er es offenbar besonders lustig und gelungen, dass er seine Opfer nicht nur um ihr Geld gebracht hat, sondern ihnen auch noch Steine und Tannenzapfen zugeschickt hat statt der bestellten Playstation und I-phones.

Grinsen an falscher Stelle

Dass er das vor Gericht mit einem Grinsen quittierte, fand die Anklagevertreterin überhaupt nicht lustig. Die hatte eine Jugendstrafe mit Auflagen und Bewährung im Visier. Nach dem Lachen war für sie klar: „Einsicht ist nicht vorhanden.“ Sie forderte ein 15 Monate Jugendstrafe, ohne Bewährung.

Einiges kam zusammen

Bei dem Mann war einiges zusammengekommen. Er hatte im Internet Bremsscheiben für rund 180 Euro stellt, bezogen und nicht bezahlt. In acht Fällen bot er dann auf der Internet-Verkaufsplattform Ebay begehrte Handys und Spielkonsolen an und kassiert meist mehrere Hundert Euro. Geliefert hat er nicht, zumindest nicht die bestellten und bezahlten Waren, sondern die schon erwähnten Steine plus Tannenzapfen. Betrug war aber nicht alles. Eine Fahrt ohne Fahrerlaubnis stand noch in der Anklage.

Einschlägig vorbestraft

Dazu kam, dass der junge Mann trotz einschlägig in Erscheinung getreten war. Mehrere Fälle von Betrug und Fahren ohne Fahrerlaubnis finden sich im Bundeszentralregister. Zudem hatten den Angeklagten weder soziale Dienst noch eine Woche Arrest zum Umdenken gebracht. Ein halbes Jahr nach dem Aufenthalt hinter Gittern startete er die neue Betrugsserie. „Sieben Fälle in vierzehn Tagen“, wie die Anklagevertreterin vorrechnete. „Ich habe Geld für eine Autoreparatur gebraucht“, sagte der 20-Jährige zu seinen Gründen.

Nichts auf die Reihe bekommen

Der hat bisher nichts auf die Reihe bekommen. Dass jemand in fünf Jahren gleich mehrfach gute berufliche Möglichkeiten hinschmeißt, war selbst für den erfahrenen Jugendrichter Hülle nicht alltäglich.

Ein paar Pluspunkte

Immerhin hat das Schöffengericht noch ein paar Pluspunkte gefunden, auf die auch der Pflichtverteidiger hingewiesen hatte. Da war das Geständnis, erste Kontakte zur Schuldnerberatung und der Versuch, den Schaden gut zu machen. Dass die Eltern trotz aller Probleme noch hinter ihm stehen, war nicht negativ. Auch dass er vor einer neuen Ausbildung steht und sich einen Minijob suchen will, um seinen Schulden loszuwerden, kam an.

Noch eine Chance

Der Richter und die beiden Schöffen taten sich schwer mit dem Urteil. „Es hat ein bisschen gedauert“, sagte Hülle. Dann aber stand fest: Der Mann bekommt noch eine Chance, allerdings gespickt mit vielen Auflagen. Das heißt: Ein Jahr Jugendstrafe, drei Jahre Bewährung. Ein Bewährungshelfer soll ihn zwei Jahre lang unterstützen. Dazu muss er die geplante Ausbildung abschließen. Und er muss Geld verdienen und monatlich 50 Euro häppchenweise an seine „Opfer“ zurückzahlen.

Urteil angenommen

Der junge Mann stimmte zu. Die Staatsanwältin tat sich sichtlich schwerer, sagte dann aber auch Ja zum Urteil und verabschiedete den 20-Jährigen: „Das ist ihre aller-, aller-, allerletzte Chance.“