Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist seit dessen Einführung auch der Tag der offenen Moschee. Daran beteiligt sich regelmäßig auch die Moschee in der Oberen Neuen Gasse in Kitzingen. Es waren jedoch nicht viele Besucher, die Michèl Schnabel und Hamza Özkan vom Verein Selam Mainfranken zur Führung durch die Moschee begrüßen konnten.

Schnabel stellte die Gemeinsamkeiten von Christen und Muslimen in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Im Gebetsraum erfuhren die Zuhörer, was das Gebet für den gläubigen Muslim bedeutet. Das fünfmalige Beten am Tag führe immer zu innerer Ruhe, betonte Schnabel. Es beginne immer mit einem Gruß an die jeden Muslim ständig begleitenden Engel und diejenigen, die neben ihm zum Gebet niederknieten. "Frieden sei mit dir" laute dazu der Gruß.

Auch die Stille im Gebetsraum führe zu innerer Ruhe und Zufriedenheit, hinzu komme der Körperkontakt. Das Gebet ende stets mit einem Segenswunsch. Es verfolge auch das Ziel mit Gottesbewusstsein ein normales Leben zu führen.

Jesus kommt auch im Koran vor

Das in der katholischen Kirche bestehende Zölibat für Priester sei im Islam unvorstellbar, denn jeder Mann werde von seiner Frau begleitet, die ihn kennt und unterstützt, aber auch umgekehrt. Sieglinde Schraut brachte die "Engel" als den christlichen und muslimischen Glauben verbindende himmlische Gestalten vor.

Anders als von Christen oft fälschlich vermutet ist Jesus im Koran kein Fremder, er wird als Prophet bezeichnet und in 93 Suren (Versen) des Koran direkt angesprochen. Ebenso seine Mutter Maryam (Maria), der eine eigene Sure gewidmet ist. Sie gilt als Vorbild für jene muslimischen Frauen, die Kopftuch tragen.

Während ihr Ehemann Joseph im Koran gar nicht erwähnt wird, gilt Maryam als Mutter aller Gläubigen und des Propheten Jesus, der am Ende der Zeit, vor dem Tag der Auferstehung, wiederkommen wird.

Allah vergibt die Sünden

Anders als im Christentum gibt es keine Dreieinigkeit (Gott, Sohn, Heiliger Geist), Jesus stirbt nicht als Erlöser am Kreuz und er ist auch nicht auferstanden. Allerdings kennt der Koran seine Himmelfahrt. Jesus wird als eine menschliche Figur gesehen. Die Vergebung von Sünden und menschlichen Verfehlungen erfolge nicht durch ihn, sondern dann alleine durch Allah (Gott), wenn sie wirklich bereut werden.

Aber auch andere aus der Bibel bekannte Personen wie Adam und Eva oder Abraham haben im Koran ihre Bedeutung. Adam und Eva seien mit ihrem Fehlverhalten im Paradies ausgerutscht und haben bereut, daher werde ihnen im Koran verziehen. Zum Thema Alkohol gefragt erklärte Schnabel, der sei verboten, da er den Verstand verneble und die Selbstkontrolle ausschalte.

Bei türkischem Tee und Gebäck ergab sich im Versammlungsraum der Moschee trotz gewahrter Abstände eine intensive Gesprächsrunde.