Wenn Kinder ein Türchen ihres Adventskalenders öffnen, freuen sie sich über ein Stück Schokolade. Die Ortseinwohner von Sulzfeld freuen sich in diesem Jahr über einen anderen, ganz besonderen „Adventskalender“: Vom 1. bis zum 24. Dezember öffnen sie abends ihre Haustüren und schenken sich gegenseitig eine besinnliche halbe Stunde mit Musik, kleinen Geschichten und netten Gesprächen.

Die Idee ist nicht neu. In Iphofen gibt es schon seit einigen Jahren den „Lebendigen Adventskalender“. Jeden Tag in der Vorweihnachtszeit findet dort eine Veranstaltung statt. Neben ortsansässigen Familien machen die örtlichen Vereine und Schulen, die Kirchengemeinde und Musikschule sowie lokale Geschäfte und Museen mit. Auch in Wiesentheid wird seit mehr als zehn Jahren zu einem „Wandernden Adventskalender“ eingeladen. Familien, Vereine und die beiden Kirchengemeinden sind hier daran beteiligt.

Dass sich in diesem Jahr erstmals auch die „Sulzfelder Adventstüren“ öffnen, ist drei Frauen vom Heimat- und Ortsverschönerungsverein zu verdanken. „Wir wollten schon lange so etwas machen“, erklärt Bärbel Faschingbauer. Gemeinsam mit ihren Vereinskolleginnen Katja Schröder und Alexandra Pfennig hat sie die Treffen initiiert. Der Advent, so dachten sich die drei, sollte nicht nur aus „Einkaufen, Hektik und Vorbereitungen“ bestehen. „Da wäre es doch schön, wenn man sich abends zum Innehalten, Besinnen und Durchschnaufen trifft.“

Nachdem die drei Frauen mehrere Leute angesprochen und einen Aufruf im örtlichen Gemeindeblatt gestartet hatten, „lief alles wie von selbst“. Spontan erklärten sich viele Familien bereit, mitzumachen. Auch das Sulzfelder „Miniorchester“, der Gesangverein, der Kindergarten und drei örtliche Gastwirtsfamilien sagten ihre Teilnahme zu. „Die Liste war sofort voll“, so Bärbel Faschingbauer. Es wurden Flyer gedruckt und an alle Sulzfelder Haushalte verteilt.

Bei den „Adventstür-Öffnern“ wurden außerdem Plakate und selbst gebastelte Sterne aufgehängt, „damit jeder weiß, wann und wo etwas stattfindet. Auf Werbung außerhalb des Ortes wurde dagegen bewusst verzichtet. Denn „es soll eine Veranstaltung von Sulzfeldern für Sulzfelder sein“, so die Initiatorinnen.

Bis zum 24. Dezember treffen sich die Einwohner der Winzergemeinde nun jeden Abend vor einem anderen Haus, um zusammen eine besinnliche halbe Stunde zu verbringen. Gemeinsam werden Lieder gesungen, musiziert, Geschichten vorgelesen, ein bisschen geplaudert. Niemand bekommt etwas vorgeschrieben. Jeder Gastgeber kann den Abend so gestalten, wie er möchte. „Es gibt kein richtig oder falsch. So wie es jeder macht, ist es gut“, betont Bärbel Faschingbauer. Alles soll „ganz unkompliziert und ohne großen Aufwand für alle Beteiligten“ sein. Das war den drei Initiatorinnen besonders wichtig.

Auch wenn keiner große Erwartungen erfüllen muss, geben sich die einzelnen „Adventstür-Öffner“ große Mühe. „Wir sind begeistert, wie viel Kreativität die Aktion freigesetzt hat und wie liebevoll die einzelnen Abende vorbereitet werden“, meint Bärbel Faschingbauer. Die meisten Häuser sind schön geschmückt. Einige stellen Kerzen auf. Meist wird ein Glühwein oder eine Kleinigkeit zum Knabbern angeboten. „Mit ganz einfachen Dingen“, so die Sulzfelderin, „wird eine schöne Atmosphäre geschaffen“.

Auch Barbara Ferro und ihre Tochter Fabiola Steet wollten für ein paar schöne Momente sorgen. Sie gehören zu denjenigen, die eine „Adventstür“ geöffnet und ihre Mitbürger zu einer besinnlichen halben Stunde vor ihrer Haustür eingeladen haben. „Wir fanden die Idee schön, dass sich die Dorfbewohner in der Adventszeit einfach mal treffen“, erklärt Barbara Ferro. „Man kommt zusammen, singt gemeinsam Lieder. Wann macht man das schon?“

Auch Elke Weigand ist von der Aktion sehr angetan. Zusammen mit ihren Familienangehörigen war die Sulzfelderin schon bei mehreren Advents-Abenden mit dabei. Was ihr ebenfalls besonders gefällt, ist die Gemeinschaft. „Man kommt zusammen, führt gute Gespräche. Es ist ein schönes Beisammensein“, sagt sie.

Anderen Ortseinwohnern geht es wohl genauso. Das beweist nicht zuletzt die große Resonanz: Zwischen 50 und 100 Sulzfelder machen sich jeden Abend auf den Weg, um eine besinnliche halbe Stunde zu verbringen. An einigen Abenden waren es sogar mehr als 100.

Dass die vorweihnachtlichen Treffen so gut ankommen, hätten die drei Initiatorinnen nicht in ihren kühnsten Träumen erwartet. „Wir dachten, wenn jeden Abend fünf bis zehn Leute kommen, sind wir schon zufrieden“, meint Bärbel Faschingbauer. Umso mehr freut sie sich über den großen Zuspruch, aber auch über die schöne Atmosphäre.

„Die Leute sind gut gelaunt. Alles kommt ganz leicht, unkompliziert und beschwingt daher.“ Gemeinsam mit allen Beteiligten wünscht sich die Sulzfelderin, dass „die Leute nach Hause gehen und das Gefühl haben, einen schönen adventlichen Moment erlebt zu haben“. Wer am Ende der halben Stunde die vielen zufriedenen Gesichter sieht, der spürt: Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen.

„Wir sind begeistert, wie viel Kreativität die Aktion freigesetzt hat und wie liebevoll die einzelnen Abende vorbereitet werden.“
Bärbel Faschingbauer, eine der Initiatorinnen