Hier ein paar Euro, dort ein paar Cent: Die seit 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent macht sich beim Kunde mehr oder weniger bemerkbar. Je höher der Preis der Ware, desto größer die Einsparung beim Bezahlen.

Doch der bis Jahresende reduzierte Mehrwertsteuersatz, der nach Wunsch der Bundesregierung in Zeiten der Corona-Pandemie die Kauflaune der Menschen steigern soll, wirkt sich nicht nur an der Kasse im Supermarkt oder bei größeren Anschaffungen, etwa Möbeln oder Autos, aus. Auch für den Verbrauch von Strom gilt derzeit der auf 16 Prozent reduzierte Mehrwertsteuersatz, wenngleich hier das Einsparpotenzial kaum jemand direkt spüren dürfte. Denn einerseits verbilligt sich eine Kilowattstunde Strom, wenn diese angenommen 30 Cent kostet, um nicht einmal einen Cent. Andererseits erhalten die meisten Haushalte nur einmal jährlich eine Abrechnung, und auf dieser dürfte das eingesparte Geld im jährlichen Auf und Ab des Stromverbrauchs völlig untergehen.

Steuersenkung erreicht die Kunden automatisch

Immerhin geben alle vier regionalen und lokalen Stromversorger im Landkreis Kitzingen den reduzierten Mehrwertsteuersatz an ihre Kunden weiter, wozu sie – wie andere Verkäufer auch – gesetzlich nicht verpflichtet sind. Sowohl die Licht-, Kraft- und Wasserwerke (LKW) Kitzingen als auch die Überlandzentrale (ÜZ) Mainfranken, das Elektrizitätswerk Mainbernheim und die Stadtwerke Dettelbach stecken das aus der Steuersenkung gewonnene Geld nicht in die eigene Tasche. Sie betreiben dafür sogar zusätzlichen Verwaltungsaufwand, wie eine Nachfrage dieser Redaktion bei den drei Stromversorgern ergeben hat. Die zweite gute Nachricht für alle Stromkunden: Sie brauchen selbst nicht weiter tätig werden, die Steuersenkung kommt ihnen automatisch mit der gewohnten jährlichen Stromrechnung zugute.

"Bei uns waren etwa zehn Mitarbeiter eine halbe Woche lang damit beschäftigt", beschreibt Silke Burkard, die Vertriebsleiterin der LKW Kitzingen den Umfang der notwendigen Umstellung am EDV-System. Das System errechnet aus den Verbrauchsdaten jedes Kunden die mutmaßlichen Zählerstände zum 1. Juli und zum 31. Dezember. Wer dem nicht traut, kann den LKW selbst ein Foto seines Zählerstands zum Stichtag schicken, berichtet Burkard. Die Jahresrechnungen verschickt der Versorger dann wie gewohnt im kommenden März.

In Jubelstürme dürfte dann dennoch niemand ausbrechen. So summiert sich das eingesparte Geld für einen durchschnittlichen Stromkunden-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden laut den Angaben der LKW auf deren Webseite auf circa zwei Euro pro Monat. Hochgerechnet auf das halbe Jahr werde ein Kunde, der neben Strom auch Wasser und Gas bei den LKW kauft, zwischen 35 und 40 Euro sparen, schätzt die Vertriebsleiterin. Immerhin.

Stromverbrauch dürfte dadurch nicht steigen

Selbst der kleinste der drei Stromversorger aus der Region hat seine Mitarbeiter extra geschult und die Software umgestellt, um die Steuersenkung weitergeben zu können, erklärt Manuel Schäfer, Netzmanager des Elektrizitätswerks Mainbernheim, das rund 1300 Kunden hat. Angesichts des überschaubaren Spareffekts glaubt er nicht, dass sich das Verbrauchsverhalten der Kunden durch die Steuersenkung ändert. Deshalb verbraucht niemand mehr Strom, nur weil dieser für ein halbes geringfügig günstiger ist.

Von einer Besonderheit profitieren die etwa 55 000 Kunden der ÜZ Mainfranken, deren Netzgebiet sich im östlichen Landkreis Kitzingen auf die Städte und Gemeinden Geiselwind, Wiesentheid, Prichsenstadt, Volkach und Sommerach und nach Übernahme des örtlichen E-Werks Anfang 2016  auch auf Obernbreit erstreckt. Denn laut Eva Gerhart, die bei der ÜZ den Bereich Marketing verantwortet, gilt für ÜZ-Kunden die reduzierte Mehrtwersteuer für die komplette Jahresrechnung 2020, da zum Ablesezeitraum Anfang Dezember der reduzierte Steuersatz gilt und der Rechnungszeitraum dem Kalenderjahr entspricht. Die Abschläge für die Kunden bleiben unverändert, Guthaben daraus ergeben sich dann mit der Jahresrechnung, erklärt Gerhart.