Bei der Jugendarbeit will der Markt Wiesentheid sich künftig stärker einbringen und eine zusätzliche, dritte, Stelle schaffen. Neben Ivonne Berthel und Seda Elmas, die in erster Linie für den offenen Jugendtreff zuständig sind, wird eine weitere Kraft gesucht, nicht nur um die beiden zu unterstützen. Hauptsächlich soll sich der Pädagoge auch draußen vor Ort als Streetworker um die jungen Leute kümmern, an die bisher schwierig heran zu kommen war.

Dabei wird nicht nur an die "Problemfälle" gedacht, sondern diejenigen, die eben nicht zum Jugendtreff in der Kolpingstraße kommen und sich stattdessen unorganisiert an den bekannten Stellen im Ort treffen. "Das sind diejenigen, die nicht in einem Verein sind, die nicht in das System passen. Sie fallen durch das Raster, ihnen fehlt der Ansprechpartner, die Anerkennung zuhause", sagt Seda Elmas. Ihnen wolle man zeigen, dass sie in begrenztem Rahmen durch die Jugendarbeit Hilfe bekommen, eine Perspektive zu entwickeln, sagt sie weiter.

Ihre Kollegin Ivonne Berthel weiß, wovon sie spricht. Seit vier Jahren ist die Erzieherin im Markt für den Jugendtreff in der Kolpingstraße, direkt neben dem Mehrgenerationenplatz, tätig. Ihr Stundenkontingent von 25 Stunden wird demnächst auf Vollzeit aufgestockt, ihre seit zwei Jahren dort beschäftigte Kollegin Seda Elmas, ebenfalls Erzieherin, hat bereits eine Vollzeitstelle.

Bürgermeister steht hinter der Jugendarbeit

Die beiden sollen künftig von einer weiteren Kraft unterstützt werden. Die Stelle wird demnächst ausgeschrieben, wie Wiesentheids Bürgermeister Klaus Köhler bestätigte. Er steht hinter dem Ganzen, die Jugendarbeit in der Gemeinde auszubauen. Davon sollen viele verschiedene Bereiche profitieren, in erster Linie die jungen Leute.

Die Vergrößerung des Teams brachten Ivonne Berthel und Seda Elmas den Gemeindevertretern nahe. Die beiden hatten gemerkt, dass sie mit dem offenen Jugendtreff längst nicht alle Bereiche abdecken können, die nötig wären. "Wir erreichen nur diejenigen, die freiwillig bei uns vorbei schauen. Es gibt aber viele, die nicht hierher kommen und sich an den berüchtigten Plätzen im Ort treffen", so Berthel.

Bürgermeister Köhler sieht den Ausbau der Jugendarbeit auch als eine Reaktion auf die zuletzt vor allem in den Sommermonaten gehäuft in Wiesentheid aufgetretenen Probleme wie Vandalismus, Sachbeschädigungen, Ruhestörungen oder Diebstähle. Man hoffe damit auch diese Vorfälle einzudämmen, so der Bürgermeister.

Den jungen Tätern sei gar nicht bewusst, wem sie damit schaden, schildert es Ivonne Berthel. "Die Gemeinde interessiert sie nicht. Wenn wir ihnen erklären, dass wir als Folge davon vielleicht auch weniger Geld für das Jugendzentrum haben, verstehen sie es eher".

Jugendtreff ist manchmal zu klein

Bürgermeister Köhler stellt klar, dass der oder die zusätzliche pädagogische Kraft jedoch nicht als Polizist gedacht sei, der "aufräume". Es sei jemand, der als zusätzlicher Ansprechpartner für die Jugendlichen da sei, der diese unterstütze. Man dürfe nicht gleich Wunder erwarten, so Köhler. Damit würden nicht alle Probleme auf einmal gelöst, das Ganze sei ein Prozess, der dauern könne.

Ein weiteres Problem sehen Ivonne Berthel und Seda Elmas, das sie ebenso im Gemeinderat angesprochen haben. Manchmal werde der Jugendtreff in der Kolpingstraße einfach zu klein, der Platz reiche nicht aus. An normalen Tagen seien 15 bis 20 Jugendliche da, in den Hoch-Phasen aber bis zu 40.

Außerdem suche man einen Raum, in dem Jugendliche oder jüngere Erwachsene auch einmal feiern könnten, lauter sein, ohne dass es Ärger gibt. Auch hier dürfte eine Lösung, die alle Seiten zufrieden stellt, nicht auf die Schnelle zu finden sein.