Autofahrer aufgepasst: Der Seinsheimer Marktgemeinderat hat grundsätzlich beschlossen, den fließenden als auch den ruhenden Verkehr zu überwachen. Das wird zwar noch etwas dauern, aber prinzipiell sollten sich die Autofahrer schon einmal die Bedeutung des Ortsschildes und der runden Verkehrsschilder mit den Zahlen verinnerlichen. Auch die Stellen, an denen man nicht parken sollte, weil man zum Beispiel ein Rettungsfahrzeug behindern könnte, sollte man sich einprägen.

Die Straße ist breit und sie führt von Bullenheim kommend bergab Richtung Seinsheim. 100 Stundenkilometer oder mehr – kein Problem. Wenn da nicht plötzlich das Seinsheimer Ortsschild auftauchen würde. Dass das für so manchen Autofahrer ein Problem darstellt, zeigt ein Blick auf die Auswertung einer Geschwindigkeitsmessung dort über etwa einen Monat.

Viele fahren viel zu schnell

Mit den vorgeschriebenen 50 Stundenkilometern oder sogar langsamer fuhren dort 4259 Fahrzeuge. Tempo 60 hatten da 5693 Fahrzeuge, mit 70 Stundenkilometer waren 4394 Fahrzeuge unterwegs. 80 Stundenkilometer wurden bei 2023 Fahrzeugen gemessen, 90 bei 577, 100 noch bei 128. 13 Verkehrsteilnehmer rauschten mit 110 Stundenkilometer hinein, sechs sogar noch schneller.

Doch der Einsatz des Geschwindigkeitsmessgeräts sei nur von mäßigem Erfolg gekrönt, berichtete Bürgermeisterin Ruth Albrecht. Denn es sei bekannt, dass bislang keine Überwachung des fließenden Verkehrs stattfinde.

Ähnlich sei dies mit dem ruhenden Verkehr. Das Parken im Ort und im Siedlungsgebiet führe zu gefährlichen Situationen. Zwar könnten manche in ihren Höfen oder in der Garage parken, würden darin nicht Fahrräder oder sonstige Dinge stehen, aber eben nicht alle hätten auf ihrem Grundstück Platz. Denn heutzutage seien mehr Fahrzeuge pro Haushalt zugelassen als früher, hieß es im Rat. "Wo sollen die Anwohner parken?", lautete dann auch die entscheidende Frage von Gemeinderätin Cornelia Nagler. Die Situation betreffe nicht nur Seinsheim, sondern auch die Ortsteile.

Gemeinderat stimmt für Verkehrsüberwachung

Wie in anderen Gemeinden auch, die sich schon mit dem Thema einer kommunalen Verkehrsüberwachung beschäftigt hatten, entspann sich eine kontroverse Diskussion. Es gebe im Ort Leute, die sich beschweren, dass alles zugeparkt sei und dass gerast werde, meinte Ruth Albrecht. Die Gemeinde solle etwas machen. "Dann müssen wir das auch konsequent durchziehen", verdeutlichte die Bürgermeisterin, wohlwissend, dass sich dann die beschweren, die einen Strafzettel bezahlen müssen.

Für das Ratsgremium stellten sich die grundsätzlichen Fragen: Wo gibt es Parkplätze im Ort, wo könnten welche geschaffen werden? Wo soll nicht geparkt werden? Wer hat genügend Fläche im Hof? "Für viele wird es ein Umdenken sein", weiß Ruth Albrecht. Doch es gehe darum Rückgrat zu zeigen. "Am Anfang wird es vielleicht hart sein", räumte Gemeinderat Stefan Düll ein. Sieben Ratsmitglieder stimmten dann für eine kommunale Verkehrsüberwachung, fünf waren dagegen.