In Prichsenstadt fand vor kurzem die vierte Verlegung von Stolpersteinen für Opfer des Nationalsozialismus statt. Nun sind laut einer Pressemitteilung in der Stadt insgesamt 18 Stolpersteine gelegt worden.

Nach der Verlegung der vier Steine mit Gunter Demnig, der das Projekt "Stolpersteine" 1992 begründete und mittlerweile in 26 Ländern Europas über 75 000 Steine verlegte, vor dem Anwesen in der Luitpoldstraße 12 fand in der Stadtkirche St. Sixtus die Gedenkfeier für die jüdische Familie Reich mit Max, Grete, Käthe und Willy Reich statt.

Volker Mehlert, Vorsitzender des Vereins Alt Prichsenstadt, und Wolf-Dieter Gutsch, Sprecher des Arbeitskreises "Stolpersteine - Erinnern und Gedenken", hatten zuvor zahlreiche Gäste, darunter Ferdinand Fürst zu Castell-Castell und Michael Glos, begrüßt.

Bei der Gedenkfeier sprachen Prichsenstadts Bürgermeister René Schlehr, der stellvertretende Landrat Paul Streng, die Landtagsabgeordneten Barbara Becker und Volkmar Halbleib sowie Oded Baumann, Vorstandsmitglied der Israelitischen Gemeinde in Würzburg. Sie drückten ihre Anerkennung für das Projekt des Altstadtvereins aus.

Anschließend wurden die Kurzbiographen der Mitglieder der Familie Reich von vier Schülern der Mittelschule und des Gymnasiums in Wiesentheid vorgetragen.

Max Reich setzte 1937 aufgrund des großen psychischen Drucks, den die nationalsozialistischen Machthaber auf ihn ausübten, seinem Leben selbst ein Ende. Grete Reich wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Käthe Reich konnte 1939 nach Großbritannien emigrieren und hat als einziges Familienmitglied überlebt. Sie starb 2011 mit 90 Jahren in New York. Willy Reich wurde 1943 nach Auschwitz gebracht und musste Zwangsarbeit verrichten. Im Februar 1945 wurde er im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Musikalisch begleitete Guido Saremba die Veranstaltung mit seiner Gitarre. Zum Abschluss der Gedenkfeier versammelten sich die Teilnehmer, darunter die vierte Klasse der Grundschule in Prichsenstadt und die Klasse 10b des Wiesentheider Gymnasiums, noch einmal bei den Stolpersteinen in der Luitpoldstraße 12. Dort sprach Erich Eyßelein für die vier Familienmitglieder das traditionelle  und bei Beerdigungen übliche jüdische Gebet "Kaddisch".