Gut und gerne 50 Geiselwinder Bürger waren der Aufforderung der Interessengemeinschaft Wasser gefolgt und zeigten am Montagabend vor dem Rathaus auf, dass sie mit dem Vorgehen ihrer Gemeinde zum Thema Wasserversorgung nicht einverstanden sind.

Vor der Sitzung des Gemeinderats Geiselwind hatten sie sich am Rathaus versammelt, zwei Polizeibeamte waren bei der am Landratsamt gemeldeten Demonstration anwesend.

Mit Jürgen Sabah erläuterte später einer der Sprecher, dass die IG mit der Aktion bezwecke, weiter Aufmerksamkeit zu erreichen, „um ein bisschen zu rühren in der ganzen Sache. Es geht nicht um Konfrontation.“

Symbolisches Plakat als Widerspruchs-Schreiben

Zusammen mit Matthias Böhm überreichte er symbolisch ein großes Plakat als Widerspruchs-Schreiben einiger Bürger. Die Frist zum Einreichen dazu lief nämlich am Montag aus. Später trugen Böhm und Sabah das Anliegen der kürzlich formierten Gruppe im Gemeinderat vor.

Dabei monierte er unter anderem, dass die Bürger bis auf die Veröffentlichungen im Gemeindeblatt bezüglich der Berechnung der Beiträge und Kosten sowie der Notwendigkeit kaum Informationen bekommen hätten. Die Initiative wolle von ihrer Seite Experten hinzuziehen, dazu wäre eine Einsicht in die Unterlagen wichtig. Matthias Böhm teilte später eine Liste aus mit den Unterlagen, die er angefordert hat.

"Vorschlag zur Güte"

Verwaltungsleiter Wilfried Hack beantwortete einige der dazu gestellten Fragen. Schließlich unterbreitete Bürgermeister Ernst Nickel der Gruppe „einen Vorschlag zur Güte“, wie er es nannte. Sobald die Interessengemeinschaft ihre Sprecher gewählt habe, werde man einen Termin mit ihnen im Rathaus vereinbaren, wo diese an einem Nachmittag die gewünschten Informationen bekämen und auch einiges einsehen könnten.

Später wollte Matthias Böhm wissen, wieviele Widersprüche von Bürgern innerhalb der Frist im Rathaus eingegangen seien. Einige, antwortete Nickel. Er könne erst in etwa 14 Tagen eine genaue Zahl nennen, weil diese noch gesammelt würden und dann vom zuständigen Fachbüro zu prüfen seien. Ein eingelegter Widerspruch entbinde die Bürger jedoch nicht von der Zahlungspflicht der ersten Rate, unterstrich der Bürgermeister.

Außerdem ging es im Rat um dieses Thema: Stefan Finster vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Baudenbach stellte die Aufnahme des Zustands der Straßen, Kanäle und Leitungen im Gemeindegebiet vor. Dabei wurden zunächst nur Ortsstraßen und Gemeindeverbindungsstraßen unter die Lupe genommen.

Von all diesen Straßen seien nun Dateien im PDF-Format vorhanden. Auf den insgesamt 15 Seiten sind die Stränge je nach Schadensklassen eingefärbt: was relativ kurzfristig oder was in 20 bis 30 Jahren zu sanieren sei.

Bis zu 25 Kilometer Zulaufkanäle müssen unterhalten werden

Dem Ingenieur zufolge müsse die Gemeinde pro Jahr regelmäßig etwa 330 000 Euro in Kanäle investieren, riet er. Verwaltungsleiter Wilfried Hack wies darauf hin, dass Geiselwind neben den Ortskanälen ein Netz von 23 bis 25 Kilometer Zulaufkanälen auf dem Gemeindegebiet zu unterhalten habe. Diese seien nun erstmals eingehend untersucht worden.

Die Frage von Ratsmitglied Danny Klein, was in den nächsten 20 Jahren ungefähr zu investieren sei, vermochte Fachmann Finster nicht ad hoc zu beantworten. Der Gemeinderat müsse sich in nächster Zeit im Bauausschuss eingehend mit den nun erstellten Unterlagen befassen, sagte Bürgermeister Nickel.

Ratsmitglied Simon Seitz hakte nach, ob die Bürger in den nächsten Jahren bei Reparaturen über Verbesserungsbeiträge mitbezahlen müssten. In der Regel stünden Sanierungen an, die nicht über Beiträge finanziert würden.

Hauptproblem sei, so Verwaltungsleiter Hack, dass an einigen Stellen Fremdwasser in die Kanäle eindringe. Wo und wie das zu lösen sei, werde man in den nächsten Jahren untersuchen und dazu je nach Haushaltslage investieren. Zudem gelte es hier, die gesetzlichen Vorgaben zu beachten. Wo es möglich sei, werde im Inliner-Verfahren saniert, so Bürgermeister Nickel.