Kein Laut ist zu hören, kein Auto und kein Radfahrer sind noch zu sehen. Stille liegt über Volkach, am Sonntag-Morgen kurz nach 6 Uhr. Der städtische Arbeiter Marco Walz hat heute Wochenend-Reinigungsdienst. Mülltonnen im Stadtgebiet sowie in einigen Stadtteilen und an den Wohnmobilplätzen müssen geleert und der achtlos weggeworfene Müll aufgesammelt werden.

Vier Arbeiter des Stadtbauhofs teilen sich das ganze Jahr über diese Aufgabe. Sie bilden das Team des Reinigungs- und Kehrdienstes. Auch im Winter. Da heißt es dann Schnee räumen. Also auch kehren.

"Am Samstagmorgen kann es schon mal stressig werden", sagt Walz. "Man muss schauen, dass man rumkommt. Um halb zehn macht nämlich der Wertstoffhof auf, und diesen Dienst muss der Wochenendarbeiter auch mitmachen." An diesem Sonntagmorgen ist er allerdings gut gelaunt, als er mit seinem Peugeot-Boxer-Pritschenwagen den Bauhof verlässt. "Die frühe Arbeit macht mir Spaß. Alles schläft noch und es ist eine herrliche Ruhe in der Altstadt."

Akku-Bläser kommt nur in bestimmten Lagen zum Einsatz

Mit dabei im Fahrzeug: diverse Müllkübel (der Müll wird gleich vor Ort getrennt eingesammelt), verschiedene Metallhaken und Besen sowie Gieskanne und Wasserbehälter zum Reinigen von starken Verschmutzungen. Außerdem: ein Akku-Blasgerät, "aber das verwenden wir nicht im Ort selbst", sagt Walz und lacht mit Verweis auf die Parodie von Volker Heißmann beim Volkacher Kabarett-Sommer, wo dieser die Geschichte vom "Laubbläser am Sonntag-Morgen" vortrug.

"Es sind fast immer die gleichen Gesichter, die man früh sieht."
Marco Walz, Mitarbeiter des Bauhofs

Am Oberen Markt geht's los. Zuerst kommen die Mülltonnen dran. Walz ist bemüht, keinen Lärm zu machen. Ruhig und routiniert leert er die Tonnen in einen Plastik-Müllkübel. Selbstverständlich stellt er den Motor sofort ab. Die Bordwände bleiben oben. "Wenn es so heiß ist, sind ja überall die Fenster offen. Da müssen wir schon Rücksicht nehmen", sagt der Stadtarbeiter.

Dann geht es weiter zum Marktplatz. Etliche Mülltonnen dort sind randvoll. Zuerst beginnt Walz zu Fuß seinen Rundgang mit dem Müllgreifer, einem stockähnlichen Gerät mit Greifzange, mit dem er  achtlos weggeworfene Gegenstände aufgreifen kann. Laut Bauhofleiter Harald Troll haben die Müllmengen sich fast verdoppelt. "Wir haben mittlerweile einen weiteren Fünf-Kubikmeter-Container anmieten müssen. In der Woche fallen durchschnittlich so acht bis zehn Kubikmeter Müll an", berichtet der Bauhof-Chef.

In der Volkacher Altstadt sind trotz der frühen Zeit schon Einzelne unterwegs. Servicepersonal von den Gaststätten huschen mit verschlafenen Gesichtern durch die Gassen zum Frühdienst. Eine Frau verteilt Reklamezettel in die Briefkästen. Doch immer wieder ist ein fröhliches "Guten Morgen, Marco!" zu hören – und jedem gibt Marco auch ein nettes Wort zurück. Man kennt sich. "Es sind fast immer die gleichen Gesichter, die man früh sieht", stellt dieser fest.

Als Dankeschön gibt es eine Tasse Kaffee

Nette Geste am Rande: Als Marco Walz an seinem Fahrzeug den Müll ausleert, kommt ein Mann auf ihn zu und reicht ihm eine Tasse Kaffee. Es ist der Wirt vom Restaurant Tuchhaus, Philip Aczel, der sich auf diese Weise bei dem städtischen Reinigungsdienst für die "tolle Arbeit, die die machen" bedanken möchte.

Auf die Frage, ob er bei seinen frühen Diensten schon einmal etwas Unangenehmes erlebt hat, antwortet Walz mit einem klaren "Nein". Mit seinen fast 30 Dienstjahren als Stadtarbeiter kann ihn wohl auch nichts mehr erschüttern. "Manchmal findet man in der Altstadt in einer Niesche noch eine wie leblos daliegende Person, die ihren Rausch ausschläft. Ich sehe sie mir dann genau an. Wenn sie noch schön schnauft lasse ich sie aber so liegen. Man weiß nie, was passiert, wenn man die wecken würde." Zu dem, was er sonst noch so in den frühen Morgenstunden zu sehen und hören bekommt, schweigt sich Walz aus. "Wir müssen als städtische Bedienstete auch diskret sein", sagt er schmunzelnd.