Bei einer Stichwahl – wie jetzt am 30. März in Kitzingen Volkach – werden die Karten neu gemischt: Allerdings könnte derjenige Kandidat ein besseres Blatt haben, der nicht nur seine Wähler motivieren kann, sondern auch Unterstützer bei politischen Mitbewerbern findet – so wie Jens Oertel, der nach dem ersten OB-Wahlgang in Kitzingen eine Wahlempfehlung für CSU-Kandidat Stefan Güntner gab.

Oertel tut sich leicht. Als unabhängiger Ex-OB-Bewerber muss er sich mit niemandem abstimmen, wenn es um Wahlhilfe geht. Und dass der Casteller der CSU nahesteht, ist ohnehin klar: Oertel war vor wenigen Jahren Mitarbeiter des CSU-Landtagsabgeordneten Otto Hünnerkopf.

Rein mathematisch wäre das ein gutes Aufhol-Manöver für den CSU-Stichwahlkämpfer: Güntner lag nach dem ersten Wahlgang mit 18,5 Prozent klar abgeschlagen hinter Amtsinhaber OB Siegfried Müller – knapp 34 Prozent – und könnte jeden der 928 Oertel-Wähler (knapp zwölf Prozent) brauchen.

Ob die Empfehlung viel hilft ist eher zweifelhaft. Trotzdem: Ein bisschen was bleibt immer hängen – vor allem bei einer Stichwahl, bei der zuweilen auch der anfangs Unterlegene gewonnen hat. Ob das die Empfehlungszurückhaltung der größeren politischen Kräfte in Kitzingen erklärt, ist noch unklar.

Klar nur: Oertel unterstützt die CSU, die kleine Bayernpartei OB Müller. Vorsitzender Uwe Hartmann, der in Kitzingen bald Stadt- und Kreisrat ist, geht seine Wahlhilfe sogar offensiv an: Am Samstag werde er am UsW-Infostand stehen und für Müllers Wiederwahl werben.

Der Rest ist da eher zurückhaltend. Der erweiterte SPD-Vorstand hat laut Pressemitteilung eine Wahlempfehlung ausgeschlossen. Aus dem OB-Kandidaten-Finale hält sich auch die KIK raus, wie Fraktionschef Klaus Christof nach seiner Wahlniederlage als OB-Kandidat erklärt hatte.

Noch keine Entscheidung getroffen haben die Freien Wähler (FW-FBW), die sich vor sechs Jahren bei der Stichwahl gegen CSU-Kandidatin Angelika Küspert und hinter Müller gestellt hatten. Der Vorstand werde das Thema am Wochenende diskutieren, so Fraktionschefin Jutta Wallrapp. Mitte kommender Woche soll laut Kreis-Chef Jens Pauluhn das Votum der ÖDP kommen. Entscheidend sei, wie die beiden Kandidaten in der Zeit ihre „Führungsqualitäten“ unter Beweis stellen.

Neutral bleibt vermutlich auch die Pro-KT-Gruppe, obwohl deren bei alte und auch neue Stadträte Franz Böhm und Hans Schardt CSU-Mitglieder sind. Von Böhm gibt's keine Empfehlung, nur eine klare Ansage: „Es ist offen, das Rennen.“