Sheena Ulsamer ist seit März 2018 hauptamtliche Leiterin der Kitzinger Stadtbibliothek. Die Diplom-Bibliothekarin und ihr Team laden erstmals zu einem Gratis-Comic-Tag. Am Samstag, 14. Mai, gibt's von 10 bis 16 Uhr nicht nur kostenlose Comic-Hefte, sondern gegen 12 Uhr auch den Auftritt von Star-Wars-Figuren sowie eine Tombola. Dazu Fragen an die Kitzingerin.

Frage: Was hat es mit dem Gratis-Comic-Tag auf sich?

Sheena Ulsamer: In Deutschland werden an diesem Tag in teilnehmenden Buchhandlungen, Comic-Buchläden und Bibliotheken diverse Comic-Heftchen verschenkt. Hierdurch sollen Interessierte das Medium in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen: Comics, Mangas und Graphic Novels für Jung und Alt. Für den Tag produzieren deutschsprachige Verlage exklusive Heftausgaben. Diese beinhalten Leseproben bis hin zu völlig neuen Geschichten. Mehr Infos und eine Übersicht aller angebotenen Hefte findet man über https://www.gratiscomictag.de . Diesen Aktionstag gibt es in Deutschland seit 2010. Vorbild ist der amerikanische 'Free Comic Book Day'.

Was genau passiert bei dem Aktionstag?

Ulsamer: In den Räumen der Stadtbücherei Kitzingen werden alle verfügbaren Comics zur Durchsicht ausgelegt. Wer sich für maximal fünf verschiedene Ausgaben entschieden hat, bekommt diese von den Kolleginnen ausgehändigt. Wir bauen im Innenhof des Luitpoldbaus Sitzgelegenheiten auf, an denen man mittags auch das angebotene Essen genießen kann. Ebenfalls mittags haben sich Star-Wars-Kostümfans angekündigt, die unter anderem als Storm Trooper auftreten. Wer möchte, kann mit ihnen Fotos vor einer Fotowand machen oder über das Star-Wars-Universum fachsimpeln. Am frühen Nachmittag findet die Auslosung der Tombola statt. Unter den Preisen finden sich Comics, Kinderbücher und kleine Spiele. Die Lose werden für jeweils 50 Cent verkauft. Alle Einnahmen werden für einen guten Zweck gespendet. Das offizielle Ende ist für 16 Uhr vorgesehen. Die Bücherei steht in dieser Zeit auch 'normalen' Kunden offen.

Warum werden Comics so in den Mittelpunkt gestellt?

Ulsamer: Comicbücher wurden lange Zeit als Kinderkram abgetan und belächelt. Auch heute noch herrscht bisweilen das Vorurteil, dass Comichefte ohne Niveau wären und einen zu leichten Lesestoff darstellten. Der Comic-Tag will dem Ruf, der Comics anhaftet, entgegentreten und die ganze Bandbreite dieser Kunst präsentieren. Dabei dürfen Klassiker wie 'Das lustige Taschenbuch' und Batman wie auch moderne japanische Mangas oder Graphic Novels nicht fehlen. Die Auswahl der 35 angebotenen Titel bietet wirklich für jeden etwas.

Wer ist die Zielgruppe?

Ulsamer: Kinder, die lesen können und sich für Comics interessieren, finden altersgerechte Titel mit einem speziellen Kids-Logo gekennzeichnet. Ansonsten darf wirklich Jede und Jeder vorbeikommen. Graphic Novels sind in der Regel graphische Umsetzungen bekannter Literaturvorlagen. Es könnte also auch die Leserinnen und Leser von Romanen ansprechen.

Hört sich wirklich nach Vielfalt an...

Ulsamer: Ich selbst bin eine begeisterte Comicbuch- und Manga-Leserin und finde es immer wieder spannend, wie vielseitig diese Literaturgattung ist. Comics für Jugendliche und Erwachsene umfassen Themen wie Coming-of-age, tiefsinnige Kriminalfälle, philosophische Alltagsbeobachtungen, spannende Fantasy, grausamen Horror und viel mehr. Nicht umsonst basieren heutzutage zahlreiche Filme und Serien-Hits auf Comicbüchern.

Wie viele Comics hat die Stadtbücherei?

Ulsamer: Im Moment ist unser Bestand mit 944 Bänden eher übersichtlich. Für 2022/23 planen wir jedoch, stark in das Genre zu investieren und Kitzinger Comic- und Manga-Fans eine gute Auswahl zu präsentieren

Wie viele Medien gibt es insgesamt?

Ulsamer: Zum heutigen Tag besitzt die Stadtbücherei 81.480 Medien.

Wie lief das vergangene Jahr in der Bücherei?

Ulsamer: 2021 war nicht das schwierigste, aber auch kein hervorragendes Jahr. Unsere Statistik ist weitestgehend stabil geblieben. Die größten Einbrüche hatten wir bei den Besucherzahlen und den Veranstaltungen. Wer nicht musste, kam nicht in die Bücherei. Zudem begann das Jahr mit wochenlangem Lockdown. Veranstaltungen mussten entweder entfallen oder liefen über Distanz. Keine gute Voraussetzung für unsere Vorlesepaten. Die Ausleihen pendelten sich auf durchschnittlich 7.200 pro Monat ein. Besonders stark waren die digitalen Ausleihen. Über unsere 'Onleihe' wurden fast 30.000 Mal Medien entliehen.

Hat die Pandemie der Bücherei eher geschadet, oder war es genau umgekehrt?

Ulsamer: Wir haben unser Bestes versucht, Kunden weiterhin mit Literatur zu versorgen , Stichwort Liefer- und Abholservice. Das war für unseren Arbeitsalltag schon ein neuer, positiver Input, den wir ohne Pandemie nicht getestet hätten. Auch die Nutzung digitaler Strukturen wurde nochmals gepusht. Dennoch vermissen wir ehemalige Stammkunden. Auch das entspannte Arbeiten an unseren Nutzerarbeitsplätzen und die ungezwungene Aufenthaltsqualität ist im neuen Alltag verloren gegangen. Die Medaille hat also immer zwei Seiten.

Warum lohnt sich auf alle Fälle mal wieder ein Besuch in der Bücherei?

Ulsamer: Ein Büchereibesuch lohnt sich, wenn man neuartige Medienarten kennenlernen und kostenfrei testen möchte – von Mobi-Sticks über eLearning bis zur Luka-Eule. Zudem beraten wir je nach Bedarf. Ob hinsichtlich Lesetipps, Problemen mit dem privaten eReader oder auf der Suche nach Fachinformationen. Viele Familien nutzen uns auch generationenübergreifend: Die Großeltern leihen sich spannende Hörbücher und aktuelle Zeitschriften aus, die Eltern greifen zu Reiseführern und TV-Serien, und die Kinder finden von Toniefiguren über Switch-Spiele bis zu Comics alles, was das Herz begehrt.