Von solchen Bürgerversammlungen wie in Mainbernheim können andere Bürgermeister nur träumen: Keine Wünsche und Anträge im Vorfeld, keine Diskussionen während der Veranstaltung: die Mainbernheimer sind anscheinend zufrieden. Oder vielleicht auch desinteressiert. Wenn von 2245 Einwohnern (Stand zum 1. April 2014) gerade mal rund 40 Bürger erscheinen, dann kann man nicht unbedingt von einer regen Beteiligung reden.

Keine Frage: Man muss nicht immer etwas zu meckern haben, und Mainbernheim ist zwar kein reiches Städtchen, aber eines, das seinen Bürgern eine solide Grundversorgung bietet, angefangen bei Geschäften über Ärzte bis hin zur Breitbandversorgung. Trotzdem gibt es Themen, die man kritisch sehen kann und bei denen sich kein stumm gebliebener Bürger wundern muss, wenn diese plötzlich Realität werden.

Ein Beispiel ist die Sanierung der Anwesen in der Schulgasse 5 und 7, für die Mainbernheim in diesem Jahr einen Kredit von 600 000 Euro aufnehmen wird, im kommenden Jahr wahrscheinlich nochmals einen ähnlich hohen.

Klar, man muss mit den maroden Bauten „was machen“. Ob es aber ein Radlertreff plus Veranstaltungsraum sein muss? Ein Radtourist will Rast machen und auch zumindest eine Brotzeit geboten kriegen. Und da schaut's im Städtle mau aus. Versammlungsräume gibt es in Mainbernheim zudem ausreichend. Vielleicht zahlen die Bürger die Zeche für das Schmuckstück dann in einigen Jahren durch erhöhte Steuern.

Im Übrigen gibt es in Mainbernheim auch eine Interessengruppe, die leidenschaftlich Vorschläge zur Verschönerung der Altstadt sowie der Verbesserung der Lebenssituation diskutiert. Auch von deren Seite wurden keine Anregungen in der Bürgerversammlung vorgebracht – und da hätte man auch mal öffentlich drüber reden können.

Demokratie lebt von Mitsprache, und auch Bürgermeister Wolf appellierte am Dienstag an die Bürger, ihre Meinung zu sagen. Wenn dann das dummerweise auf diesen Tag fallende Champions-League-Halbfinale wichtiger ist, oder eine „Lass-sie-doch-machen“-Mentalität vorherrscht, dann ist eine Chance vertan. Aber vielleicht sind ja wirklich alle einfach nur glücklich im schönen Markgrafenstädtchen.