Elf Leitlinien zur städtischen Wohnungspolitik beschloss der Kitzinger Stadtrat – mit 25 zu drei Stimmen – am Dienstagabend bei einer Sondersitzung zum Thema. Eine kontroverse Diskussion offenbarte unterschiedlichen Vorstellungen im Gremium, das gleich zu Beginn fünf Anträge zu gewichtigen Aspekten der Wohnpolitik von der Tagesordnung kippte – von den Wohnhäusern in der Breslauer Straße über den maroden Zustand mancher städtischer Wohnungen bis zum Notwohngebiet.

„Das ist ein Grundgerüst für die weitere Vorgehensweise“, umschrieb OB Siegfried Müller das Elf-Punkte-Programm. Im Kern geht es darum, dass Kitzingen derzeit die Nachfrage nach Wohnraum nicht ausreichend bedienen kann. Um die Defizite in den nächsten Jahren zumindest zu mildern, hat sich die Stadt jetzt einige Ziele gesetzt. So soll beispielsweise der Leerstand durch Sanierungen vermindert, Bauvorhaben privater Träger unterstützt und preiswerter Wohnraum für Geringverdiener geschaffen werden.

Bei Letzterem hakte CSU-Fraktionschef Andreas Moser ein: „Der soziale Wohnungsbau fehlt mir komplett.“ Kritische Mitstreiterin war Brigitte Endres-Paul (SPD). Kitzingen sei mit gerade mal vier Prozent an Sozialwohnungen – bei zwölf Prozent im Bundesschnitt – weit unterdurchschnittlich aufgestellt. Eine Erkenntnis, die auch der Oberbürgermeister nicht leugnete: „Sozialer Wohnraum fehlt an allen Ecken und Enden“. Versäumnisse der Vergangenheit ließen sich mangels Geld nicht schnell beheben.

Lücken in den Leitlinien sah auch Stadtentwicklungsreferent Thomas Rank (CSU). Die Stadt müsse neben einer Belebung der Innenstadt („Da ist Wohnen der Schlüssel“) verstärkt auf die Ausweisung neuer Bauflächen setzen. Hier sei schon in der Vergangenheit „erhebliches Potenzial“ an das Umland verloren worden, ergänzte CSU-Kollege Moser.

Erweiterungen seien auf dem Weg, Gespräche mit Grundstücksbesitzern am Laufen, betonte OB Müller. So sei unter anderem auch das einstige Deuster-Grundstück als neues Bauland angedacht. Neben einem Angebot für Einfamilienwohnungen sei auch – wie in den Zielvorgaben – der Markt für Wohnraum in der Innenstadt in Bewegung. Beispiele seien das Projekt in der Bürgerbräu oder die Planungen am ehemaligen Fetzer-Gelände in der Glauberstraße.

Zweifel an der Umsetzbarkeit hochfliegender Pläne für bezahlbaren Wohnraum kamen von Moser. Dass hier die Räume bis 2016/17 äußerst eng sind, bestätigte Kämmerin Monika Erdel. Sie hoffe allerdings auf ein Programm „mit sehr hoher Förderung“, das noch im gesetzlichen Entstehen sei.

Auf eine Zeitschiene zur Umsetzung der Leitlinien – wie von Elvira Kahnt (SPD) und KIK-Chef Klaus Christof gefordert – wollte sich Bauamtschef Oliver Graumann nicht festlegen lassen: „Wir sind mitten drin im Prozess“, betonte er. Einzelne Handlungsschwerpunkte müssten nun im Stadtentwicklungsbeirat vorberaten und dann dem Stadtrat vorgelegt werden.

Hausaufgaben

Ein paar Hausaufgaben bekam der Beirat schon mit auf den Weg: Alle Anträge, die gleich zu Beginn der Sitzung mit Mehrheit von der Tagesordnung verschwanden. Die Sanierung städtischer Wohnungen, die Frage des Abbruchs und Neubaus der Wohnungen in der Breslauer Straße, die Zusammenlegung der 200 städtischen Wohnungen mit den 600 der 100-Prozent-Tochter Bau GmbH sowie die Zukunft der zutiefst maroden Wohnungen im Notwohngebiet.