OB Siegfried Müllers eindringlicher Appell, die „letzte Chance“ für eine Veranstaltungshalle in Kitzingen zu nutzen, fand am Donnerstagabend im Stadtrat kein positives Echo: Mit 22:9 Stimmen sprach sich eine Mehrheit des Gremiums für einen Neubau einer Zweifachsporthalle  neben der D.-Paul-Eber-Schule aus. Damit verabschiedete sich der Rat von der vor zwei Jahren beschlossenen und gut sieben Millionen Euro teuren Sport- und Mehrzweckhalle im Deusterareal.

Konsequenz: Die marode Schulturnhalle neben der Schule soll abgebrochen und an gleicher Stelle die neue und größere Sporthalle aufgebaut werden. Kostenpunkt laut Stadt: rund vier Millionen Euro inklusive Freisportanlagen.

Neben der Kostenersparnis von gut drei Millionen Euro spielte auch die Frage der Realisierung eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung. OB Müller sprach von eineinhalb Jahren Zeitgewinn zu Gunsten der Sporthalle gegenüber der Mehrzwecklösung. Das alleine spricht schon aus Sicht der St. Hedwig- und D. Paul-Eber-Schule für die jetzige Entscheidung: Schließlich müssen die Schüler schon seit gut zwei Jahren zum Sport in die Innoparkhalle gebracht werden müssen.

Müllers kritische Bewertung des Umdenkens bei der Mehrzweckhalle kam bei CSU-Fraktionschef Andreas Moser nicht gut an. Die jetzige Entscheidung hätte viel früher fallen können und sei kein „Doppelsalto rückwärts“ des Stadtrats, sondern das Produkt einer mangelhaften Projektsteuerung seitens der Verwaltung.

Was bei den Kritikern und Pro-Sporthallenneubau-Unterstützern in CSU, SPD, FW, KIK, ÖDP und Bayernpartei ganz schlecht weg kam, war die Machbarkeitsstudie zur Mehrzweckhalle. Die habe zu viele Fragen der Fraktionen nicht beantwortet, unterstrich SPD-Fraktionsspitze Astrid Glos. Offen geblieben sei für die Gegner die Frage, ob 120 Parkplätze reichten, wie die Zufahrten geregelt seien und die Risiken der Deusterkeller seien auch nicht beleuchtet worden.

Klar auf Mehrzweckhallenkurs blieb die UsW. Diese Lösung, Sport und Veranstaltungen auf dem Deusterareal in einem Gebäude anzubieten, biete „viele Synergien für die Stadtentwicklung“, erklärte UsW-Fraktionsvorsitzender Manfred Marstaller. Die Stadt brauche eine Veranstaltungshalle. Die würde auf dem Deusterareal lediglich ein Extra von 2,5 Millionen Euro kosten. Für diesen Preis sei anderswo nichts zu kriegen, so Marstaller: „Wir wollen keinen Luxusbau“.

Was in der Sitzung klar wurde: Die Veranstaltungs- oder Stadthalle ist weiter in den Köpfen. „Die unendliche Geschichte Stadthalle dürfen wir nicht aus den Augen verlieren“, betonte Stadtentwicklungsreferent Thomas Rank (CSU). Glos sprach sich dafür aus, mit allen Anbietern – auch den Eigentümern der einstigen US-Flächen – zu reden.

Einen letzten Rettungsversuch für das Vorhaben im Deusterareal unternahm der Oberbürgermeister. Der sprach sich noch einmal klar für die Mehrzweckhalle aus. Den Gegner stellte er die Frage, wie sie denn eine Stadthalle finanzieren wollten, wenn sie bei der großen Lösung Geld einsparen wollten.

Genugtuung zeigte KIK-Fraktionschef Klaus Christof. „Zwei Jahre haben dazu beigetragen, Sie wieder auf den rechten Weg zu bringen.“ Christofs Freude über die Kehrtwende Richtung Sporthallenbau hielt allerdings nicht lange. Sein Antrag, das Deusterareal zu einem Bürgerpark für Freizeit und Erholung umzuwandeln, fiel glatt durch – mit 9 gegen 22 Stimmen.