Zum Bericht über den ungenehmigten Umbau des Gebäudes in der Marktstraße 21 in Kitzingen meldet sich Stadtheimatpfleger Dr. Harald Knobling mit seiner Stellungnahme zu Wort: 

"Eine nachträgliche politische Genehmigung für einen Bau, dessen Genehmigung gegen den üblichen Verfahrensweg und gegen die Bestimmungen des Denkmalschutzes durchgesetzt werden soll, widerspricht jedem Rechtverständnis. Ein Präzedenzfall öffnet Tür und Tor für jeden Bauherren und ermuntert, das Recht zu brechen. Die Folge wäre baulicher Wildwuchs, gewiss nicht zum Wohle der Stadt", schreibt Knobling. "So müssen sich die Stadträte fragen, was ihnen Kitzingen wert ist und ob sie augenscheinliches Fehlverhalten sanktionieren oder sich in ein Boot setzen und nachträglich legitimieren."

Der Kitzinger Stadtheimatpfleger plädiert für die Einhaltung der aus dem Denkmalschutz resultierenden Bestimmungen, der Gestaltungsordnung und des Baurechts. Sie seien "nicht Selbstzweck, sondern dienen den Bürgern. Sie sollen "die Stadt in ihrer baulichen Individualität als Lebensraum zu schützen. Nur so bleiben die Qualität und der Wert eines Ortes erhalten." Wer Denkmalschutz nur als Verhinderer, als Baubremse oder Bauverteuerer bezeichne, stelle das eigene Ego in den Vordergrund und verneine die gesellschaftliche Verpflichtung von Eigentum, so Knobling.

Stadtheimatpfleger spricht sich für Dialog aus

Der Stadtheimatpfleger räumt die Probleme der Leerstände in der Innenstadt, der Geschäfte und Wohnungen ein. Deshalb befürwortet er die Sanierung zahlreicher Häuser und den Ausbau manchen Dachgeschosses. "Von Vorteil für alle wäre es, wenn die Stadt selbst Maßnahmen durchführen, denkmalschutzgerecht sanieren, dann vermieten oder verkaufen würde." 

"Die Innenstadt soll für viele Menschen Wohnraum bieten", aber dazu bedarf es laut Knobling eines "sensiblen und einfühlsamen Vorgehens". Hierzu gehörten der respektvolle Umgang mit der Gestaltungsordnung und die Beratung durch Fachleute. "Die Referenten des Denkmalamtes beraten und ringen um sinnvolle Baulösungen", erklärt Knobling. Auch die Denkmalpflege bewege sich und werde veränderten Anforderungen gerecht. 

Knobling spricht sich abschließend für einen konstruktiven Dialog aus, um dem Bewohner Komfort zu bieten, ohne das Gebäude und seine Atmosphäre zu zerstören: "Zugeständnisse an das Vorhandene müssen gemacht werden, dafür wird man aber durch die Atmosphäre eines alten Hauses belohnt."