„Friss oder stirb, da sind wir heute.“ Mit dieser Aussage brachte Heinz Galuschka die Stimmung im Marktbreiter Stadtrat am Montagabend im Gnodstadter Rathaus auf den Punkt: Es blieb den Räten nichts anderes übrig, als den Plänen der DB Projektbau GmbH zur Errichtung von Lärmschutzwänden in einem Teilbereich von Marktbreit zuzustimmen – auch wenn sie diese Pläne als völlig unzureichend ansehen.

Die Bahnstrecke oberhalb der Marktbreiter Altstadt wird zunehmend zur großen Lärmbelastung, nicht nur für die Altstadt. Seit Jahren nimmt der Bahnlärm zu, der Güterverkehr steigt, mit der Privatisierung von Dienstleistungen auf der Schiene kommen auch Waggons zum Einsatz, die alt und sehr laut sind. Ebenso seit Jahren versucht die Stadt gegen den Bahnlärm anzukämpfen.

Schreiben an und Gespräche mit Politikern bis hin zum Verkehrsminister, ein Zusammenschluss mit anderen Gemeinden, Tagungen, gar eigens in Auftrag gegebene Lärmmessungen und am Ende die nun vorgelegten Pläne für Lärmschutz, die sich kaum von denen vor einigen Jahren unterscheiden: Entlang der Bahnstrecke von der Straße Fléac bis zur Fleischmannstraße wird die Bahn talseitig auf einer Länge von 610 Metern und hangseitig von 430 Metern jeweils drei Meter hohe Lärmschutzwände errichten.

So weit so gut – zumindest ein Teil der vom Lärm betroffenen Stadtgebiete könnten dadurch Entlastung erfahren. Problematisch allerdings ist der Bahnlärm auch im weiteren Streckenverlauf bis nach Obernbreit durchs Breitbachtal. Auf dem der Bahn gegenüberliegenden Hang liegt die Siedlung Marktbreits und auch die ist vom Bahnlärm massiv betroffen. Und hier scheiden sich die Geister. Da die Bahn sich ausschließlich auf gerechnete Lärmwerte beruft, liegt nach ihrer Meinung hier nur eine geringe Lärmbelästigung vor. Das hat zur Folge, dass einige Häuser zwar belastet sind, das Problem aber durch passiven Lärmschutz – etwa spezielle Fenster – gelöst werden kann. Da denken die Anlieger allerdings ganz anders. Und die von der Stadt in Auftrag gegebene Schallmessung bestätigt das, ändert aber nichts.

Für die Räte war das am Montagabend eine Zwickmühle: Lehnen sie die Pläne der Bahn ab, dann, so Sitzungsleiter Herbert Biebelriether, könnte auf Jahrzehnte die Chance vertan sein, überhaupt etwas an Lärmschutz zu erreichen. Mehr an Schutz wollen sie eigentlich alle, etwa Schutzwände bis nach Obernbreit, anderen Lärmschutz, der zwar in vielen europäischen Ländern bereits angewendet wird, in Deutschland aber immer noch in der Erprobung ist. Die große Mehrheit ist sich aber sicher: Die Bahn bleibt in dieser Frage stur – mehr als nun angeboten, werde kaum zu erreichen sein.

Einzig Hans Martin Hoffmann wagte Widerspruch: „Ich stimme dagegen, weil das nichts Halbes und nichts Ganzes ist“, sagt er. Der Lärm werde durch die Schutzwände nur „hin und her geworfen“, am Ende entstehe das gleiche Phänomen, wie in Kitzingen, in einem Teil der Stadt wird der Lärm noch steigen. Dem stimmen seine Ratskollegen zwar weitgehend zu, doch die Furcht davor, am Ende leer dazustehen, ließ sie den Plänen der Bahn zustimmen. Allerdings mit den Vorbehalten, den Lärmschutz bis Obernbreit fortzuführen, zu prüfen, ob durch Schwellentausch der Lärm reduziert werden kann, den Zeitplan für die Bauarbeiten offen zu legen und die Gestaltung der Schutzwände mit der Stadt abzustimmen.

„Ob wir das letzte Mal darüber gesprochen haben, wage ich zu bezweifeln“, sagte Biebelriether zum Abschluss.