Bei maroden Straßen reagieren Bund, Länder und Gemeinden nach dem gleichen Rezept: Wenn's beim Geld hapert, wird das Problem ins Irgendwann verschoben. Gutes Beispiel dafür sind die Spurrillen in der West- und Südtangente, die laut Polizei und Bauverwaltung für rund 1,1 Millionen Euro eigentlich repariert werden müssten, bei den Etatberatungen der Stadt jedoch aus dem Investitionsplan genommen wurden.

Polizei sieht Handlungsbedarf

Die gute Million Euro für die Erneuerung der Fahrbahn auf der Tangente kommt nicht von ungefähr. Der Zustand ist so schlecht, dass die Sanierung unter den Top-Ten der Prioritätenliste der Stadt für Investitionen rangiert und das Anpacken der Maßnahme auch von anderer Seite angeschoben wird: „Fakt ist, dass die Polizei dringenden Handlungsbedarf sieht“, betonte OB Siegfried Müller jüngst in der Sitzung des Stadtrats.

Tatsächlich sieht die Polizei erhebliche Mängel, wie aus einem Schreiben an die Stadt hervorgeht. Danach seien die Spurrillen „eine Gefahr für den motorisierten und nichtmotorisierten Zweiradverkehr.“ Sicherheitsprobleme gebe es auch mit den Fahrbahnmarkierungen, die teilweise „komplett abgefahren“ seien. Wer von einer Nebenstraße in die Westtangente abbiegen wolle, sehe bei Dunkelheit und Nässe oft nicht mehr, „wo er anhalten soll“, schreibt die Polizei.

Den Sicherheitsbedenken der Polizei schob Bauamtschef Oliver Graumann noch die Gefahr technischer Probleme nach. Wenn nichts passiere, könne die Tragschicht der Straße beschädigt werden – mit teuren finanziellen Folgen.

Trotz deutlicher Hinweise auf die Probleme, blieb das Echo im Stadtrat aus. Selbst der Plan, den Straßenabschnitt zwischen dem Ende der Südbrücke und der Einmündung Kaltensondheimer Straße nach dem Ende der Bauarbeiten an der Unterführung Innere Sulzfelder Straße anzupacken, ist vorerst vom Tisch. Der Stadtrat verschob die gut eine Million Euro teure Erneuerung in den Finanzplanungsrest – also in die Jahre nach 2018.