Wer sich Stadelschwarzach aus der Ferne nähert, der fühlt sich ein wenig in die Toskana versetzt. Das liegt nicht nur an der Sommersonne, sondern speziell am Turm von St. Bartholomäus, genauer gesagt, an dem, was dem Turm der Pfarrkirche noch immer fehlt: der Kirchturmspitze. Seitdem das Sturmtief "Fabienne" am 23. September 2018 rund um den Ort mächtige Strommasten umgeworfen  und in der Ortschaft etliche Dächer beschädigt hat, steht der Kirchturm ohne Dach da. Die gewaltigen Sturmböen hatten es einfach heruntergeweht.

Schnell war als Notbehelf ein flaches Dach – ähnlich dem vieler Kirchtürme in der Toskana – auf den Kirchturm gezimmert worden, um Wasserschäden zu verhindern. Es dauerte ebenfalls nicht lange, da war klar, dass der Kirchturm baldmöglichst wieder so aussehen soll, wie vor dem Sturm. Die Denkmalschutzbehörde hatte sich dafür ausgesprochen, den rund 400 Jahre alten Echter-Spitzhelm originalgetreu zu rekonstruieren. Noch im März 2019 waren die Verantwortlichen davon überzeugt, Mitte der Jahres mit dem Wiederaufbau  beginnen zu können.

Corona legte Schiefer-Brüche lahm

Doch der Blick den Kirchturm hinauf macht klar: Das hat nicht geklappt. Der entscheidende Punkt, woran es bis jetzt hängt, dass St. Bartholomäus mit gekappter Turmspitze dasteht, ist ein Lieferproblem beim Schiefer für die Dacheindeckung, sagt der Prichsenstädter Bürgermeister, René Schlehr. Die politische Gemeinde ist für die Reparatur verantwortlich, da diese die Baulast für den Kirchturm trägt. Der Schiefer kommt aus Spanien, weil es in Deutschland keinen Schiefer in passender Qualität mehr gibt, erklärt der mit der Reparatur beauftragte Architekt Georg Böswald-von Brunn aus Rottendorf (Lkr. Würzburg). Doch die Corona-Pandemie hat die spanischen Steinbrüche lahmgelegt. Die Vorräte an Schiefer seien aufgebraucht, und für dieses Jahr sei keine Lieferung mehr zu erwarten, die so rechtzeitig in Stadelschwarzach ankäme, dass dort der Kirchturm noch vor dem Winter eingedeckt werden könne.

Vor dem Winter ein Gerüst am Kirchturm aufzubauen und zumindest den Dachstuhl aufzubauen, hat keinen Sinn, erläutert Bürgermeister Schlehr. Denn während der Winterpause müsste das Gerüst wieder abgebaut werden, um Kosten zu sparen. Und selbst dann wären die Gerüstkosten zu hoch, so dass man sich mit der Versicherung, die die Kosten des Wiederaufbaus übernimmt, darauf geeinigt habe, die Arbeiten im Frühjahr 2021 zu beginnen, bestätigt der Architekt. Er rechnet dann mit einer Bauzeit von circa einem halben Jahr, bis das neue Kirchturmdach fertig sein wird. Die restlichen Schäden an der Kirchenfassade und am Kupferdach der Sakristei, das beim Herabstürzen der Kirchturmspitze zerstört worden war, sind mittlerweile behoben, berichtet Boswald-von Brunn.

Pfarrer konnte sich ein Flachdach vorstellen

Pfarrer Peter Göttke, der Leiter der Pfarreiengemeinschaft Kirchschönbach-Stadelschwarzach-Wiesentheid, hat gegen die Verschiebung der Arbeiten auf kommendes Frühjahr nichts einzuwenden. Er kann diesen mit der Versicherung vereinbarten Schritt nachvollziehen, um unnötige Kosten zu vermeiden. In der Sache redeten viele mit, meint Göttke, der sich nach dem Sturm durchaus eine moderne Lösung mit einem dauerhaften Flachdach auf dem Kirchturm vorstellen konnte.

Die baurechtlichen Fragen zum Wiederaufbau des Turmdachs sind alle geklärt, berichtet der Prichsenstädter Bürgermeister. "Der Turm bleibt nicht mit Toskana-Dach stehen", sagt er. Wenn der Wiederaufbau beendet ist, dann ist in der Ortschaft der größte noch sichtbare Gebäudeschaden, den "Fabienne" hinterlassen hat, beseitigt. Schäden, die dann noch vorhanden sind, beispielsweise ein eingestürztes Nebengebäude direkt neben der Kirche, könnten eventuell später im Zuge einer Innenentwicklung im Dorf ausgemerzt werden, meint Schlehr.

In den Wäldern sieht's noch böse aus

Der Bürgermeister verweist allerdings darauf, dass es in den Wäldern ganz anders aussieht: Die dortigen Sturmschäden würden noch jahrzehntelang sichtbar bleiben und Stadt und Privatwaldbesitzer noch vor große Aufgaben stellen. Einziger Vorteil sei, dass bei der Wiederaufforstung gezielt Bäume gepflanzt werden können, die mit den im Zuge des Klimawandels erwarteten häufigeren Hitze- und Trockenperioden besser zurecht kommen als die umgeknickten und entwurzelten Bäume. "'Fabienne'", sagt der Bürgermeister, "hat uns deutlich vor Augen geführt, wie schnell etwas niedergemetzelt werden kann, was über lange Zeit aufgebaut wurde."