„Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!“ Das Sprichwort trifft selbstverständlich auch auf Fußballfunktionäre zu. Was immer sie tun, die Kritik ist ihnen sicher. Jüngstes Beispiel ist die zweiwöchige Relegation, in der Anfang Juni die Zusatz-Aufsteiger in den verschiedenen Ligen ausgespielt wurden. Kritik wurde laut am Modus (Hin- und Rückspiel im Bezirk) und an der daraus resultierenden Dauer, die aber auch – trotz neutralem Platz – auf Kreisebene angeprangert wurde.

29 070 Zuschauer besuchten 2016 die 52 Spiele auf Bezirks- und Kreisebene, wobei die Aufstiegsspiele von den B- in die A-Klassen, die nur in den Kreisen Aschaffenburg und Rhön ausgetragen werden, in unserer Grafik nicht berücksichtigt sind. Im Jahr 2015 waren noch 33 601 Fußballfans heiß auf die 51 Relegationsspiele. Rund 100 Zuschauer weniger interessierten sich demnach heuer für das sportliche Wohl und Wehe der Kicker. Kritiker der Hin- und Rückspiele vermissen den K.o.-Charakter, der die Zuschauer neugieriger mache. Befürworter, Verbands- und die auf Einnahmen bedachten Vereinsfunktionäre, sind mit der Geldquelle zufrieden, die einen Teil der Jahresausgaben (für Trainer und Spieler) sprudeln lässt.

Differenziert betrachtet Mathias Rumpel die Angelegenheit. Der Vorsitzende des SSV Kitzingen, dessen Mannschaft über die Relegation den Bezirksliga-Klassenerhalt geschafft hat, freut sich selbstverständlich über jeden Euro, den sein Verein einnimmt, gibt aber auch zu bedenken: „Die Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Wenn ich sehe, dass sich Spieler nach einer langen Runde noch einmal in vier Spielen messen müssen, kann ich das nicht gutheißen. Die körperliche Fitness meiner Spieler muss im Vordergrund stehen.“ Rumpel glaubt außerdem aus eigener Erfahrung, dass die Resonanz bei einem K.o-Spiel auf neutralem Platz höher ist. Ein Blick in die Vergangenheit scheint dies auch zu bestätigen. Weit mehr als 600 waren es beispielsweise 2008, als der SSV Kitzingen in Ippesheim gegen den FC Iphofen verlor und aus der Kreisliga in die Kreisklasse abgestiegen ist. 717 (400 in Altfeld, 317 in Kitzingen) und 715 (476 in Kitzingen, 239 in Hettstadt) wollten diesmal in den Hin- und Rückspielen die vier Partien der Kitzinger Siedler sehen.

Da war das Interesse an den Spielen des Bezirksliga-Zweiten FG Marktbreit/Martinsheim natürlich größer. Schließlich ging es um den Aufstieg in die Landesliga. 661 Besucher beim Heimspiel und 403 in Feuchtwangen erlebten, wie die FG knapp scheiterte. Als Trostpflaster bleiben die Einnahmen, die der Sportleiter Joachim Hupp mit „mehr als erwartet“ umschrieb. Der Verband wisse schon, warum er diesen Modus gewählt habe. Der Spieler Joachim Hupp würde sich aber – auch im Interesse der Zuschauer – immer wieder für ein K.o.-Spiel auf neutralem Platz entscheiden.

Bernd Reitstetter, Bezirks- und Landesliga-Nordwest-Spielleiter des Bayerischen Fußballverbandes (BFV), weist den Vorwurf zurück, dass der BFV den „Europacup-Modus“ in erster Linie eingeführt habe, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Immerhin müssen die ausrichtenden Vereine 15 Prozent des Eintrittspreises an den BFV abliefern. Dazu kommt noch ein Sozial-Euro pro Zuschauer, mit dem der Verband Bedürftigen unter die Arme greift. Der Fußballfunktionär begründet die Einführung des Hin- und Rückspiel-Modus lieber mit „mehr Fairness“. Auf neutralem Platz kassiere der Ausrichter das meiste Geld, ohne sportlich etwas dazu beigetragen zu haben. Bei Hin- und Rückspielen profitierten dagegen die sportlich beteiligten Vereine auch finanziell.

Aber auch der aufgeblähte Relegationsmodus des Jahres 2016 um den Kreisklassen-Auf- und -Abstieg im Spielkreis Würzburg auf neutralem Platz erhitzte die Gemüter. So wurde Helmut Zoepffel vor dem zweiten Relegationsspiel seines FC Zell gegen den FV Maintal ziemlich deutlich: „Es ist einfach peinlich, was sich der BFV leistet. Der Verband macht alles falsch, was man falsch machen kann“, kritisierte der Trainer dieser Zeitung gegenüber. Man konnte Zoepffels Ärger durchaus nachvollziehen. Schließlich waren die Zeller nach dem ersten verlorenen Relegationsspiel die einzigen, die noch drei Begegnungen gewinnen mussten, um die Kreisklasse zu halten. Alle anderen Mannschaften kamen dagegen mit zwei Siegen aus. Zoepffels Schützlingen blieb die Dauerbelastung letzten Endes aber erspart. Sie unterlagen auch gegen Maintal und stiegen ab.

Dafür schaffte A-Klassist VfR Bibergau den Aufstieg. Der Niederlage gegen Sommerhausen folgten zwei kräftezehrende Siege nach Verlängerung und Elfmeterschießen. Trainer Bernd Siller ist bei aller Freude über den sportlichen Erfolg kein Freund der vielen Spiele. „Die Saison dauert ewig. Die Spieler haben nicht einmal mehr fünf Wochen Sommerpause. Das ist schon arg wenig. Früher musste man zwei Spiele gewinnen, um aufzusteigen. Der Verlierer war ausgeschieden. Diesmal kamen ja sogar die Verlierer noch weiter“, beschreibt Siller die unbefriedigende Situation.

Würzburgs Kreisspielleiter Marco Göbet, der mit dem Relegationsmodus in seinem Verantwortungsbereich selbst alles andere als glücklich war, kann die diesjährige Ausnahme-Relegation erklären. „Das lag daran, weil wir unsere Kreisklassen für die neue Saison auf 14 Vereine reduzieren mussten. Ich hatte zehn Vereine und nur sechs Plätze frei. Insofern war dieser Modus der sportlich fairste, den ich wählen konnte.“