Das Lob kam aus berufenem Munde und noch dazu von höchster Stelle. Als Bayerns Fußball-Verbandschef Rainer Koch im Herbst 2010 Willanzheim besuchte, zeigte er sich durchaus angetan vom dortigen Sportverein: von dessen inniger Hartnäckigkeit und Rührigkeit, allen Eindringlingen von außen zu trotzen. Zu Zeiten, da sich viele Klubs dem Joch einer Spielgemeinschaft unterwerfen müssen, hat sich der SV Willanzheim seine Eigenständigkeit weitestgehend bewahrt. Die U19-Junioren spielen in dieser Saison zwar in einer Fördergemeinschaft mit dem SV Markt Einersheim und der SG Seinsheim/Nenzenheim, aber die Dreierbande unter der Chiffre „JFG Südlicher Steigerwald“ wird der Verein zur kommenden Saison wieder verlassen. „Es ist nicht das Wahre. Wir gehen wieder raus“, sagt Willanzheims Sportleiter Ernst Stöcker.

Sie machen lieber ihr eigenes Ding und bleiben unter sich. Deshalb mögen sie es auch nicht in Willanzheim, wenn andere Klubs beiläufig in ihrem Revier wildern. „Wir sind ein kleines Dorf mit 800 Einwohnern. Da kommen die großen Vereine und baggern unsere Spieler an“, sagt Stöcker leicht empört. Bislang ist es dem Sportleiter und seinem Stab noch immer gelungen, die Umschmeichelten zum Bleiben zu bewegen. Dass sie all den Reizen widerstehen, die sie da draußen erwarteten, zeigt die Charakterstärke und das intakte Gefüge dieses Teams. Dieser verschworene Haufen hat es in den vergangenen Jahren geschafft, in seiner stürmischen, unbekümmerten Art Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Seit Langem steht der Klub in dieser Saison mal wieder auf dem Sprung in die Kreisliga.

Ein Teil der heutigen Akteure war noch gar nicht geboren, als der Klub zum letzten Mal in jener Liga spielte, die damals noch A-Klasse hieß. Drei Jahre, von 1988 bis 1991, hielten sich die Willanzheimer dort auf. Die Helden dieser Zeit hießen Josef Schwab, Dieter Hein oder Hans Stöcker. Und die Rivalen waren der FC Kirchheim, der TSV Lengfeld oder Bayern Kitzingen – Klubs, die ihr Glück höherklassig gefunden haben. Der SV Willanzheim nahm einen anderen Weg, verkümmerte ein wenig in der Kreisklasse und tauchte 2006 gar in die A-Klasse ab. Zwei Jahre später schien die Talsohle durchschritten. Das Team wurde Meister und stürmte in seiner Euphorie gleich auf Rang drei der Kreisklasse. Ein Jahr später reichte es noch zu Rang sechs. Aber vergangene Runde drohte erneut der Abstieg. Erst unmittelbar vor Saisonschluss war man gerettet.

Nicht etwa ein radikaler Personalschnitt hat dem erstaunlichen Wandel vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten Vorschub geleistet. Bisweilen reicht es, an einem einzigen Rädchen zu drehen, um eine ganze Maschinerie in Gang zu setzen. Die akute Torwart-Problematik führte vergangene Saison zu der kuriosen Situation, dass Kilian Eckert für die letzten sechs Begegnungen eigens von seiner neuen Heimat Hamburg nach Willanzheim reiste. Dieser Einsatz, so glaubt Ernst Stöcker, habe den Verein vor dem Abstieg gerettet. Seit dieser Runde steht Michael Uhl im Kasten, und mit ihm hat sich eine Kettenreaktion ergeben. „Er ist ein Ruhepol und bringt Sicherheit, die sich von der Abwehr auf die gesamte Mannschaft überträgt“, sagt Stöcker. „Das hebt die Stimmung und die Motivation.“

Uhl ist als Seinsheimer, wenn man so will, auch einer der wenigen Nicht-Willanzheimer im Team (neben den Zwillingen Philipp und Lukas Abendroth aus Kitzingen). So viel Lokalpatriotismus schweißt zusammen. „Alles hier ist ein wenig beschaulicher. Man merkt den Zusammenhalt“, hat Trainer Thomas Bergner im vergangenen Jahr festgestellt. Stöcker sagt: „Lieber spielen wir das, was wir mit eigenen Leuten können. Wenn man anfängt, Spieler zu bezahlen, hört für uns der Spaß auf.“

An diesem Samstag startet mit der Partie gegen den SV Sonderhofen ein Zyklus von drei Heimspielen. In zwei Wochen steht das Duell mit dem Erzrivalen FC Iphofen an, der in der Tabelle nur einen Punkt entfernt liegt. „Auf dem Rasen“, sagt Stöcker, „sind wir wie Hund und Katz. Danach setzen wir uns zusammen und trinken ein Bier.“