Für Andreas Lapp ist die Corona-Krise die erste echte Bewährungsprobe, seit er im April 2018 das Amt des Leichtathletik-Bezirksvorsitzenden von Otwin Hack übernommen hat. Der 38-jährige Kleinlangheimer ist selbst Mitglied und Übungsleiter der TG Kitzingen, kennt den Betrieb also von innen. Wie beurteilt er das Krisenmanagement des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes (BLV)? Wie haben die Vereine den Lockdown verkraftet? Und was sagt er zur eigenmächtigen Absage der bayerischen Meisterschaften durch den Kreisverband Schweinfurt/Haßberge?

Als Ende Mai in Bayern erste Wettkämpfe nach dem Lockdown angekündigt wurden, sprach BLV-Präsident Gerhard Neubauer von einem "Schritt zurück in die Normalität". Wie normal ist die Lage der Leichtathletik heute? 

Andreas Lapp: Wir sind froh und glücklich, dass wir im Juli mit Wettkämpfen starten konnten. Der erste Wettbewerb war Anfang Juli das Sommersportfest der DJK Aschaffenburg. Auch in Kitzingen gab es einen kleinen Wettkampf - einfach, um unseren Athleten Praxis zu verschaffen. Man muss dabei sehen, dass man die Startfelder kleinhält und auf die Abstandsregeln achtet.

Ist das auch der Grund dafür, dass die unterfränkischen Meisterschaften geteilt stattfinden?

Lapp: Ja. Im Normalfall sind dafür eineinhalb Tage angesetzt. Wegen Corona haben wir sie auf drei Etappen gestreckt, um das Starterfeld zu entzerren und den Hygienekonzepten gerecht zu werden.

"Das Gute war, dass es bisher immer nur in eine Richtung ging: hin zu mehr Lockerungen."
Andreas Lapp, Leichtathletik-Bezirksvorsitzender
Auf der Homepage des BLV gibt es 19 allgemeingültige Richtlinien, acht weitere Richtlinien für den Trainingsbetrieb, hinzukommen individuelle Regeln und die normalen Abstandsgebote. Blicken Sie in diesem Wirrwarr noch durch?

Lapp: Wer einen Wettkampf ausrichten will - und da spreche ich jetzt aus eigener Erfahrung -, setzt sich eine Woche vorher hin und macht das Hygienekonzept. Dann steht das Ding. Zwei, drei Tage vor dem Wettkampf liest man noch einmal nach und stellt fest: Da hat sich was geändert, dort muss ich nachbessern. Das Gute war, dass es bisher immer nur in eine Richtung ging: hin zu mehr Lockerungen.

Wie reagieren Vereine und Sportler auf die Situation?

Lapp: Die Athleten sind sehr froh, dass wieder Wettkämpfe stattfinden und sie sich messen können. Es sind zwar keine Zuschauer erlaubt und deshalb fehlt mitunter die Stimmung. Aber den Leistungen schadet das nicht, wie man in Aschaffenburg und Kitzingen - und zuletzt auch bei den unterfränkischen Meisterschaften gesehen hat. 

Gibt es denn insgesamt weniger Starter?

Lapp: In Großostheim war das nicht der Fall. In Marktheidenfeld wurde das Ganze in völlig anderem Format ausgetragen. Bisher waren bei der Bezirksmeisterschaft nur Sportler aus Unterfranken am Start. Die LG Main-Spessart als Ausrichterin hat sich entschlossen, das Feld zu öffnen und später die Zeiten der unterfränkischen Starter herauszurechnen.

Sie lassen auch Athleten von außerhalb zu? 

Lapp: Richtig. Es kommen auch Teilnehmer aus Hessen oder Württemberg. Wobei manche Sportler aus Bayern sicherlich schon im Urlaub sind. Aber es ging vom Zeitpunkt her jetzt nicht anders. Um den Athleten vor der bayerischen Meisterschaft im September noch Startmöglichkeiten zu bieten, war der Termin in den Sommerferien notwendig.

Was bedeutet dieses Krisenjahr für die Vereine? Wie stehen die aktuell da?

Lapp: Während des allgemeinen Lockdowns, als gar nichts ging und auch kein Training möglich war, hatten viele Vereine kaum Ausgaben für Trainer oder Sportstätten. Aber es fehlten eben auch die Einnahmen aus dem Wettkampfbetrieb. Was das Training angeht, war die Leichtathletik eine der Sportarten, die am frühesten wieder beginnen konnte. Sie ist ja im Grunde kontaktlos.

Und wie steht es in diesen Zeiten um den Nachwuchs?

Lapp: Die Trainingsgruppen sind so groß wie vor der Corona-Krise. Das ist mein Eindruck, der sich auf Gespräche mit mehreren Vereinen stützt. Was uns fehlt, ist der Zulauf aus den Schulen. Sonst gab es von dieser Seite den einen oder anderen Interessierten, der zu uns fand. Aber nachdem auch in der Schule der Sportunterricht lange Zeit ausgesetzt war, kam über diese Schiene in den letzten Monaten nichts.

Eine Zeit lang durften keine Läufe über mehr als 1500 Meter stattfinden. Haben Sie eine Erklärung, warum? 

Lapp: Nein. Wobei wir bei den unterfränkischen Meisterschaften sowieso die 1500 Meter als längste Distanz im Programm haben und die Langstrecken ausgegliedert sind. Das stand schon im November, also vor Corona, so fest. Die 2000, 3000 und 5000 Meter werden im Herbst in Aschaffenburg gelaufen.

Sie sind seit gut zwei Jahren im Amt, haben den Bezirksvorsitz von Otwin Hack übernommen. Sind Sie mit Ihrer bisherigen Bilanz zufrieden?

Lapp: Wir haben im vergangenen Jahr einige junge Leute erfolgreich zu C-Trainern ausgebildet. Ein ganz wichtiger Schritt. Ansonsten sind wir im Bezirk gerade dabei, die Zusammenarbeit zwischen den Kreisen und den Vereinen zu verstärken, um hier Großveranstaltungen wie eine bayerische Meisterschaft ausrichten zu können.

"Der Kreis Schweinfurt wird seine Gründe gehabt haben."
Andreas Lapp zur Absage der bayerischen Meisterschaft
Im September sollten die bayerischen Meisterschaften in Schweinfurt stattfinden, die dann aber abgesagt wurden. Sie als Bezirksvorsitzender waren nicht in die Entscheidung eingebunden.

Lapp: Das ist richtig. Die Entscheidung trägt der Kreisverband Schweinfurt/Haßberge, der zur Ansicht kam, dass das damals geltende Hygienekonzept des BLV im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion nicht oder nur schwer umsetzbar sein würde. 

Und der neue Veranstalter in Erding kann das? 

Lapp: Na ja, in Schweinfurt ging es um die Duschen, um den Platz auf der Tribüne - und so weiter.

Schade eigentlich, denn ein solcher Wettkampf wäre sicherlich ein Signal gewesen, das in den ganzen Bezirk gestrahlt hätte.

Lapp: Das ist richtig. Aber der Kreis Schweinfurt kennt die Örtlichkeiten besser und wird seine Gründe gehabt haben.

Wie steht die unterfränkische Leichtathletik im bayerischen Vergleich da?

Lapp: Es gibt bei uns einige Athleten, die in der bayerischen Spitze mitmischen. Von den Gesamtzahlen liegt der Bezirk Unterfranken in der Mitte. Das hat auch der Bezirksvergleich im vergangenen Jahr gezeigt, den es für die 14-Jährigen gibt. Auch da hat Unterfranken bei den Jungen und den Mädchen einen mittleren Platz belegt.

Was wünschen Sie sich als Bezirksvorsitzender für die nächste Zeit?

Lapp: Dass sich die Leichtathletik weiter nach vorne entwickelt und wir die Zusammenarbeit im Bezirk weiter vertiefen, um wie bisher attraktive Veranstaltungen anbieten zu können. Das schließt auch die Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten für Trainer ein. Der BLV hat die wettkampffreie Zeit während der Corona-Zeit gut genutzt und Online-Fortbildungen mit Landes- und Bundestrainern angeboten. Das ist auch in Unterfranken rege angenommen worden.

Glauben Sie persönlich, dass Olympia 2021 in Tokio stattfinden kann?

Lapp: Schwierige Frage. Wenn es einen Impfstoff gibt und dieser in ausreichender Menge zur Verfügung steht, kann ich mir das durchaus vorstellen. Sonst könnte es schwierig werden, selbst ohne Zuschauer. Denn man holt bei einem solchen Fest ja Leute aus der ganzen Welt zusammen.