Wäre jetzt bereits die Fußball-Saison zu Ende, könnte Michael Weber durchatmen. Er würde den aktuellen elften Tabellenplatz für den FC Fahr in der Kreisklasse sofort unterschreiben. „Wenn wir da stehen, wo wir jetzt sind, dann würde ich ein Kreuzzeichen machen“, gibt der 44-Jährige zu, der vergangenen Sommer zum FC Fahr gekommen ist. Das hieße nämlich, die Fußballer aus dem schmucken Weinort an der Mainschleife hätten den Abstieg gebannt und eine schwierige Saison glücklich vollendet.

So weit ist es aber noch nicht, drei Spieltage stehen noch aus, Fahrs Zugehörigkeit zur Kreisklasse ist längst nicht gesichert, ebenso wie die Zukunft Webers in Fahr noch nicht geklärt ist. Er zaudert und zweifelt derzeit, ob er ein weiteres Jahr beim Dorfklub im Volkacher Stadtteil bleiben werde. Die Perspektive sei im nächsten Jahr wohl wieder etwas besser, weil mancher junger Kicker aus der Jugend nachkomme. So ganz sicher ist sich der Spielertrainer, der einst unter anderem beim FC Schweinfurt 05 Regionalliga und Zweite Liga kickte, aber noch nicht. „Ich wollte eigentlich eine Truppe, in der Schwung und Ambitionen sind.“

Die Aussichten in Fahr erschienen vorigen Sommer nicht so schlecht, doch es kam wieder einmal ganz anders als erhofft und erwartet. Fünf Stammkräfte sind weggebrochen, verletzt oder aus Studien- und Berufsgründen, dazu nahm Fahrs Ausnahmeakteur Simon Weidinger einen Job als Spielertrainer bei der SG Rimbach/Lülsfeld an. Weber zählt einige Personalien auf, die die Misere belegen.

So zog es Tim Seifert kürzlich für zwei Jahre nach Kanada, in der Vorrunde fehlten zeitweise mit dem länger verletzten Stefan Weinknecht und Torjäger Markus Hornung die Angreifer und Torgaranten, was sich eben bemerkbar machte. Johannes Linke studiert auswärts und kann kaum trainieren, Marco Schulz ist beruflich oft auf Montage unterwegs. So lässt sich die Reihe fortsetzen. Schließlich hat sich auch noch Torwart Manuel Henke verabschiedet, so dass nun wieder Oldie Michael Krapf mit 50 Jahren zwischen den Pfosten steht.

Keine günstigen Voraussetzungen also für Weber. „Das sind die Kleinigkeiten, die zusammenkommen. Du weißt manchmal nicht mehr, wen du aufstellen sollst“, klagt er. Froh ist er, dass er im Notfall auf Kräfte der Alten Herren zurückgreifen kann. Bei vielen der Jungen lasse die Einstellung einfach zu wünschen übrig, was der Vollblutfußballer nicht verstehen kann. „Die haben kein Ziel. Sie fahren lieber zu Rock im Park, statt zu spielen. Wenn sie ein Wehwechen haben, dann kommen sie nicht. Da fragst du dich: Wollen sie überhaupt Fußball spielen“, schildert Weber die Probleme, die nicht nur er mit der heutigen Generation hat.

Zudem mangle es bei manchen an der Fitness. Es könne doch nicht sein, dass einer mit 44 Jahren auf dem Spielfeld mehr laufe als ein 20-Jähriger, sagt Michael Weber kodfschüttelnd. Er stamme da eben aus einer anderen Zeit. „Es gibt schon fünf, sechs Mann, die wollen. Aber der Rest . . .“, lässt er den Satz unvollendet. Zu schnell zufrieden und zu wechselhaft sei die Truppe. So ganz versteht Michael Weber das nicht. „Dann machen sie wieder zwei, drei gute Spiele, du denkst, sie haben es kapiert, und schon machen sie einen Schritt weniger“, schüttelt er den Kopf.

Auf dem Platz möchte der Trainer, der in Oberpleichfeld lebt, schon noch einige Zeit mitmischen. Körperlich gehe es ihm gut, mithalten könne er ohne weiteres noch. Spaß habe er auch, nicht nur in der Traditionsmannschaft des FC Schweinfurt 05, wo er gerne mit den alten Kumpels kickt.

Das steht ab Sommer wieder an, doch zuvor soll der Klassenverbleib geschafft werden. In Heidenfeld muss Fahr an diesem Sonntag ran, es folgt das „Endspiel“ (Weber) gegen Wiesentheid II, schließlich geht es am letzten Spieltag zum Lokalrivalen VfL Volkach. Da ist Weber froh, dass nun Angreifer Stefan Weinknecht wieder mitmachen kann, der zuletzt lange fehlte. Mit Markus Hornung soll er für die entsprechenden Tore sorgen, um Fahrs Verbleib auch nach mehr als zehn Jahren in der Kreisklasse zu sichern.