Unter Fußballexperten gilt die Würzburger A-Klasse 2, in der vorwiegend Mannschaften aus dem Ochsenfurter Raum spielen, im Vergleich zur Parallelstaffel – der A-Klasse 3, die ausschließlich Klubs aus dem Landkreis Kitzingen beheimatet – als qualitativ stärker. Diese Einschätzung beruht freilich auch auf subjektiven Ansichten.

Befürworter dieser These können sich als jüngstes Beispiel auf den TSV Gnodstadt berufen. Immerhin hatte die Mannschaft aus Marktbreits Stadtteil vergangene Saison als Aufsteiger einen respektablen vierten Platz in der A-Klasse 3 belegt. In dieser Runde geht Gnodstadt nun in der A-Klasse 2 an den Start – und findet sich nach sechs Spielen am Tabellenende wieder.

Erst einen Sieg hat der TSV in dieser Spielzeit auf der Habenseite verbucht. Dem stehen bereits fünf Niederlagen gegenüber. Zudem stellt die Mannschaft mit 22 Gegentreffern die schwächste Abwehr der ganzen Liga. Das Comeback in der Ochsenfurter A-Klasse, die Gnodstadt aus früheren Jahren bestens kennt, hätten sich die Verantwortlichen ganz anders vorgestellt.

„Wir hätten nicht damit gerechnet, dass wir da ganz hinten reinrutschen.“
Klaus Hofmann, Sportleiter des TSV Gnodstadt

Sportleiter Klaus Hofmann war jedoch von Beginn an bewusst, dass die Rückkehr in die alte Heimat sportlich kein Zuckerschlecken werde. Auch er ist überzeugt, dass die Ochsenfurter Staffel deutlich mehr Klasse zu bieten habe als ihr Kitzinger Pendant. „Wir wussten, dass es eine schwierige Saison wird“, sagt er, „hätten aber nicht unbedingt damit gerechnet, dass wir ganz hinten reinrutschen.“ Ganz so übel hätte es nach Hofmanns Ansicht aber gar nicht kommen müssen.

Insbesondere die Heimniederlage gegen die Reserve des FC Eibelstadt bereitet dem Sportleiter noch Magenschmerzen. Bis zur 80. Minute hatten die Seinen mit 3:1 geführt – und sich in der Schlussphase durch drei Gegentreffer noch den Sieg nehmen lassen. „Ganz bitter“ sei das gewesen, so Hofmann über die Niederlage, die sichtlich ihre Spuren hinterließ. Denn eine Woche später gingen die Gnodstadter beim Gastspiel in Gaubüttelbrunn mit 0:5 unter.

„Gaubüttelbrunn ist zu Hause eine Macht. Wenn man weiß, wie die auf ihrem kleinen, engen Platz Fußball spielen, braucht man unser Ergebnis nicht überzubewerten“, sagt er zwar beschwichtigend. Aber auch er weiß, dass seine Elf zu viele Gegentore bekommt. „Wir müssen hinten stabiler werden“, sagt der Sportleiter über ein Kernproblem. Um dieses zu beheben, sieht er nicht nur die Spieler, die nominell als Verteidiger aufgestellt werden, in der Pflicht, sondern das ganze Team.

Den eigenen Strafraum zur Sperrzone für den Gegner zu erklären wäre noch aus einem anderen Grund von großer Bedeutung für den TSV. Denn ganz hinten, zwischen den Pfosten, herrscht große Leere. „Wir haben ein Torwartproblem“, gibt Hofmann ohne Umschweife zu. In sechs Spielen hüteten diese Saison bereits fünf verschiedene Schlussmänner den Gnodstadter Kasten. Nachdem Stammtorhüter Sebastian Kleinschrot im Sommer seine Laufbahn beendet hat, ist der Verein auf der Suche nach einem verlässlichen Rückhalt. Bislang ohne Erfolg. „Wenn sich jemand bei uns meldet, hätten wir nichts dagegen“, schreibt der Sportleiter die Stelle zwischen den Gnodstädter Pfosten offiziell aus.

Der Funktionär hofft, dass er mit der Position des Trainers nicht schon bald ähnlich verfahren müsse. Denn Coach Jürgen Mayer fällt schon seit einigen Wochen krankheitsbedingt aus. Seither leitet Kapitän Christoph Nagel das Training, bei den Spielen wird er im Coaching unterstützt von Sebastian Näck, der wegen Adduktorenproblemen derzeit als Spieler pausieren muss. Mayer, so versichert Hofmann, nehme die Situation selbst am meisten mit.

Was Einstellung, Willen und Einsatz anbelangt, könne er der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sagt Hofmann. Er wünsche sich endlich wieder mal ein Erfolgserlebnis für sie. An diesem Wochenende ist der TSV spielfrei, aber in der nächsten Woche steht am Tag der Deutschen Einheit die Begegnung mit Gaukönigshofens Zweitvertretung an, die ebenfalls erst drei Punkte auf dem Konto hat. Aus Gnodstädter Sicht wäre es ein günstiger Zeitpunkt, eine Trendwende einzuleiten.