Die Luftgewehrschützen der SG Marktsteft erkämpften sich im Finale der Saison 2014/15 den zweiten Platz in der Unterfrankenliga – und verdienten sich nicht nur die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zur Bayernliga Nordwest. Durch die Aufstockung der Bundesligen rückten die Besten der Bayernliga, Petersaurach und Titting, in die zweite Liga nach, und so wurden in der Bayernliga zwei zusätzliche Plätze frei. Die Marktstefter gingen guten Glaubens davon aus, direkt aufzusteigen. Doch den Glauben an Fairplay und die Sportgerichtsbarkeit im Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) haben sie längst verloren: Nach zwei Sportgerichtsurteilen finden sie sich auch nächste Saison in der Unterfrankenliga wieder.

Es gab verwirrende Entwicklungen in diesem Fall – und am Ende steht die Tatsache, dass Marktsteft in beiden Instanzen Recht bekam und dennoch der Verlierer war. Im März staunten die Marktstefter, als ihnen die Einladung zum Aufstiegskampf ins Haus flatterte, der für den April in Neumarkt terminiert war. Das wollte die Mannschaft um ihren Schützenmeister Achim Krämer so nicht hinnehmen. Denn die geltende Ligaausschreibung in Regel sechs sah vor, dass in der Bayernliga die Teams auf den Plätzen sieben und acht direkt absteigen.

Nachdem Gerüchte kursiert waren, dass dem nicht so sei, habe sich Landessportleiter Gerhard Furnier (Adelsried) veranlasst gesehen, im November 2014 auf der BSSB-Homepage und in der Verbandszeitung als amtlichem Organ zu unterstreichen, dass am Fakt dieser Abstiegsregelung nicht gerüttelt werde. Die unterfränkischen Klubs BSG Schweinfurt und SG Marktsteft legten im April Einspruch dagegen ein, plötzlich Aufstiegswettkämpfe bestreiten zu müssen. Sie beriefen sich dabei auf die Ligaordnung, Regel sechs der Ligaausschreibung und die Klarstellung des Landessportleiters.

Jetzt wurde offenbar, dass die Gerüchte aus dem Vorjahr nicht aus der Luft gegriffen waren. Wie bekannt wurde, hatte der Würzburger Karl-Heinz Gegner in seiner Funktion als Bayernliga-Spielleiter bei einer Zusammenkunft mit den Mannschaftsführern der Bayernliga Nordwest erklärt, dass keiner – damit einzig in den landesweit vier Bayernligen – direkt absteigen müsse. Nach Darstellung der Marktstefter gab es darüber kein Protokoll und die Beteiligten hatten keine Befugnis zu einem solchen Beschluss. Dagegen erklärte Karl-Heinz Gegner gegenüber dieser Zeitung, dass besagte Zusammenkunft schon im Mai 2014 stattgefunden habe und er ein Protokoll an alle Bezirkssportleiter weitergeleitet habe.

Das erstinstanzliche Kampfgericht unter Vorsitz des oberfränkischen Bezirkssportleiters Harald Goch gab dem Protest der Schweinfurter und Marktstefter statt, da die Aufstiegsregelungen nach den Grundsätzen der Ligaordnung und Ligaausschreibung zu erfolgen hätten. Die Änderung durch einen Ligaleiter sei nicht zulässig. „Ich gebe diesen Fehler zu, wir sind alles Menschen, die Fehler machen“, sagte Karl-Heinz Gegner auf Nachfrage der Redaktion. Er gab aber zu bedenken, dass ihm das Missgeschick nur passiert sei, weil vergangenes Jahr die Liga-Ordnungen geändert wurden und derlei Beschlüsse eines Ligaleiters nicht mehr zulässig waren – was zuvor der Fall war. Diese Änderung war dem Würzburger Funktionär nach eigenen Angaben nicht bewusst, was zu dem Lapsus geführt habe.

Gegen dieses Urteil legten wiederum der SV Burglauer (Rhön-Grabfeld) und die SG Hausen (Main-Spessart) als die beiden Letzten der Bayernliga Einspruch ein. Landessportleiter Furnier setzte auf ein Schlichtungsgespräch in Kleinlangheim. Er unterbreitete den Schlichtungsvorschlag, dass die vier genannten Vereine zusammen mit den beiden Erstplatzierten aus der Mittelfrankenliga in einer Aufstiegsrelegation um die vier Bayernligaplätze kämpfen sollten. Diesen Vorschlag lehnten die Vertreter Burglauers kategorisch ab, während die Hausener damit einverstanden gewesen wären und ihren Einspruch zurückzogen.

Damit war die zweite Instanz der Schützen-Sportgerichtsbarkeit gefordert, die unter Vorsitz Gerhard Furniers tagte und den Einspruch Burglauers abwies. Trotz der Abweisung des Einspruchs und der Bestätigung der Entscheidungsgründe aus erster Instanz gestand das letztinstanzliche Gremium den Lauertalern im Urteil zu, „von der Schlichtung Gebrauch zu machen und am Aufstiegskampf teilzunehmen“. Wer es sportlich schaffen würde, bleibe in der Bayernliga, die anderen müssten absteigen. „Wir haben Recht bekommen, doch das Urteil ist ein Widerspruch in sich“, sagt Marktstefts Mannschaftsführer Werner Vehe über das auf dem Sportgerichtsweg nicht anfechtbare Urteil.

Auf Nachfrage teilt Gerhard Furnier mit, dass die sportliche Komponente bei den Sportschützen und ihrer Sportgerichtsbarkeit im Mittelpunkt stehe. Deswegen sei das Urteil so ausgefallen, dass alle nochmals die Chance bekamen, die Sache sportlich zu entscheiden. Und Bayernliga-Spielleiter Karl-Heinz Gegner sagt: „Ich musste den Aufstiegswettkampf bis in den Mai verschieben, damit es nach dem zweiten Urteil eine saubere Lösung geben konnte.“ Tatsächlich ging der Aufstiegswettkampf am 3. Mai in Neumarkt über die Bühne. Die beiden mittelfränkischen Vereine SV Mitteleschenbach und SV Hohenstadt sowie die SG Hausen und die BSG Schweinfurt erkämpften sich die Bayernligaplätze, während die Sportgerichtsgegner Marktsteft und Burglauer leer ausgingen.

„Das ganze Hin und Her geht nicht spurlos an einer Mannschaft vorbei“, beschreibt Werner Vehe die mental schwierige Lage, in der seine Mannschaft steckte. Jetzt fühlen sich die Marktstefter doppelt bestraft: Sie sind erstens kein Bayernligist – und zweitens „sehen sie uns in Burglauer als die bösen Buben“, wie Achim Krämer vermutet.