Als Velibor Teofilovic im Sommer 2003 nach Abtswind kam, spielte die erste Mannschaft des Vereins in der Kreisliga. Heute, fast zehn Jahre später, besetzt der einstige Angreifer des FC Schweinfurt 05 nach wie vor eine Schlüsselposition in der Fußballabteilung im Kräuterdorf. Er ist für die Reserve verantwortlich, die inzwischen den Platz in der Kreisliga einnimmt, während die erste Garde seit dieser Saison in Landesliga-Sphären schwebt.

Der 850 Einwohner zählende Ort ist für den Bosnier, der 1996 während des Balkankriegs nach Deutschland kam, zu einer Art Heimat geworden. Er verdient seine Brötchen in der Fir-ma des Klubmäzens Christoph Mix, der ihn damals gemeinsam mit Dirk Dorbath nach Abtswind gelotst hat. Dort lebt er, dort fühlt er sich wohl. „Kinder und Familie sind zufrieden, das ist wichtig“, sagt er, der Familienmensch, der seine Prioritäten in der Rangfolge „Familie, Arbeit und dann Fußball“ nennt.

Im Abtswinder Fußball hat sich seither manches verändert, vieles ist professioneller geworden, hat Teofilovic festgestellt. „Der TSV ist schon noch ein Dorfverein“, sagt der 41-Jährige, „aber wenn man sieht, wie hier alles funktioniert, ist das schon enorm.“ Der Verein habe aus Fehlern in den vergangenen Jahren gelernt.

Die erste Mannschaft tritt – erfolgreich – in der Landesliga gegen den Ball, die Reserve ist in der Spitze der Kreisliga angelangt und bestreitet an diesem Sonntag (14 Uhr) das Spitzenspiel gegen den FC Geesdorf, das für beide Kontrahenten ein Fingerzeig in Richtung Bezirksliga werden könnte. „Das wird nicht einfach, Geesdorf ist eine richtig gute Mannschaft geworden, die sich auch taktisch entwickelt hat“, spricht der Bosnier mit einigem Respekt vom ambitionierten Nachbarn. In den beiden Vergleichen der vergangenen Saison holten die Abtswinder jeweils bloß ein Unentschieden. Man kennt sich gut, und so will sich Teofilovic „für den Sonntag was einfallen lassen“.

Als Trainer der früher ungeliebten Reserve profitiert er vom Umdenken in Abtswind, der seinen Spielerkader viel breiter aufgestellt hat. Der Klub will sich auch mit der zweiten Garde profilieren, sie auf ein gutes sportliches Niveau bringen. Deshalb ist seit dieser Saison vieles anders bei der Reserve. Das Training laufe gemeinsam mit der Landesliga-Mannschaft von Jochen Seuling. Das macht sich laut Teofilovic nicht nur konditionell bemerkbar.

So bewegt sich sein Team vom ungeliebten Anhängsel zum begehrten Sprungbrett nach oben. In Herlheim standen zuletzt 17 Spieler im Aufgebot der Reserve, so dass Teofilovic gar nicht alle einsetzen konnte. Derartige Verhältnisse habe er vorher nicht gekannt. „Es war ein langer Weg, dass wir so weit gekommen sind“, sagt der Trainer erfreut. Zudem sehe sich Jochen Seuling öfters die Spiele der Reservisten an, was diese zusätzlich ansporne. Überhaupt ist der Draht zwischen den beiden Verantwortlichen gut. „Unsere Zusammenarbeit passt. Ich bin bei jedem Training und helfe Jochen. Dabei kann ich viel lernen“, sagt der Ex-Profi über seinen Kollegen.

Ohne zu trainieren, werde auch bei der Reserve kaum mehr einer aufgestellt. Sechs, sieben Spieler hält sich Teofilovic als Stamm für seine junge Auswahl. Das sind meist Talente, die zwischen Erster und Zweiter stehen, wie Patrick Hock (7 Tore), Nino Bozesan (4), Christian Eberhardt (8) oder Michael Herrmann. Dazu stoßen jedes Mal weitere Reservisten aus dem überragend besetzten Landesliga-Kader.

So ganz ohne Routiniers wie Dirk Dorbath (41 Jahre) oder Tobias Fink (30) funktioniert es bei „Teos“ Reserve aber noch nicht. Selber auflaufen muss der einstige Zweitliga-Angreifer angesichts des üppigen Kaders nicht. Seine Rolle definiert Teofilovic ohnehin „jetzt mehr als Trainer, das reizt mich. Da kann ich viel lernen.“ Zudem gibt er gerne seine Erfahrung an die Talente weiter und Tipps, was sie an sich verbessern können. Den TSV Abtswind mit seinen insgesamt drei Mannschaften sieht Teofilovic längst nicht am Ende der sportlichen Entwicklung.

Für die erste sei die Bayernliga keineswegs Utopie, bei der zweiten wäre die Bezirksliga „ein Wunsch des Vereins, aber das ist nicht so leicht.“ Zumal in dieser Runde die Reserve von Teofilovics früherem Verein, dem FC Schweinfurt 05, ganz vorne wegmarschiert. „Die müssen aufsteigen, das will der Verein. Sie sind für die anderen eigentlich zu stark, aber wir wer-den bis zum Schluss kämpfen.“ Das sieht der FC Geesdorf ähnlich, der bei der Vergabe der ersten beiden Plätze noch ein gewichtiges Wort mitreden möchte.