Es ist eine Art Ritual für Pascal Kamolz. Immer wenn für den Torjäger des TSV Abtswind ein Spiel ansteht, klingelt einige Stunden vor der Partie das Telefon. Am anderen Ende ist meist Vater Christian, der mit dem Junior über den Fußball und das anstehende Spiel philosophiert. „Meist wünscht mir dann meine Mutter noch viel Glück und ein Tor“, verrät der Torjäger.

Der 28-jährige Angreifer, der noch im Vorjahr 22 Tore für den Würzburger FV in der Bayernliga erzielte, erwies sich für Abtswind als Volltreffer. Kamolz' Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten, seine Erfahrung, der Einsatz für die Mannschaft und seine Art haben ihn schnell zu einem Schlüsselspieler für den ambitionierten Dorfklub gemacht, der in die Bayernliga will. Diesen Sprung traut Kamolz seinem neuen Klub zu. „Das ist auf jeden Fall machbar! Wir haben eine junge und motivierte Mannschaft, die auch den Willen hat. Mit zwei, drei Verstärkungen können wir eine Klasse höher mithalten“, meint er.

Der Wechsel des Torjägers aus der Stadt in die Provinz kam vergangenen Sommer überraschend zustande. „Christoph Mix hat mir die Möglichkeit gegeben, hier beruflich Fuß zu fassen“, nennt er den Hauptgrund. In der Logistik des Kräuterunternehmens ist Kamolz tätig, in bester Gesellschaft mit anderen einstigen Fußball-Größen wie Isad Plakalo oder Velibor Teofilovic. Bereut hat er den Tapetenwechsel ins beschaulichere Abtswind nicht, auch wenn es eine Umstellung gewesen sei. „Es ist viel familiärer, freundschaftlicher. Das Drumherum passt. Was hier ehrenamtlich geleistet wird, ist enorm. Wenn man sich wohl fühlt, schießt man auch Tore“, erklärt er.

Dem Fußball konnte Pascal Kamolz von Kindesbeinen auf eigentlich gar nicht entkommen. „Einen Ball hatte ich immer dabei. Vieles habe ich meinem Opa zu verdanken. Er ist immer mit mir auf den Bolzplatz gegangen, wenn es möglich war. Auch als ich beim ETSV Würzburg anfing“, erzählt er von früher.

Das Talent vererbte sich weiter, von klein auf schoss Pascal seine Tore. Die großen Würzburger Vereine wurden auf ihn aufmerksam, später der FC Schweinfurt 05. Nur der Sprung in den Profibereich klappte nicht, wie bei einstigen Mitspielern in der Auswahl, Stephan Schröck oder Ivo Illicevic. „Ich habe mir oft gedacht, Mensch, so weit könntest du jetzt auch sein. Aber in Würzburg ist es schwierig, in den Profibereich zu kommen. Ich kenne keinen, der es in letzter Zeit so richtig geschafft hat“, sagt Kamolz.

Ein Jahr verzichtete er übrigens komplett auf Fußball. „Das war, als ich mit 19 zur Bundeswehr kam. Ich stand damals beim WFV auf dem Sprung von der Jugend in die Erste, aber mir waren Freunde wichtiger.“ Zehn Kilo nahm Kamolz in der Zeit zu, ehe er wieder zum Fußball zurück kam. Gut findet er die Bestrebungen, Würzburgs Fußball in den Profibereich zu bringen. „Das Beste wäre, sie würden einen Verein gründen. Dann hätten sie auch die Zuschauer“, sagt er, der schon für Blau und Rot kickte.

Für Kamolz zählt jetzt die Partie gegen Viktoria Kahl. Optimistisch ist er, denn zuletzt habe der eine oder andere seine zu Beginn des Jahres gezeigte, etwas laxe Einstellung geändert.