Ein kurzes Sprintduell im Bamberger Strafraum, ein Pfiff - und viele überraschte Gesichter. Für Schiedsrichter Mignon ist der Fall klar: Er gibt am Samstag in der 65. Minute Elfmeter, nachdem Carmine de Biasi im Zweikampf mit Timo Strohmer zu Boden gegangen  ist. Einen minimalen Kontakt mag es gegeben haben, aber reicht das für einen Elfmeter? Die Bamberger reagieren entsetzt. Der Treffer, den Adrian Dußler mit einem halbhohen Schuss ins rechte Eck erzielt, entscheidet letztlich diese Bayernliga-Partie im Fuchsparkstadion. Es ist erst die zweite Heimniederlage in dieser Saison für den Aufsteiger aus Oberfranken. Das macht diesen 1:0-Sieg für die Abtswinder noch ein Stück wertvoller.

Mit der Form- und Leistungskurve seiner Mannschaft kann Trainer Claudiu Bozesan zufrieden sein. Dem 2:1 im ersten Pflichtspiel nach der Corona-Pause gegen Ammerthal folgte ein 7:2 im Liga-Pokalwettbewerb gegen Viktoria Kahl und nun ein 1:0 in Bamberg. So trefflich wie eine Woche zuvor erwiesen sich die Abtswinder am Samstag zwar nicht. Aber die Oberfranken waren halt auch von anderem Kaliber als der zuletzt arg schwächelnde Landesliga-Aufsteiger vom Untermain.

Schon in den ersten Minuten konnte man gut beobachten, wie sich die erfolgreichen Auftritte auf das Selbstverständnis der Abtswinder ausgewirkt hatten. Erfrischend offensiv gingen sie die Herausforderung bei dem so heimstarken Aufsteiger an. Kein Versteckspiel, kein Sicherheitsfußball. Die Viererkette stand sehr hoch und erwartete die Bamberger weit vor dem eigenen Tor. Nach 17 Minuten musste Frank Hartlehnert verletzt vom Platz, Di Biasi kam - und hatte sechs Minuten später die beste Abtswinder Chance dieser an Chancen raren ersten Hälfte. Von Endres zielgenau in die Tiefe des Raumes geschickt, lief er allein auf Torwart Dellermann zu, doch der wehrte den Ball geschickt mit der Brust ab.

Abtswind blieb spielerisch einen Tick besser, war eine Spur ballsicherer und hatte den Gegner gut im Griff - bis auf eine Szene nach 35 Minuten. Da tauchte plötzlich Jakob Tranziska allein vor Reusch auf, und diesmal parierte der Abtswinder Torwart glänzend. Den Oberfranken fiel in dieser ersten Hälfte wenig ein, um die Verteidigung der Gäste auszuhebeln. Dies gelang ihnen dann zu Beginn der zweiten Hälfte. In ihrer stürmischsten Phase, als sie jeweils von den Rändern die Gäste-Abwehr aufrissen, scheiterten sie binnen drei Minuten gleich zweimal in aussichtsreicher Position. Einmal lenkte Reusch den Ball noch um den Pfosten, einmal klärte Fabio Groß für den schon geschlagenen Torwart auf der Linie.

„Den Start in die zweite Halbzeit haben wir verschlafen, aber danach waren wir wieder im Spiel“, sagte Trainer Bozesan. Tatsächlich hatten die derart aufgeschreckten Abtswinder fortan wieder alles unter Kontrolle. Zu oft versuchten es die Bamberger durch die Mitte, wo die starken Innenverteidiger Adrian Graf und Nicolas Wirsching alles abräumten. Kurz nach der Führung hätte Max Wolf nach Zuspiel von Di Biasi erhöhen können, doch sein abgefälschter Schuss flog schoss übers Ziel hinaus. Bamberg öffnete sein Spiel nun immer mehr, riskierte viel, der Ertrag blieb gleichwohl bescheiden. Routiniert und ruhig brachten die Abtswinder den Vorsprung über die Zeit.

Zu Recht freute sich Claudiu Bozesan über eine taktisch disziplinierte Leistung seiner Elf. "Sehr stolz" sei er auf das Team, sagte er nach dem Spiel. Immer klarer wird, dass der zu Jahresanfang gekommene Coach die lange Corona-Pause genutzt hat, um nach zuvor zwei Trainerwechseln wieder Struktur und Selbstbewusstsein in die Mannschaft zu bringen und sie auf das Ziel Klassenverbleib einzuschwören. 

Abtswind: Reusch - Groß, Wirsching, Graf, Wolf - Hartleb, Dußler - Riedel (87. Ruft), Jürgen Endres (87. Offner), Hartlehnert (17. De Biasi) - Jacobovici (69. Daniel Endres). Schiedsrichter: Mignon (Loderhof/Sulzbach). Zuschauer: 350. Gelb-Rot: Popp (Bamberg, 85., wiederholtes Foulspiel). Tor: 0:1 Adrian Dußler (67., Foulelfmeter).