Drei bedeutende Titel im Laufe einer Saison zu gewinnen, das haben sich bisher nur ganz große Mannschaften zum Ziel gesteckt. Und häufig sind sie an diesem Vorhaben gescheitert. Bis vor wenigen Monaten gehörte der SV Sickershausen nicht zu den Vereinen, die beständig Siege verzeichnen. Gering war deshalb das Selbstbewusstsein, die Erfolglosigkeit in dieser Spielzeit beenden zu können. „Die ganze Liga hat uns im Vorfeld zum Favoriten erklärt“, sagt Sickershausens Trainer Thomas Beer in der Rückschau auf die abgelaufene Runde: „Das hat mir nicht gefallen.“ Doch die Rolle der Titelanwärter schadete den Sickershäusern keinesfalls. Sie errangen Triumphe auf allen Ebenen, wurden Meister in der Punktspielrunde der A-Klasse, Sieger im Kitzinger Hallenwettbewerb und Gewinner des Stadtpokals. Mehr als das Triple war nicht möglich.

Nach dem letzten Spiel genoss das Team zwei Wochen lang seinen meisterlichen Erfolg, der im Aufstieg in die Kreisklasse gipfelte. Dorthin hatte es den Klub letztmals vor acht Jahren verschlagen. Die Sickershäuser trafen sich zum gemeinsamen Frühstück, zu Grillabenden und zu Geburtstagsfeiern. Mancher übernachtete anschließend statt im eigenen Bett lieber auf einer Matratze im Sportheim. „Bei uns war in letzter Zeit ständig etwas los“, sagt Thomas Beer: „Der Teamgeist ist phänomenal.“ Der Zusammenhalt war einer der Faktoren, von denen Sickershausen profitierte; die Konstanz auf allen Positionen eine andere entscheidende Tatsache. Sickershausen siegte am Ende neunmal in Serie, eroberte am vorletzten Spieltag die Tabellenspitze und gab sie nicht mehr her. Die Verfolger Effeldorf, Sulzfeld und Dettelbach zeigten zwischenzeitlich immer wieder Schwächen.

Beer, der vorigen Sommer nach vielen Jahren zu einem Heimatverein zurückgekehrt war, hatte seine Mannschaft zu Beginn neu eingestellt: Der Ball sollte schneller rollen; die Spieler waren angewiesen, seltener Einzelaktionen zu wagen und ein ausgewogenes Verhältnis aus lang und kurz gespielten Bällen zu finden. Vieles funktionierte schneller als von Beer erwartet. In der Hinrunde steigerte sich so die Attraktivität im Auftreten. Mit steigendem Erfolgsdruck nach der Winterpause ging die Leichtigkeit des Seins verloren. Zu Wiederbeginn setzte es Niederlagen gegen Sulzfeld und Mainbernheim. „Danach“, sagt Beer, „schien für viele Spieler die Saison bereits gelaufen.“ Doch das Gegenteil trat ein: Anschließend stimmten wenigstens die Resultate wieder. Zwei Jünglinge trugen beträchtlich dazu bei: Die Eigengewächse Felix Rahmann und Timo Held, 19 und 20 Jahre alt, belebten mit forschen Antritten und feiner Ballbehandlung das offensive Mittelfeld.

Doch ihre Leistungen erregten das Begehren anderer Klubs: Rahmann wechselt in der neuen Runde zum TSV Sulzfeld, Held zum SSV Kitzingen. „Wir haben es versucht, dass sie bleiben“, erklärt Beer: „Doch beide wollen schon jetzt höherklassig Erfahrung sammeln.“ Sickershausens Qualitätsverlust wiegt deshalb schwer. „In der Kreisklasse werden wir gegen den Abstieg spielen“, glaubt der Trainer. In zwei Disziplinen wird sich die Mannschaft steigern müssen: Ihre Handlungsschnelligkeit muss sich erhöhen, die Zweikampfmethodik robuster werden. Als Neuzugänge haben sich Philipp Dappert (SG Buchbrunn/Mainstockheim), Michael Wirth (TSV Hohenfeld) sowie drei Akteure aus der eigenen Juniorenabteilung angekündigt. Mit bald 41 Jahren ist Thomas Beer längst der Älteste im Aufgebot. Bei Bedarf war er bis zuletzt auf dem Feld gewesen. Sechzehn Einsätze standen am Ende für ihn zu Buche, vier von Beginn an. „Wenn ich selbst mitmische, spüre ich durchaus mein Alter“, sagt der Sickershäuser, der inzwischen in Wiesenbronn sesshaft geworden ist: „Doch an der Seitenlinie sind Fehler, die auf dem Platz geschehen, schwer zu ertragen.“ Den kompletten Abgang vom Rasen wird er daher wohl auch in der kommenden Saison nicht endgültig schaffen.

Nach drei Spielzeiten in Diensten des SV Wiesenbronn hatte Beer voriges Jahr eine neue Herausforderung benötigt. Dass der Klub, bei dem er einst anfing, gerade einen Trainer suchte, hatte seinen Reiz. „Irgendwann“, erinnert sich Beer, „wollte ich meinen Heimatverein trainieren.“ Doch der Einstieg hatte zwei Seiten: Beer musste sich zwar nicht eingewöhnen. Er kannte Spieler, Vorstand, Sportleiter. Doch gleichzeitig wuchs die Erwartung. „Den größten Druck habe ich mir selbst gemacht“, sagt Beer. Die Erfolglosigkeit des Vereins sollte sich nicht fortsetzen.