Stürmer werden an Toren gemessen, und deshalb nimmt es Daniel Endres ganz genau. 24 Treffer sind für ihn offiziell verzeichnet, aber in Wahrheit, so beharrt der Angreifer der FG Marktbreit/Martinsheim, seien es schon 25. Beim 6:1-Sieg Anfang April im Aschaffenburger Vorort Leider (welch Ironie des Schicksals!) habe der Schiedsrichter den Treffer zum 0:2 Spielertrainer Tobias Jäger zugerechnet. Der Ball flog nach einer Ecke hoch in den Strafraum, Endres hielt den Schädel hin. „Das war ganz klar mein Tor“, sagt der 21-Jährige. Da ist der junge Enheimer penibel. Immerhin hat er mit diesem 25. Erfolg sein persönliches Ziel für diese Runde bereits erreicht. „Alles was jetzt kommt, ist Zugabe.“

Der Satz könnte ganz allgemein für die Situation bei den Fußballern aus Marktbreit und Martinsheim stehen. Noch nie seit dem Zusammenschluss der beiden Vereine im Mai 2006 und dem gemeinsamen Aufstieg vor drei Jahren hat die Mannschaft sich in der Bezirksliga derart komfortabel eingerichtet wie in dieser Runde. Von neun Spielen seit Anfang März hat sie sechs gewonnen und nur zwei (jeweils 0:1) verloren.

Es war das genaue Kontrastprogramm zu den ersten Wochen der Saison, als Marktbreit in acht Spielen sechs zum Teil herbe Niederlagen bezog und eine Enttäuschung nach der nächsten erlebte. „Achtzig Prozent“, sagt Endres, „reichen eben nicht, um Erfolg zu haben.“ An diese deprimierende Zeit verschwendet heute keiner mehr einen Gedanken. Spielertrainer Jäger und sein Team genießen lieber den Augenblick. 46 Punkte, Platz fünf in der Tabelle, aller Abstiegssorgen ledig – ein Anblick, der zum Träumen einlädt.

„Ich habe erst letzten Sonntag gedacht: Hätten wir aus den ersten vier Saisonspielen bloß sieben Punkte geholt . . .“, sagt Daniel Endres. Er lässt den Satz unvollendet und stellt dann vorsichtshalber klar: „Natürlich ist es nicht unser Anspruch in Marktbreit, dass wir um den Aufstieg spielen.“ So vermessen wollen sie nicht sein, auch wenn Endres durchaus das Potenzial dafür im Verein sieht. Die FG schöpft seit Jahren aus einem erfrischenden Jungbrunnen. „Man merkt, dass junge Spieler nachrücken, die richtig gut sind“, sagt Endres. Auch bei ihm ist es gerade mal vier Jahre her, dass er aus dem wohltemperierten Nachwuchsbecken des Klubs ins kalte Wasser der Aktiven gesprungen ist. Er schüttelte sich kurz und erzielte gleich in seiner Premierensaison vierzehn Tore – eine Verheißung, dass mit ihm zu rechnen sein wird.

Der neue Stürmer gewann rasch an Farbe und Format und er steigerte sei-ne Erfolgsquote von Saison zu Saison. Aber als gelernte Logistikfachkraft ist ihm natürlich klar, dass alles eine Frage der optimalen Versorgung ist und er nur glänzen kann, wenn die anderen Kärrnerarbeit für ihn leisten. Im Marktbreiter System mit Viererkette, zwei Sechsern und einem kompakten Mittelfeld mit zwei hängenden Spitzen ist Daniel Endres als Stoßstürmer der zentrale Fixpunkt in der Offensive. Dort fühlt er sich wohl, dort ist er auch nach eigener Einschätzung „am effektivsten“.

Dass Endres sich so brillant entwickelt hat, ist für Marktbreit nun aber auch ein Problem. Der Enheimer, der gerade eine Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt macht, hat als zweitbester Torschütze der Klasse das Interesse anderer Klubs geweckt. Vor ein paar Monaten hat sich Teammanager Jan Hinrichs vom Landesligisten Bayern Kitzingen bei ihm gemeldet und ihm ein verlockendes Angebot unterbreitet. „Ich bin jung, verletzungsfrei und habe die Chance, den nächsten Schritt zu machen“, sagt Endres über die willkommene Perspektive. Nach vier Jahren wird er Marktbreit in diesem Sommer verlassen; leicht ist ihm das angeblich nicht gefallen. Er weiß, dass er seinem Heimatverein einiges zu verdanken hat. „Ich bin dort groß geworden und habe meine Chancen bekommen.“

In Kitzingen wird für Endres eine neue Zeitrechnung beginnen. Seine ganzen Tore sind eine gute Referenz, mehr nicht. Eine neue Zielmarke will er sich nicht setzen, dafür ist die Landesliga eine zu große Adresse für ihn. Aber eines ist sicher: „Ich werde mich immer ärgern, wenn ich kein Tor mache.“ Er wird schließlich an Toren gemessen.