Er freut sich über Rang zwei in der Bergrenn-Wertung der Tourenwagen, den er bei seinem Heimrennen in Eichenbühl, dem vorletzten der Saison, erreichte. Dass er überhaupt Wertungsläufe bestreiten durfte, um seine Führung in der Deutschen Bergrenn-Meisterschaft zu verteidigen, verdankt der Buchbrunner Klaus Hoffmann seinem Team, das eine Nachtschicht einlegen musste.
Wertungslauf eins gewann Hoffmann mit vier Hundertstelsekunden vor Lokalmatador Norbert Brenner. Im zweiten Durchgang musste er seinen Kontrahenten um eine Zehntelsekunde ziehen lassen und ihm den Gesamtsieg überlassen. Hoffmanns ärgster Verfolger im Titelrennen, Herbert Stolz, fuhr jeweils mit einigem Abstand als Dritter über die Ziellinie. Ein weiterer Vergleich kam nicht zustande, da nach einem schweren Unfall in einer anderen Klasse das Rennen abgebrochen werden musste.

Dreher im Training


Nach einem Dreher im ersten Samstagstraining musste Hoffmanns Team bis weit in die Nacht arbeiten, um den Opel Astra V8 DTM wieder flott zu bekommen. Bis gegen 2 Uhr morgens schraubten Reinhold Reich, Reinhard Paal, Günther Rehm und Hoffmanns Söhne Joshua und Pierre am malträtierten Boliden. Gleich beim ersten Trainingslauf experimentierte der Buchbrunner mit neuen Reifen, was gründlich misslang. "Um mehr Zeit herauszuholen, probierten wir es wie meine Konkurrenten Norbert Brenner (Eichenbühl) und Herbert Stolz (Österreich) mit neuen Reifen", so Hoffmann. Schon im ersten Drittel der Strecke habe er gemerkt, dass es schlecht lief: "Ich brachte die Reifen einfach nicht auf Temperatur." Dann erwischte es Hoffmann mit einem Dreher in die Leitplanke: "Das hat ganz schön gescheppert", sagt der Buchbrunner, der vor den zwei letzten Saisonläufen mit 226 Punkten das Klassement der Deutschen Bergrenn-Wertung der Tourenwagen anführte. Dicht dahinter Herbert Stolz in seinem Porsche (220) und mit etwas Abstand Norbert Brenner (194,5, Opel Vectra V8 DTM), der Lokalmatador.

Angespannte Stimmung


Gerade die Aerodynamik seines Astra sei durch den Crash arg in Mitleidenschaft gezogen worden, sagt der Rennfahrer. Die Mannschaft habe den Wagen zerlegt, er selbst Ersatzteile aus Kitzingen geholt, ehe er sich gegen 1 Uhr nachts ins Bett legte.
Angespannt sei die Stimmung Sonntagfrüh vor dem ersten Wertungslauf gewesen, so Hoffmann. Dass er dort überhaupt starten durfte, verdankt er dem Rennleiter - normalerweise sind zwei Trainingsläufe vorgeschrieben. "Der hat gewusst, dass ich die Strecke kenne", begründet der Buchbrunner.
"Bleibt ruhig, wir fahren von Lauf zu Lauf", gab Hoffmann die Devise aus, "auch wenn wir nach nur einem halben Trainingslauf nicht wussten, wo wir stehen". Für sich beschloss er, beim ersten Lauf auf der sehr schnellen 3050 Meter langen Strecke nicht so viel zu riskieren. Allerdings habe er schon überlegt, an seine Grenzen zu gehen.
"Es lief wunderbar, kein Fehler und ein anständiger Fluss." Seine Zeit indes wusste er nicht. 1:17,9 Minuten standen auf der Tafel. "Aber ob es nun meine oder Brenners Zeit war, der vor mir startete, wusste selbst mein Konkurrent nicht, da bei dessen Zieleinlauf die Tafel verdeckt war." Nur, dass sein ärgster Verfolger Stolz eine tiefe 1:18er-Zeit erzielt hatte, konnte Hoffmann eruieren. Erst bei der Rückfahrt zum Start rief ihm ein Fotograf zu: "Du bist Erster". Um vier Hundertstel-Sekunden distanzierte er Brenner, um eine Sekunde Stolz. "Die vollen Punkte, da war die Euphorie groß". Vor dem zweiten Lauf musste nochmal Hand an den Wagen gelegt werden, da sich ein Befestigungspunkt gelöst hatte. Auch in seiner Rennanalyse fand der 49-Jährige noch zwei Kritikpunkte. "Ich bin ruhig geblieben, obwohl ich damit rechnen musste, dass Brenner zurückschlägt. Zumindest habe ich ihn ja im ersten Wertungslauf auf seinem Hausberg besiegt." Sein Plan ging auf: "Ich wollte eine saubere Linie fahren. Und es hat alles gepasst, ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, trotz der großen Hitze." Nochmals eine halbe Sekunde schneller, mit 1:17,4 Minuten kam er ins Ziel. Da juckt es ihn wenig, dass Brenner noch eine Zehntelsekunde schneller war. "Schließlich lag Stolz erneut hinter mir."
Mit 243 Punkten geht Hoffmann vor Brenner (221,5) und Stolz (220) ins Finalrennen nach Mickhausen. Erst einmal wird jetzt eine Woche entspannt - auf der sonnigen Insel Ibiza, von dort übermittelte er bereits Montagnachmittag seine Renneindrücke.