Das zweite Jahr in einer neuen Spielklasse ist für einen Aufsteiger das schwerste – so sagt der Fußball-Volksmund. Beim SV Sickershausen scheint sich diese alte Weisheit gerade zu bestätigen. Zwar war der Klub aus dem Kitzinger Stadtteil mit zwei Siegen aus den ersten drei Spielen gut in die Saison in der Würzburger Kreisliga 1 gekommen, zuletzt aber verlor er etwas an Schwung und erwischte in fünf Partien nur noch einen Zähler.

Von verflogener Aufstiegseuphorie oder grauem Liga-Alltag will Sickershausens Coach Albert Fischer jedoch nichts wissen. „Ich denke nicht, dass es ein besonders schwieriges Jahr für uns wird“, sagt der 39-jährige Kitzinger, der sicher ist, dass seine Mannschaft mit dem gleichen Elan wie im Vorjahr zu Werke gehe. Damals hatte sie über die Relegation – zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte – den Einzug in die Kreisliga geschafft und sich dort in der Premierensaison behauptet.

Neuer Trainer, neue Spielidee

Genau das soll auch in der laufenden Runde wieder gelingen. So gesehen ist das aktuelle Tabellenbild, das den SV auf dem Abstiegsrelegationsplatz zeigt, zwar ganz und gar nicht nach Fischers Geschmack. Doch der Trainer, der vergangene Saison noch den VfL Volkach betreute, lässt sich davon auch nicht aus der Ruhe bringen. „Das erste Saisondrittel ist immer mit am Schwierigsten“, sagt der ehemalige Landesliga-Akteur. Neuer Trainer, neue Spieler, neue Spielidee: All das sei Teil eines Anpassungsprozesses, der Zeit in Anspruch nehme. Hinzu kamen auch in Sickershausen wie vielerorts Verletzte und zahlreiche Urlauber.

„Natürlich haben wir uns mehr erwartet“, gibt Fischer zu. Er wolle aber nach vorn blicken. Mittlerweile stünden wieder deutlich mehr Spieler zur Verfügung, was zu einem gesunden Konkurrenzkampf führe. „Die Jungs müssen wieder um ihren Platz in der Stammelf kämpfen“, sagt er, und er hofft auf einen leistungsfördernden Schub. Taktische Vorgaben, die seine Elf, als sie zu Beginn noch besser besetzt war, bereits verinnerlicht hatte, seien zuletzt nicht mehr so schlüssig umgesetzt worden. Was Grundordnung, taktische Disziplin und gegenseitige Absicherung angeht, ist laut Fischer so manches aus den Fugen geraten. „Wir arbeiten daran, dass wir diese Dinge schnellstmöglich wieder in die Köpfe bekommen“, sagt er. Er weiß zumindest, wo der Hebel anzusetzen ist.

Doch ist die Stabilität auf dem Rasen längst nicht die einzige Baustelle, die Fischer und sein Trainer-Kollege Sebastian Otto zu regeln haben. Sorgen bereitet auch die Offensive, die in den Vorjahren stets ein Sickershäuser Prunkstück war. Erst neun Treffer sind Dominik Held, Julian Rahmann und ihren Mitstreitern in dieser Runde gelungen, schwächster Wert in der Liga. Für Fischer ist es ein Stück weit normal, dass das Toreschießen in der Kreisliga nicht mehr so einfach vom Fuß geht wie noch in der Kreisklasse, in der Sickershausen zu den Spitzenmannschaften zählte. Die karge Ausbeute sei auch nicht dem Umstand geschuldet, dass sich die Mannschaft zu wenige Tormöglichkeiten schaffe, sondern dass sie diese zu schlecht verwerte.

Wichtiges Puzzlestück fehlt

Dazu ist in Timo Held ein wichtiges Puzzlestück der Abteilung Attacke herausgebrochen. Der ehemalige Kapitän hat in der vergangenen Saison einen Kreuzbandanriss erlitten und sich daraufhin entschlossen, die Karriere zu beenden. Mit ihm fehlt nicht nur ein Antreiber, sondern auch ein Anführer. „Wir haben lange darüber gesprochen. Als Physiotherapeut hat Timo noch mal einen ganz anderen Blickwinkel auf die Sache. Es geht um seine Gesundheit. Da muss man die Entscheidung respektieren“, sagt Fischer. Er ist froh, dass Held die Kameraden weiterhin abseits des Rasens unterstützt.

Auch an diesem Sonntag, wenn die Sickershäuser zu Hause auf die in der Tabelle direkt hinter ihnen platzierte TSG Estenfeld treffen, kann ein wenig Beistand nicht schaden. Wegen der brisanten Lage in der Tabelle sei diese Partie auf jeden Fall als „Sechs-Punkte-Spiel“ zu sehen, sagt Fischer. „Wir machen uns nicht verrückt und werden hochmotiviert um jeden Ball kämpfen.“