Wäre der TSV Sulzfeld ein Staat und der Trainer ein Regierungschef, man spräche wohl von politisch höchst instabilen Verhältnissen. Seit der Ära Jürgen Walter (1998 bis 2004) hat der Trainer der ersten Sulzfelder Fußballmannschaft im Durchschnitt nur jeweils sechzehn Monate durchgehalten. Am Montagabend ist auch die Amtszeit Martin Langs frühzeitig zu Ende gegangen. Wer ketzerisch ist, könnte feststellen: Auch Lang hielt sich nur kurz. Um genau zu sein: 494 Tage.

Nach der happigen 0:5-Niederlage am Sonntag in Rottendorf hatte sich nicht nur Lang Sorgen um einen Verbleib der Sulzfelder in der Bezirksliga gemacht. „Mit der Einstellung von heute werden wir keinen einzigen Punkt mehr holen“, sagte er. Der schleichende sportliche Verfallsprozess in der Rückrunde kulminierte im bettelarmen Auftritt von Rottendorf. In neun Partien nach der Winterpause hat die Mannschaft nur noch zwei Siege und insgesamt acht Punkte geholt.

Die Spieler, so hieß es am Dienstag in einer vom Verein verbreiteten Pressemitteilung, seien seit Wochen „weit unter ihren Möglichkeiten“ geblieben. Schon beim Lokalderby in Marktbreit vor zwei Wochen verharrten die Sulzfelder zunächst in einer rätselhaften Stagnationsphase. Erst in der zweiten Hälfte fanden sie zu spürbar mehr Leidenschaft – Trainer Lang inklusive, der kurz vor dem Ende den Marktbreiter Christian Volkamer an der Seitenlinie heftig zu Boden stieß.

Spielerische Schwächen, ein Mangel an Qualität – das wäre der Mannschaft zu verzeihen, nicht jedoch das Fehlen von Kampf und Willenskraft. Mit diesen Tugenden ist man großgeworden in Sulzfeld, sie waren die Basis für den sportlichen Aufstieg. Und deshalb haben die Verantwortlichen sich ganz bewusst dafür entschieden, eine Verlustanzeige aufzugeben.„Die Leistungsbereitschaft“, so steht in der Erklärung des Klubs geschrieben, „ist der Mannschaft anscheinend abhandengekommen.“

Die Gründe für den Abschwung sind auch Lang schleierhaft. „Ich war doch nach der Winterpause selbst darauf aus, den Abstand nach vorn zu verkürzen.“ Von Woche zu Woche ging es dann aber eher darum, Distanz nach hinten zu wahren. Sprach Lang mit seinen Schützlingen über die wachsende Kluft von Selbstanspruch und Wirklichkeit, so erhielt er stets das Gefühl, sie seien sich der heiklen Situation bewusst. Vergangenen Sonntag aber fiel auch Lang vom Glauben ab. „In diesem Spiel“, so sagt der 40-Jährige, „fehlte alles, was zum Auftritt einer Fußballmannschaft gehört.“

Von den Spielern schied er am Ende schweigend, doch Abteilungsleiter Bernd Hering bat er für den nächsten Tag um einen Gesprächstermin. Bei dieser Unterredung im Sulzfelder Vereinsheim gab Lang dann – nach einer Nacht Bedenkzeit – seinen Rücktritt bekannt. „Still“ hätten die Spieler auf die Entscheidung reagiert. In den verbleibenden vier Partien bis zum Rundenende will sich Hering gemeinsam mit Thorsten Wahner der Herausforderung stellen, bei zwei Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz den Abstieg aus der Bezirksliga zu verhindern. Im Juni übernimmt dann Andreas Süßmeier – als Sulzfelds Trainer Nummer sieben in den letzten acht Jahren.

Sulzfelds Trainer seit 1998

Jürgen Walter (Juli 1998 – Juni 2004)
Ralf Hering (Juli 2004 – Juni 2005)
Jochen Seuling (Juli 2005 – November 2007)
Jürgen Stahl (Januar 2008 – Dezember 2008)
Andreas Süßmeier (Januar 2009 – Juni 2009)
Björn Auer/Tobias Jäger (Juli 2009 – November 2010)
Martin Lang (Dezember 2010 – April 2012)