Handball-Bayernligist HSV Bergtheim und sein Trainer Stephan Dinkel gehen ab sofort getrennte Wege. Diese Entscheidung ist im beiderseitigen Einverständnis gefallen. Dinkel wollte ursprünglich den Stab erst nach der Saison an seinen designierten Nachfolger Florian Reitz (derzeit noch TG Würzburg) übergeben (wir berichteten).

Dass der HSV-Trainer nun vorzeitig die Handballerinnen verlässt, hängt nicht zuletzt mit seiner hohen beruflichen Belastung zusammen. „Ich habe einfach nicht mehr den Kopf, um die Mannschaft mit der nötigen Konsequenz zu betreuen, und so bin ich dankbar, dass ich nun aus der Verpflichtung befreit bin“, wird Dinkel in der Pressemitteilung des Vereins zitiert.

Als Inhaber eines Ingenieurbüros ist der Volkacher beruflich stark eingespannt. „Die Leute haben mich seit Jahren gefragt, wie ich das überhaupt auf die Reihe bekomme. Die berufliche Belastung ist bei mir schon immer groß, aber der Reiz, eine Bayernliga-Mannschaft zu trainieren, war größer, als ich die Aufgabe übernommen habe. Ich habe aber seit einiger Zeit gemerkt, dass ich nicht mehr die Power habe, um das der Mannschaft weiterzugeben. Wenn es läuft, hast du als Trainer nicht viel zu machen“, beschreibt der Übungsleiter seine Situation.

Durch Verletzungen von Leistungsträgerinnen wie der Volkacherin Sandra Hämmerlein läuft es bei den Bergtheimerinnen aber nicht mehr von alleine. Der Trainer wäre in dieser Situation noch mehr gefordert gewesen. Das kann Stephan Dinkel nicht mehr leisten. Eigentlich wollte er schon nach der vergangenen Saison aufhören, wenn die Verantwortlichen einen Nachfolger gefunden hätten. Das hat aber erst jetzt geklappt. „Und jetzt ist endgültig Schluss“, hat er sich fest vorgenommen, auch wenn er nach dem angekündigten Ende in Bergtheim schon wieder Anfragen erhalten hat.

Die Betreuung der Bergtheimer Frauen übernimmt bis zum Rundenende die Familie Kreisel: Wolfgang, Dinkels Vorgänger und HSV-Vorsitzender, seine Frau Franziska und Sohn Silvester, der in Personalunion auch die Zweite verantwortet. Als Betreuerin bleibt Gerlinde Lichtlein mit an Bord. „Wir haben uns das Ganze nun untereinander aufgeteilt“, sagt Wolfgang Kreisel, der seit seinem Abschied nach der Saison 2012/13 keine einzige Partie der HSV-Frauen mehr vor Ort verfolgt hat. Das dürfte sich nun ändern, auch wenn der 69-Jährige im Derby an diesem Samstagabend gegen die SG Garitz/Nüdlingen (Samstag, 18 Uhr, Willi-Sauer-Halle) dem Geschehen wohl noch fernbleibt.

„Ich will kein großes Aufhebens um die neue Situation machen“, so Kreisel. Zusätzlichen Schwung erhofft sich der Tausendsassa durch den Trainerwechsel aber schon. Schließlich sind die Bergtheimerinnen mittendrin im Titelrennen.

Aktuell bilden drei Klubs, darunter der HSV, mit acht Minuspunkten die Spitzengruppe der Tabelle. Der HC Erlangen folgt mit neun. Zuletzt hatte Franziska Kreisel die Mannschaft in Vertretung des urlaubenden Dinkel nach Wunsiedel begleitet – und ist mit einem souveränen 27:19-Sieg im Gepäck wieder nach Hause gekommen (wir berichteten). Danach ging alles ganz schnell: Am Dienstagabend verabschiedet sich Dinkel vor dem Training von den Spielerinnen.

Nach der Saison soll die geleistete Arbeit des Volkachers nochmals in einem angemessenen Rahmen gewürdigt werden. Dinkel hat den Bayernligisten im Sommer 2013 von Wolfgang Kreisel übernommen, unter dem er einige Jahre zuvor bereits als Co-Trainer gewirkt hatte. Sein größter Erfolg war die Bayernliga-Meisterschaft in der vergangenen Saison. Der anvisierte Aufstieg blieb den Bergtheimerinnen in der Relegation jedoch verwehrt. In diesem Jahr steigt der Meister wieder direkt in die dritte Liga auf.

Bis sich der HSV über eine etwaige Drittliga-Rückkehr Gedanken machen kann, steht allerdings noch ein langer und steiniger Weg bevor. Zehn Spiele sieht der Terminplan noch vor, darunter gegen die direkten Mitbewerber HC Erlangen (5. März/A), ASV Dachau (9. April/H) und HG Zirndorf (30. April/A).