Seit Mitte Dezember geht es Wolfgang Kreisel nun schon schlecht. Das würde er aber nie zugeben, denn Kreisel neigt nicht zum Jammern. Der Bergtheimer Handball-Tausendsassa hat trotzdem mit den alles andere als leichten Folgen einer Arthrose zu kämpfen. Der Trainer und Vorsitzende des HSV Bergtheim (5./18:10) kann kaum laufen. Ohnehin ist er seit einem tragischen Verkehrsunfall vor mehr als 40 Jahren „inkomplett querschnittsgelähmt“, tut sich mit dem Gehen schwer. Das aber hat ihm nie die Lebensfreude geraubt, schon gar nicht die große Liebe zum Handball.

Die Geschicke des Landkreis-Vereins lenkt er dieser Tage eben von zu Hause aus. Aber am Samstagabend, das hat Kreisel felsenfest vor, will er wieder in die Willi-Sauer-Halle, ohnehin so etwas wie sein Wohnzimmer. „Beim Derby würde ich gerne mein Comeback geben“, sagt der Trainer mit einem Schuss Ironie. Den Job an der Seitenlinie freilich überlässt er aber auch im Match gegen den punktgleichen Rivalen TV Etwashausen (4./18:10) seiner Gattin Sissi: „Wolfgang ist Macho genug, um auch nur dann dabei sein zu wollen, wenn er alleine laufen kann. Wir arbeiten daran.“

Kreisel arbeitet seit Jahrzehnten für den HSV Bergtheim, der vor seiner Abspaltung als SV Bergtheim im Frauenhandball erfolgreich war und den Namen der Landkreisgemeinde bayernweit bekannt machte – der 66-jährige Familienvater hat vieles erlebt, hievte den Dorfverein bis in die Dritte Liga, aktuell befindet sich der amtierende bayerische Meister in einer Phase des personellen Umbruchs. Auch das will Kreisel, der mit seiner Meinung nie lange hinter dem Berg hält und deshalb nicht nur Freunde hat, meistern. Gerade diese Saison soll ein ordentliches Ende nehmen, denn – man mag es kaum glauben – Kreisel kann tatsächlich loslassen. Seinen Trainerjob gibt er nach fast 40 Jahren auf, das hat er so gesagt – und im stillen Kämmerlein tatsächlich auch so gehandelt: Stephan Dinkel, das wird in der kommenden Woche dann auch ganz offiziell bekannt gegeben, tritt in der neuen Spielzeit in Kreisels Fußspuren.

Der 46-jährige Ingenieur aus Volkach arbeitete bereits vor sechs Jahren als Co-Trainer an der Seite von Kreisel beim HSV, ehe er die Landesliga-Männer in Gerolzhofen übernahm und nach der Rückkehr zu seinem Stammverein VfL Volkach in den letzten eineinhalb Jahren als Coach die Bayernliga-A-Junioren der DJK Rimpar trainiert. „Ich freue mich auf die Aufgabe in Bergtheim und will dort weitermachen, wo Wolfgang aufgehört hat“, sagt Dinkel, der Mitte Juni das Team übernehmen wird: „Der Umbruch wird weitergehen, die eine oder andere Spielerin tritt kürzer oder hört auf. Aber ich bin guter Dinge, dass wir diesen Übergang hinbekommen.“

Im Hier und Jetzt wartet auf Bergtheim am Samstagabend das Derby gegen Etwashausen. Und da wird es auch nicht anders sein als über weite Strecken in dieser Saison, in der der HSV mit personellen Problemen zu kämpfen hatte und immer wieder auch noch zu kämpfen hat: Jetzt hat sich Jugendtorfrau Anne Wagner das Knie verdreht, Nina Thoben ist mit der Schule beim Skikurs, und Carolin Pfennig fehlte erkältet beim Training. „Trotzdem wird Etwashausen auf ein ganz anderes Team treffen“, spielt Sissi Kreisel auf das Hinspiel an, dass Bergtheim mit dem quasi allerletzten Aufgebot 22:31 verloren hatte: „Das war damals nur eine halbe Mannschaft. Aber auch jetzt müssen wir wieder diese Spielfreude zeigen wie zuletzt, um das Bild gerade zu rücken.“